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London Symphonic Rock Orchestra

London Symphonic Rock Orchestra Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Es ist einer dieser Abende, an denen sich Kategorien auflösen: Das London Symphonic Rock Orchestra zeigt, wie mitreissend vertraute Rocksongs klingen können, wenn sie in orchestrale Wucht und viel sichtbaren Spielspass gehüllt werden. Schwarze Outfits, bemalte Gesichter und ein Set voller ikonischer Songs verwandeln den Abend in ein unerwartet intensives Gesamterlebnis.

Es ist schwierig zu beschreiben, wie die Stimmung im Kongresshaus Zürich war. Denn für ein Rockkonzert war es im Saal zu still und für ein klassisches Konzert wiederum zu laut. Die Konzertbestuhlung zeigt denn auch deutlich, wer das Zielpublikum ist. Erst bei den letzten Songs stehen alle, nachdem Jesse Smith sie dazu auffordert. Das heisst aber nicht, dass keine Energie im Raum war oder die Zuschauer keine Freude an der Performance hatten – mitnichten. Ich schaue rundherum in begeisterte Gesichter, es wird geklatscht, gesummt und manchmal bei rein instrumentalen Songs leise mitgesungen.

Das Ensemble setzt sich aus professionellen klassischen Musikerinnen und Musikern zusammen, die zugleich Erfahrung mit genreübergreifenden Crossover-Projekten haben – aus Londoner Orchestern, Musical-Produktionen und Studio-Projekten. Das 11-köpfige Orchester und Sänger Jesse James tragen schwarze Klamotten mit Nietengurten und Ketten, teils im Stil von Punkrock, teils Goth. Einige haben sich schwarze Masken aufgemalt, andere haben Muster aus schwarzen Strichen im Gesicht.

Jeder Song ist schon nach den ersten Takten erkennbar, obschon bei den meisten kein Ton gesungen wird. Die 20 Lieder plus Zugaben kann man als Klassiker bezeichnen, weshalb ihr Wiedererkennungswert entsprechend hoch ist. Manchmal tauscht Eleanor Grant ihren Kontrabass gegen ein Mikrofon ein oder ist Duettpartnerin von Jesse Smith.

Von Drummern und Perkussionisten ist man sich Dynamik gewohnt. Und genau das erleben wir von James Nall und Isaac Cortvriend, die viel Energie versprühen. Anders als bei klassischen Konzerten bewegen sich Violonistin Ellie Stanford, Antonia Pagalatos an der 5-seitigen Geige und Charlie Stock mit ihrer Viola auf der Bühne und zeigen ihr Können. Guy Passey wechselt immer wieder zwischen Oboe, Querflöte, Piccolo und Saxophon hin und her. Er steht bei einem Song im Spotlight in der Bühnenmitte, genau wie Sam Freeman mit aufgemaltem Irokesenschnitt. Wenn er nicht spielt, starrt er mit düsterer Mine ins Publikum, seine Posaune in der linken Hand. Leider habe ich den Namen der Cellistin, der zweiten Geige und der Trompeterin nicht mitbekommen. Auch sie sind mir nicht entgangen.

Das Zusammenspiel von bekannten Songs mit klassischen Instrumenten interpretiert, ihre Bühnenpräsenz und den spürbaren Spass sowie die sehr effektiv eingesetzte Lichtshow machen den Abend zu einem wunderbaren Erlebnis. Teils werden Erinnerungen aus einer längst vergangenen Zeit wach – und die gespielten Lieder beinhalten vermutlich bei allen eher positive Erlebnisse.  

 

Hintergründe zum London Symphonic Rock Orchestra (LSRO)

Das LSRO wurde 2018 gegründet, um klassische Orchestermusik mit modernen Rock- und Metal-Elementen zu verbinden. Die Idee entstand aus der wachsenden Nachfrage nach Live-Shows, die traditionelle Orchesterinstrumente mit der Energie grosser Rockkonzerte kombinieren. Einerseits werden bekannte Rock- und Metal-Songs orchestriert, andererseits macht man so klassische Musik einem breiteren Publikum zugänglich. So richtig bekannt wurden sie, als sie Teil der «The Show Must Go On»-Queen-Tribute-Produktionen wurden und Kooperationen mit Shows wie «Symphonic Rock in Concert» eingingen.

Die Shows sind visuell und technisch aufwändig produziert. Für mich als Fotograf ist es herrlich, mal keine LED-Wand in Hintergrund zu sehen. Sie spielen vor einem schlichten Vorhang, das Orchester wird mit Scheinwerfern, Spots und Projektionen in Szene gesetzt. Die Arrangements sind so gestaltet, dass sie die Wucht eines Rock- oder Metalsongs erhalten, aber mit der Breite eines klassischen Orchesters. 

Den Abschluss für 2025 bildet die Schweiz mit Konzerten in Zürich, Bern und Basel. Im Januar geht’s weiter durch die UK bis Ende März 2026, bevor sie im Herbst durch die skandinavischen Länder touren.

 

Eventdatum: 29.11.2025

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Kongresshaus, Zürich

Veranstalter: act entertainment ag

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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