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Schaffhausen hält sich zurück, bis Capaldi die Bühne betritt

Schaffhausen hält sich zurück, bis Capaldi die Bühne betritt Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ausverkaufter Abend – die meisten Zuschauer trudeln spät ein und die volle Capaldität ist tatsächlich erst kurz vor seinem Auftritt sichtbar.

Zu Beginn des Abends spürt man wenig davon, dass es keine Tickets mehr zu kaufen gibt. Selbst vor dem zweiten Act können die Zuschauer noch gemütlich auf den Boden sitzen, bis es losgeht. Doch beim Eindunkeln wird immer klarer: es ist ausverkauft und die Mehrheit der Zuschauer kommt für Lewis Capaldi.

 

Musik auf der Talentstage von Anikk, Lily Costa, Heera und Dachs

Anikk gehört zu den spannenden Nachwuchsstimmen der Schweizer Musikszene. Die Singer-Songwriterin verbindet gefühlvolle Texte mit modernen Pop- und Indie-Elementen und verarbeitet in ihren Songs persönliche Erlebnisse und Emotionen. Ihre Musik lebt von einer direkten, ehrlichen Atmosphäre und einer Stimme, die Nähe zum Publikum schafft. Mit ihrer Mischung aus Melancholie und eingängigen Melodien zeigt sie, dass auch leise Töne grosse Wirkung haben können.

Lily Costa bringt modernen Pop mit Einflüssen aus Soul und R&B auf die Bühne. Die Schweizer Sängerin überzeugt mit ihrer ausdrucksstarken Stimme, eingängigen Melodien und einer natürlichen Bühnenpräsenz. In ihren Songs verbindet sie persönliche Geschichten mit einem zeitgemässen Pop-Sound und schafft dadurch eine Mischung aus Emotion und Energie.

Heera steht für einen modernen Mix aus Pop, R&B und elektronischen Klängen. Die Schweizer Künstlerin setzt in ihren Songs auf atmosphärische Produktionen und persönliche Texte, die Themen wie Beziehungen, Selbstfindung und innere Entwicklung aufgreifen. Ihre Musik wirkt gleichzeitig verletzlich und selbstbewusst und lebt besonders von ihrer warmen Stimme. Mit ihrem eigenständigen Stil hebt sie sich innerhalb der Schweizer Nachwuchsszene ab.

Dachs ist das Musikprojekt des St. Galler Musikers Basil Kehl und gehört seit mehreren Jahren zu den festen Grössen der Schweizer Indie-Szene. Seine deutschsprachigen Songs verbinden eingängige Popmelodien mit persönlichen, oft sehr beobachteten Texten aus dem Alltag. Zwischen Indie-Pop, Rock und elektronischen Elementen entsteht ein Sound, der gleichzeitig verspielt und nachdenklich wirkt. Live zeigt Dachs mit seiner Band, wie viel Energie hinter den teilweise ruhigen und poetischen Songs steckt.

 

Tag 2 auf der Mainstage beginnt mit Soft Loft

Auch am zweiten Festivalabend eröffnet ein Schweizer Act den Abend am Herrenacker. Soft Loft ist eine Indie-Pop-Band rund um Sängerin und Songwriterin Jorina Stamm. Die Gruppe verbindet atmosphärische Melodien mit ehrlichen, emotionalen Texten über Themen wie Beziehungen, Einsamkeit und Selbstfindung. Ursprünglich als Duo gegründet, entwickelte sich das Projekt zu einer fünfköpfigen Band, die grossen Wert auf Gleichberechtigung und kreative Zusammenarbeit legt. Mit ihrer EP «In Case You Still Get Lonely» und dem Debütalbum «The Party And The Mess» konnte sich Soft Loft auch international einen Namen machen. 2023 wurde die Band als SRF 3 Best Talent ausgezeichnet und zählt heute zu den spannendsten Newcomern der Schweizer Indie-Szene.

Am Ende ihres Auftritts lassen sie einen leuchtorangenen Papierflieger ins Publikum segeln – wer ihn fängt, erhält am Merch-Stand ein Geschenk. Da leichter Gegenwind herrscht, landet dieser aber nur knapp in der ersten Reihe.

Wie schon gestern werden von der Migros wieder silberne und orangene Bälle ins Publikum geschossen, die Freigetränke oder Eintritte für nächstes Jahr einbringen. Ob es Absicht war, dass zwei Bälle für Eintritte auch in der ersten Reihe und in der VIP-Lounge landeten? Wir wissen es nicht. Aber unabhängig davon, von wo aus man das Konzert geniesst, hatte man definitiv eine Chance auf einen Gewinn.

 

Unverwechselbar: Meek

MEEK ist eine britische Singer-Songwriterin, die modernen Pop mit persönlichen Texten und einer markanten visuellen Ästhetik verbindet. In ihren Songs verarbeitet sie Themen wie Selbstfindung, Herzschmerz und Selbstbewusstsein und verbindet emotionale Ehrlichkeit mit eingängigen Melodien. Erste Aufmerksamkeit erhielt sie mit ihrer Debütsingle «Fabulous», die ihren unverwechselbaren Stil prägte. Auch ihre Bühnenauftritte und Musikvideos zeichnen sich durch eine auffällige und moderne Inszenierung aus. Mit ihrer Debüt-EP und ersten Festivalauftritten hat sich MEEK als vielversprechende Newcomerin in der britischen Popszene etabliert.

Meek hat gleich mehrere Premieren am heutigen Abend: einerseits ist es der Tourstart, aber auch ihr allererster Auftritt in der Schweiz überhaupt. Zudem spielt sie Expensive Taste, der morgen veröffentlicht werden soll. Nachdem sie diverse Songs und Collabs mit Künstlern wie Martin Garrix, Alan Walker und Rita Ora geschrieben hat, veröffentlichte sie Anfang 2026 den Song Fabulous, der in den UK-Charts weit nach vorne kam und in der «Spotify Viral 50»-Charts für die UK und Irland auftauchte. Nebst ihrem Sound ist auch das Styling nicht 08:15, auch wenn ich bei den Backgroundsängerinnen den Verdacht hatte, dass ihr Outfit in letzter Minute noch angepasst wurde. Aber vielleicht ist es auch Absicht und ich habe das einfach falsch interpretiert. Ob das jetzt tatsächlich Sachen von Primark sind oder nicht, wie ich im Laufe des Abends gehört habe, spielt schlussendlich keine Rolle. Der optische Effekt funktioniert jedenfalls und die Energie schwappt bis zum anderen Ende des Herrenackers über.

 

Zweiter Auftritt am Stars in Town von Lewis Capaldi

Lewis Capaldi stand schon 2019 am Herrenacker auf der Bühne, als ich noch für Negative White berichtete. Persönlich erlebe ich ihn zum vierten Mal live. Entdeckt habe ich seine Musik 2018, als er als Support von Sam Smith im Hallenstadion aufgetreten ist. Im selben Jahr kam er nochmal nach Zürich als Headliner im Plaza. Nach Stars in Town von 2019 hat es mit den Akkreditierungen nicht mehr klappen wollen. Umso mehr freue ich mich, ihn einerseits überhaupt wieder auf der Bühne zu sehen und seinen Auftritt ein zweites Mal in Schaffhausen fotografieren zu dürfen.

Im Fotograben hat sich die Anzahl Medienleute gefühlt verdoppelt. Trotzdem kommt man gut aneinander vorbei und kann während der erlaubten 3 Songs problemlos aus jedem möglichen Winkel Aufnahmen machen. Lewis startet mit etwas gedämpftem Licht und Nebel, das ihn anfänglich fast nur als Silhouette zeigt. Doch das ändert schnell und die Scheinwerfer erzeugen fantastische Effekte. Sein Backdrop sind die Konzertbesucher – keine Bildschau, keine vorgedrehten Videos oder Visuals, einfach ein Livestream seines Auftritts mit Sicht in die Menge. Symbolisch betrachtet könnte man sagen: Das Publikum steht hinter ihm.

Und das spürt man von der ersten Sekunde an, als er die Bühne betritt. Die Begrüssung ist laut, Lewis wird gefeiert. Vermutlich schwingt hier auch ein «schön, dass es dir besser geht und du zurück bist»-Vibe mit. Bei mir ist das jedenfalls so, obschon seither schon wieder ein ganzes Jahr vorüberging. Sein Tourkalender ist vollgepackt mit Auftritten. Etwa so dicht an dicht, wie die Leute auf dem Platz stehen. Zuvor konnte man sich noch locker zwischen die Zuschauer stellen, um von da aus noch ein oder zwei Bilder zu schiessen. Doch jetzt war kein Durchkommen mehr – ich lehne mich definitiv nicht aus dem Fenster mit der Behauptung, dass der Grossteil erst zum Hauptakt eingetroffen ist.

Apropos Fenster und herauslehnen. Während seines Sets unterhält er sich immer wieder mal wieder mit dem Publikum. Auch die Anwohner adressiert er: «Ihr habt keine Tickets gekauft, hm? Ihr schaut also gratis», meint er. Nun… Nicht wirklich, sie müssen ja nebst dem eigentlichen Festival rund 3 Wochen mit Lärm, Verkehrsbehinderungen und sonstigen Einschränkungen während des Auf-/Abbaus leben, Lewis. Das geht manchmal auch vergessen.

Wenn Meek es energietechnisch schon ganz nach hinten geschafft hat, dürfte man Lewis Capaldi noch auf dem Fronwagplatz gespürt haben. Übertrieben? Vermutlich. Aber wenn ich mehr oder weniger den ganzen Auftritt lang mitwippe, dazu ein Lächeln im Gesicht habe und (manchmal auch nur innerlich) mitsinge… heisst das nur, dass mir der Auftritt gefallen hat und nicht, dass es allen so ging. Als ich hoch über dem Platz an einem Fenster seine zweite Zugabe geniessen durfte - und grade der Patzer mit dem Song passiert – wird mir nochmal bewusst, wie voll es am Herrenacker heute Abend ist und was für eine gute Stimmung herrscht. Sein Set schliesst er mit Someone You Loved und verlässt die Bühne ohne viele Worte.

Schaffhausen ist definitiv eines der intimeren Konzerte auf seiner aktuellen Tour. Vergleicht man es mit dem barrierefreien Spezialkonzert zwei Tage zuvor in London mit 2'300 Zuschauern oder dem Auftritt am Montreux Jazz Festival mit 4'000 Personen, kommt schon das Stars in Town mit 6'500 Leuten – 10% seiner grössten Shows wie im Londoner BST Hyde Park, wo er von 65'000 Menschen gefeiert wird.

Für mich geht es nächste Woche weiter mit einem weiteren ausverkauften Abend, an dem EDB, de’wayne und Lenny Kravitz auftreten.

 

  

 

Eventdatum: 30.06.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Stars in Town, Schaffhausen

Veranstalter: Stars in Town

Zuschauerzahl: ausverkauft

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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