Pfingstsonntagmorgens um acht Uhr trifft die Mannschaft der Zurich State Spartans ein. Der Car steht bereit, um uns nach Lugano zu befördern. Viele Spieler sind anwesend, auch solche die eigentlich verletzungsbedingt nicht spielen werden, dennoch aber ihre Mannschaft begleiten. Während der Fahrt richten es sich viele bequem ein und schlafen nochmals eine Runde. Unsere Gotthardprophezeiung lautet, nach Lugano ohne Problem und Stau, retour könnte es kritisch werden. So kann man sich irren, vor dem Gotthardportal heisst es dann für uns warten. Am Ziel angekommen, haben die Spieler nicht mehr so viel Zeit, um sich vorzubereiten, dennoch reicht es für das wichtige Aufwärmen. Schon mein erstes Gespräch mit den Schiedsrichtern beinhaltet das Thema Wetter. Nach 15:00 Uhr soll es beginnen zu regnen und später dann richtig heftig werden. Schon jetzt steht fest, dass wenn es zu stark gewittert, das Spiel unterbrochen beziehungsweise sogar abgebrochen werden muss.
Das Spiel beginnt mit dem Kick der Spartans und die Rebels sind im Angriff. Bereits im zweiten Lauf kann Luganos #40 Cesare Alberti durch die Defense durchbrechen und nimmt die Beine in die Hand. Er läuft uneinholbar bis in die Endzone. Schock bei den Spartans, nur wenige Sekunden nach Spielbeginn liegen sie bereits mit 6:0 hinten. Das verwandelte Fieldgoal macht die Sache dann nicht besser, neuer Spielstand 7:0 für die Rebels. Die Spartans kommen mit ihrem Angriff nicht weit, denn ein Pass wird in der Luft abgefangen und schon wieder bestimmen die Gastgeber das Spiel. Da sie sich noch immer in der Gastspielfeldhälfte befinden, werfen sie einen Pass in die Endzone, der dort gefangen wird. Der Zusatzpunkt sitzt und es heisst 14:0 für Lugano. Die Spartans nun wachgerüttelt schaffen erfolgreich mehrere Runs und stehen an der 12 Yard-Linie. Finn Waterholter findet eine Lücke und bricht in die Endzone durch. Neuer Spielstand nach erfolgreichem Fieldgoal 14:7. Die Rebels tragen den anschliessenden Kick der Spartans zurück bis an die 34 Yard-Linie. Eine schmerzhafte Situation für die Nummer 8 der Rebels, Michael Otth, endet damit, dass er von zwei Kollegen vom Feld getragen werden muss. So wie es auf dem Foto aussieht, wurde das Knie arg in Mitleidenschaft gezogen.
Das zweite Viertel können die Spartans mit ihrem Angriff eröffnen. Philipp Gartmann läuft in die Endzone, doch die Schiedsrichter ahnden ein sogenanntes Taunting, das Verhöhnen des Gegners. Somit zählt der Touchdown nicht und die Spartans erhalten dafür eine 15 Yard-Strafe und starten von der 21 Yard-Linie. Da die Gäste es in den drei Versuchen nicht geschafft haben, die zehn Yards zu überwinden, entscheiden sie sich für einen Fieldgoalversuch. Dieser passt und der Spielstand erhöht sich für die Spartans auf 14:10. Wieder kann die Nummer 40 der Rebels nach Ballerhalt bis in die Endzone durchlaufen. Aber auch sein Touchdown zählt nicht wegen unsportlichen Verhaltens. Ich habe nichts gesehen, aber darum hat es ja auch mehrere Schiedsrichter auf dem Feld. Ein weiterer Passversuch der Rebels endet mit einer Interception durch Nicola «Ibra» Gall und er trägt den Ball bis an die 20 Yard-Linie zurück. Finn Waterholter wird lanciert und erzielt ein neues first down an der 36 Yard-Linie. Soeben kommt auf meinem Handy eine Gewitterwarnung der Stufe 4 rein. Ich bin mal gespannt, wie es weitergeht. Die Gäste können ihren Run nicht durchziehen und erneut sind die Rebels im Angriff. Und wieder bricht der 40er der Rebels durch die Verteidigung der Spartans und läuft in die Endzone zum neuen Resultat 21:10. Janosch Strässle nimmt den Kick in Empfang und macht einen Zickzacklauf durch die heranstürmenden Gegner. Er kann so bis an die gegnerische 40 Yard-Linie vordringen. Eine Nebeninfo: Das Spielfeld ist auch in Lugano in einer gekürzten Version. Von 40 - 50 - 40 sind es nur 10 Yards statt der eigentlich üblichen 20. Kurz vor Spielhälfte können die Spartans mit einem Lauf von Finn Waterholter das Resultat auf 21:16 erhöhen, nur sechs Punkte für den Touchdown, da das Fieldgoal abgeblockt wird. Es beginnt zu regnen und rund um uns herum gehen die ersten Blitze nieder und wir gehen in die Halbzeitpause.
Nach kurzem Sammeln und Besprechen mit dem Coach neben dem Feld kommen die Spieler wieder zurück und wir stehen alle relativ gedrängt unter den beiden Zelten auf unserer Seite. Sowohl Regen als auch Wind werden stärker und das Gewitter kommt immer näher. Den Schiedsrichtern wird es zu bunt, sie ordnen eine verlängerte Pause an und wir evakuieren das Feld. Im Eiltempo flüchten wir in Richtung Garderoben. Das Partyzelt des Verpflegungsstandes sieht schon sehr ramponiert aus. Als ich auf dem Wetterradar schaue, befinden wir uns gerade in einer violetten Zone, Starkregen. Die Schiedsrichter sprechen sich ab, ob das Spiel nur unterbrochen oder abgesagt werden muss. Sie zögern den Entscheid um etwa 25 Minuten raus. Ein Abbruch hätte zur Folge, dass die Spartans für die zweite Spielhälfte nochmals in Tessin reisen müssten. Dies wäre natürlich nicht im Sinne der Mannschaft und so ist das Aufschnaufen gross, als man sieht, dass der Regen nachlässt und das Gewitter weiterzieht. Nach einer etwas mehr als 40-minütigen Pause gehen wir wieder auf das Feld und die Spieler wärmen sich wieder auf.
Die Spartans können die zweite Hälfte mit ihrem Angriff beginnen. Ein Querpass kommt nicht wie geplant an und somit haben die Spartans nun 3rd and 20 to go. Ein weiter Pass bis beinahe an die 10 Yard-Linie kommt leider ebenfalls nicht an und der Angriff geht an die Rebels. Die Nummer 40 wird für die Gäste zum Schreckgespenst. Ein weiteres Mal kann er einfach durchlaufen und einen Touchdown erzielen. Das Fieldgoal passt dann nicht und so heisst es jetzt 27:16. Auf Seite der Spartans ist es entweder Waterholter oder Gartmann, die immer wieder durchbrechen können. Jetzt ist es «Garti», der bis an die 40 Yard-Linie durchdringt. Ein weiterer Wurf für Philipp Gartmann, welcher ihn bis an die 27 Yard-Linie bringt.
Mit dem letzten Seitenwechsel beginnt das vierte Viertel. Habe ich schon erwähnt, dass die 40 der Rebels durchläuft, wie ein heisses Messer durch Butter? Er kann einen weiteren Touchdown erzielen und es steht es 34:16. Die 87 der Spartans bringt sie in zwei Läufen bis an die 35 Yard-Linie. Janosch Strässle trägt dann das Ei über die Goalline und bringt die Spartans wieder 6 Punkte näher an die Rebels. Das Fieldgoal sitzt und wir schreiben 34:23 auf der nicht mehr existierenden Punktetafel. Im vierten Versuch möchten sie ein Fieldgoal erzielen, doch die Spartans können den Ball blocken und unter Kontrolle bringen. So geht es nun weiter an der 15 Yard-Linie mit dem first down für die Spartans. Dies können die Gäste jedoch nicht in Punkte umwandeln. Dafür kann der Gegner nochmals 3:45 Minuten vor Spielende weitere sieben Punkte schreiben. Mit weniger als zwei Minuten auf der Uhr sind die Rebels wieder im Angriff und wieder bricht der Mann des Spieles Cesare Alberti durch und beschert ihnen weitere sieben Punkte zum Schlussresultat von 48:23.
Eigentlich haben die Spartans das nur verloren, weil sie die 40 der Rebels nicht bremsen konnten. Auch der nichtgewertete Touchdown wegen Tauntings hat dazu beigetragen. Ansonsten hat für mich das Spiel eigentlich ganz gut ausgesehen. Für die Spartans steht nun noch die Heimreise durchs Nadelöhr Gotthard and. Ob es wieder Stau hat ist die Frage, die wir uns stellen. Aktuell sagt Google Maps «alles Grün und kein Stau». Die Stimmung ist gedrückt im Car, dafür bewahrheitet sich die Vorhersage und wir können ohne Probleme nach Hause fahren. Am Samstag fahren wir ans nächste Auswärtsspiel, dann stehen die Glarus Orks auf dem Spielplan.
Lugano Rebels vs. Zurich State Spartans 48:23 (7:3)
Eventdatum: 05.06.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Sportplatz FC Lugano, Lugano
Veranstalter: Lugano Rebels
Zuschauerzahl: ca 20
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