Kiss – extravaganter Auftritt garantiert
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Fantasiefiguren, die Blut und Feuer spucken, gehören zweifelsohne dazu. Am Donnerstagabend begeistern Kiss die Fans an ihrem zweitletzten Auftritt in der Schweiz mit vielen Überraschungen. Kaum zu glauben, dass Gene Simmons zur Verlobung seiner Tochter Sophie «Nein» sagt – und das an ihrem Geburtstag!
Das Konzert von Kiss im Hallenstadion eröffnet der Rocksänger und Songwriter Marc Storace, der in Malta geboren wurde und seit 30 Jahren im Kanton Basel lebt. Langsam begeben sich mehr und mehr Fans in den grossen Konzertsaal. Viele von euch kennen die Stimme von Marc Storace vermutlich aus der Schweizer Kultband TEA oder aus der Hardrock-Band Krokus.
Der Artist bringt die Fans in die richtige Rock-Stimmung durch seine einzigartige rauchige Stimme und durch die Einbindung der Fans. Auch seine ausgewählte schwarze Weste voller verschiedenfarbigen Pins schreien Rock.

Ich habe noch nie zuvor ein Konzert besucht, an dem so viele Fans aller Generationen Kiss-Merchandise tragen. Viele der Schweizer Rock-Fans haben die klassischen Kiss T-Shirts an: die einen eher verwaschen, andere brandneu. Auch 10 Minuten vor dem grossen Auftritt stehen die Fans Schlange, um sich kiss-gemäss einzukleiden. Nicht zu vergessen ist natürlich die markante Gesichtsbemalung von Kiss. Die Zuschauer haben sich für dieses Konzert richtig ins Zeug gelegt und auch das charakteristische Make-up wurde von den Fans nicht vergessen. Es ist kaum zu glauben, dass die Band seit 1973 als Performer tätig sind und noch immer das Publikum dazu bringen, sich passend zu ihren Konzerten zu stylen.
Um 20:58 Uhr ertönt laute Musik und ein Livefeed zeigt, wie die Artisten hinter den Kulissen zur Bühne gehen. Die Fans halten ihre Handys hoch, um den Start filmen zu können. Das Publikum wartet gespannt und kann es kaum erwarten, die populäre Band endlich zu sehen. Es wird geschrien, getanzt und von meinem Sitzplatz aus sehe ich tausende sich bewegenden Köpfe in voller Aufregung. Es knallt und der Vorhang mit dem Wort Kiss fällt, blaue Lichtstrahlen bewegen sich in der ganzen Halle, Feuerwerk auf der Bühne und die Musiker schweben auf erhöhten Plattformen in der Luft. Fans, die vor Aufregung Schreie von sich geben, eine Lichtershow, Feuerwerke und ein Publikum, das diesen Moment für immer auf ihren Handys festhalten will. Welch ein Einstieg in die Show!
Der Bühnenauftritt am Donnerstag setzte sich aus den Highlights der letzten 45 Jahre ihrer musikalischen Karriere zusammen. Die «End of the Road»-Tour, die Abschiedstournee der Band, beginnt durch eine grosse Ansage der Künstler: «Ihr Fans wollt das beste hören und wir werden euch dies nun noch einmal geben». Sie starten ihre Show mit «Detroit Rock City», darauffolgend «Shout It Out Loud». Die Show, welche die Künstler Paul Stanley, Gene Simmons, Tommy Thayer und Eric Singer uns liefern ist geprägt von vielen Highlights, von welchen ich euch hier berichten werde. Zu den verschiedenen Liedern werden nostalgisch Aufnahmen aus den vergangenen Konzerten projiziert, Pyros gezündet und was sie besonders sympathisch machen, sind die stetigen Aufforderungen in deutsch, mitzusingen.

Simmons unglaublich lange Zunge ist während des Konzertes zigmal zu sehen. Für ihn ist der heutige Tag nicht nur speziell, weil es der letzte Gig in Zürich sein wird, sondern auch weil dies der Geburtstag seiner Tochter Sophie ist. Sie wird auf den Leinwänden gross gezeigt und scheint berührt zu sein. Stanley fordert das Stadion auf, für Sophie «Happy Birthday» zu singen. Als wäre dies noch nicht genug Aufregung für Simmons! Denn es ist nicht nur Sophies Geburtstag, sondern auch ihre Verlobung. Lustigerweise nimmt Simmons den Platz eines beschützenden Vaters ein und sagt scherzend «nein» zur Verlobung. Das Publikum lacht.
Durch die Make-Up-Masken der Artisten erscheinen sie uns wie Comicfiguren. Doch Simmons bringt das ganze durch seine Blutshow auf ein anderes Level. Unheimliche Gitarrenklänge ertönen und der Scheinwerfer zeigt nur auf Gene Simmons. Grimassen werden gezogen, bis Blut aus seinem Mund läuft und sogar seine Zähne nehmen die rote Farbe an. Als wäre er von Dämonen besessen, schwebt er blutend auf der schwebenden Plattform und singt uns «God of Thunder». Die Fans sind von diesem schaurigen Akt begeistert.
Fast zu Konzertende bittet der Leadgitarrist und Sänger uns beim nächsten Hit mitzusingen. Er sagt uns: ich werde es euch vorsummen, damit ihr auch wisst wie dieses Lied geht. Alle erkennen diesen Welthit und der Künstler spielt endlich «I Was Made For Loving You Baby». Auch ich selbst konnte es kaum erwarten, diesen Song nun endlich live hören zu dürfen. Die Erwartung war riesig und wurde immer grösser während des Konzertes auf Grund ihrer sehr guten Leistung. Die Fans singen, stehen von ihren Sitzplätzen auf und tanzen zur bekannten Melodie. Welch ein epischer Moment!

Doch wie es dazu gekommen, dass die Band mit ihren charakteristischen Outfits und Gesichtsbemalungen auftreten? Dieses Unterscheidungsmerkmal hat Kiss zu grossem Erfolg geführt. Obwohl es offensichtlich ist, dass die vier Make-Up-Looks auf Charakteren basieren, entstanden diese Bühnenpersonen aus Neugier. Zu Beginn ihrer Karriere war es sehr üblich, dass die Rockstars weiblich gekleidet und geschminkt auftraten. Dies war für die Männer von Kiss eher schwierig, denn sie sind gross und breit gebaut. Da für die Mitglieder das Auftreten als eine heilige Erfahrung betrachtet wird, haben sie als Band beschlossen, ihr eigenes Make-Up und ihre eigenen Outfits zu kreieren. Simmons erzählt in einem Interview, dass er sich erinnert, wie er in New Yorker Loft in den Spiegel schaute und einfach begann, sein Gesicht zu bemalen. Kaum zu glauben, dass die Entstehungsgeschichte dieser Charaktere aus einem Moment von Neugierde und Kreativität der Artisten startete. Heute treten Paul Stanley als «Starchild», Gene Simmons als «Demon», Tommy Thayer als «Spaceman» und Eric Singer als «Catman» auf. Zusammen erscheinen sie für mich in diesem Konzert wie vier schaurige Comicfiguren. Leder, Latex und die hohen schweren Plateaustiefel in schwarz und silber ermöglicht den Artisten, wie animierte Figuren zu wirken.
Dieser Auftritt zeigt noch einmal auf, dass der Erfolg nicht allein durch ihre Stimmen kommt. Verschiedene Faktoren haben zum Erfolg von Kiss über die Jahre hinweg beigetragen. Zum einen sind es ihre Bühnenoutfits, ihre extravaganten Live-Auftritte, bei denen sie Feuer und Blut spucken, Gitarren rauchen lassen und die charakteristische Zunge Simmons darf natürlich auch nicht vergessen werden. Das bekannteste Merkmal der Band ist ohne Zweifel das ikonische Make-up. Ihre Kostüme und Gesichtsbemalungen ermöglicht es den Bandmitgliedern, als Fantasiefigur aufzutreten und ist und bleibt die charakteristische Eigenschaft von Kiss.
Eventdatum: 07.07.2022
Journalistin: Daniela Frei / szenemagazin.ch
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Goodnews
https://szenemagazin.ch/konzert/item/862-kiss-extravaganter-auftritt-garantiert#sigProId3335e032c3
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