Den Pet Shop Boys reicht der Hallenstadion Klub
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Es muss nicht immer das grosse Hallenstadion sein, auch im sogenannten Hallenstadion Klub kann gute Stimmung aufkommen. Besonders wenn Pet Shop Boys mit ihren Hits «West End Girl» oder «It’s a Sin» auf der Bühne stehen. Anders als sonst ist dies kein Konzertrückblick. Wie es dazu kam, erfahrt ihr im Laufe dieses Berichts.
Für das britische Pop-Duo ist Zürich der vierte Stop. Begonnen haben sie ihre Tour durch Europa in Mailand, sind dann nach Wien, München und gastieren jetzt im Zürcher Hallenstadion. Ich muss gestehen, ich sehe heute die Tierhandlungsjungs zum ersten Mal und freue mich enorm auf den Auftritt.
Die Fotoregeln für heute Abend sind jedoch sehr speziell: Anstelle der üblichen drei Songs zu Beginn des Konzerts dürfen wir ab der 25. Minute vier Songs ablichten. Die Freude steigt umso mehr, denn dann kann ich den Rest der Show schauen und mich in meine Jugendjahre zurückversetzen lassen. Doch dann kommt die Nachricht, wir dürfen erst ab Minute 60 für 10 Minuten fotografieren.
Das bedeutet für mich, dass Konzertschauen ins Wasser fällt. Denn: die Fotoausrüstung draussen abgeben, Konzert schauen, Kamera für die erlaubten Songs wieder holen - und danach alles wieder draussen abgeben, wenn man den Rest der Show schauen möchte - braucht zu viel Zeit. Somit werde ich also nur die 10 Minuten des Konzerts als Fotograf geniessen können. Ich freue mich immer noch.
Dann ist es so weit, wir werden vom Veranstalter beim Treffpunkt draussen abgeholt. Einmal durch die Katakomben der Halle und wir stehen an der Seite des Innenraums. Die PSB spielen heute im Hallenstadion Klub, wo die Bühne jeweils in der Mitte der Halle aufgebaut wird. Das Mischpult, dem sogenannten Front of House (FOH) ist meistens in der Mitte der Stehplätze. So auch heute. Während wir uns zum FOH bewegen, stimmt Neil Tennant auf der Bühne zu «New York City Boy» an. Ich kriege Gänsehaut. Träumend stehe ich hinter dem Mischpult und wippe mit meinem Kopf.
Der Moment der Wahrheit kommt, wir dürfen loslegen. Neil steht mit seiner Akkustikgitarre unter einer Strassenlaterne. Während er «You Only Tell Me You Love Me When You're Drunk» performt, ist der Rest der Bühne in Dunkelheit gehüllt. Nur gerade die beiden Strassenlaternen spenden etwas Licht. Im Anschluss fährt die LED-Wand runter und «Jealousy» wird angespielt. Neil geht während des Songs ganz langsam von links nach rechts vor dem Screen durch. Fototechnisch leider nicht wirklich interessant. Danach wird es jedoch noch schlimmer: es wird dunkel und er verschwindet. Plötzlich wird er hinter der LED-Wand stehend von einer Lichtquelle zum Song «Love Comes Quickly» angestrahlt. Zusätzlich flimmern Strichzeichnungen über das Display.
Wie sonst üblich ist für uns Fotografen nach drei Songs Schluss und so wenden sich die ersten ab und wollen bereits wieder in Richtung Hallenausgang. Auch ich kehre mich um, werde dann aber vom Security angetippt und er meint: «Ihr habt noch 30 Sekunden». So drehe ich mich wieder Richtung Bühne, welche nach dem Hochfahren des Videoscreens zum ersten Mal für uns komplett sichtbar wird. Musikalisch bekommen wir «Loosing my Mind» zu hören, visuell bestes Licht für doch noch ein paar gute Bilder. Nach den erfolgreichen 30 Sekunden müssen wir dann die Halle definitiv verlassen.
Auf dem Weg nach draussen erfahre ich, dass die Show bis um zehn Uhr geht, also noch etwas mehr als 25 Minuten. Dafür ist mir der Aufwand zu gross, draussen den Rucksack abzugeben. Da ich von der Show also nur 10 Minuten mitbekommen werde und mich in der Zeit auf das Fotografieren konzentrierte, werde ich keinen Rückblick schreiben können. Stattdessen habt ihr einen Einblick hinter die Kulissen eines Fotografen bekommen. So gehe ich mit einem weinenden und einem lachenden Auge nach Hause. Lachend, da ich mich für ein paar Songs in meine Jugendjahre zurückversetzen lassen konnte. Weinend, weil das ganze fototechnisch ein regelrechtes Desaster war. Von einem Konzertbesucher erfahre ich nach der Show, dass «West End Girl» als Zugabe neben «Being Boring» gespielt wurde, jedoch nur in einer gekürzten Version.
Eventdatum: 15.05.2022
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion Klub, Zürich
Veranstalter: Gadget
Zuschauer: unbekannt
https://szenemagazin.ch/konzert/item/832-den-pet-shop-boys-reicht-der-hallenstadion-klub#sigProId6c38bd0a7f
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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