Mumford & Sons ziehen das Publikum in ihren Bann
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Normalerweise sieht man keine Lichterketten wie Girlanden an der Decke des Hallenstadions. Aber für das Akustik-Set auf der B-Stage passt das perfekt. Mumford & Sons bringen die Leute zum Singen und Tanzen und erleben die Musiker hautnah – manche wortwörtlich.
Genau wie Mumford & Sons wurde The Vaccines in West-London gegründet, allerdings zwei Jahre später als der Hauptakt. Zu Beginn sind Justin Hayward-Young (Gesang, Gitarre), Freddie Cowan (Gitarre), Árni Árnason (Bass), Pete Robertson (Schlagzeug) und seit 2018 die zwei Tour-Musiker Timothy Lanham (Keys, Gitrarre) und Yoann Intonti (Schlagzeug) Teil der Band. Sie spielen einen Mix aus Indie-Rock, Garage-Rock und Power-Pop. Ihr Debütalbum «What Did You Expect from the Vaccines?» (2011) war ihr bislang grösster kommerzieller Erfolg. Medial gesehen war die auf Youtube veröffentlichte Single If You Wanna nicht nur ihr Durchbruch, sie erhielt auch die «Hottest Record in the World»-Auszeichnung von BBC-Radio.
Ein paar Worte über Mumford & Sons
2007 formierten sich vier britische Musiker zu Mumford & Sons. In der Urbesetzung waren Marcus Mumford (Gesang, Gitarre, Schlagzeug), Ben Lovett (Keys), Winston Marshall (Banjo, Gitarre) und Ted Dwane (Kontrabass). Schon mit der Singleauskopplung Little Lion Man des ersten Albums «Sigh No More» (2009) gelang ihnen der internationale Durchbruch. Das zweite Album «Babel» (2012) ergatterte die Spitze des Turms der US Billboard 200 und brachte ihnen den Grammy Award für das Album des Jahres ein.
Sie gründeten 2009 ihr eigenes Live-Promo-Unternehmen «Gentlemen of the Road», das auch Festivals in kleineren Orten veranstaltet. 2021 verliess Winston Marshall die Band und sie machten als Trio weiter. Dieses Jahr erschien «Rushmere» in der neuen Formation, ihr fünftes Studioalbum.
Du weisst, dass du an einem Mumford & Sons-Konzert bist, wenn…
Ihr Sound ist eine Mischung aus Folk, Indie- und Alternative-Rock. Das Banjo und der Kontrabass sind wichtiger Bestandteil ihrer Musik. Ihre Songs wechseln zwischen ruhigen, intimen Passagen und energiegeladenen, kraftvollen Momenten. Die Lichtsetzung hat einen musikalischen Zweck und ist nicht nur für die Show gedacht. Allerdings haben sie auf dieser Tour sowohl Stroboeffekte als auch Pyro im Einsatz. Die Bühne ist nicht überladen, obwohl sie zwischen mehreren Instrumenten hin- und herwechseln.
Nach dem Hauptteil spielen sie auch heute ein akustisches Set auf einer B-Stage mitten im Publikum. Und dafür rennen sie von der Bühne, an der Seite des Stehplatzbereichs entlang und die Menge muss etwas Platz machen, um diese Stage zu erreichen. Sie holen jemanden auf die Bühne, um etwas für uns zu übersetzen. Lustigerweise wurde er wegen seiner Grösse ausgesucht – und derselbe Mann ragte auch bei uns aus der Masse heraus, als wir vom Mischpult aus über alle Köpfe hinweg fotografierten. Nun ja, fast alle. Er stellt sich als Simon aus Basel vor, was einige Buhrufe generiert und übersetzt eine Begrüssung und Danksagung ans Publikum. Am Ende des dreiteiligen Akkustiksets geht es auf gleichem Weg zurück zur Hauptbühne.
Irgendwann rennt Marcus wieder los – aber nicht einfach so, sondern singend! Und direkt hinter ihm ein Security. Wieder geht’s seitlich der Halle entlang, Treppen hoch bis zu den oberen Sitzplätzen nahe der Logen. Dort singt er ein paar Takte zwischen den Zuschauern, bevor er wieder nach unten rennt. Auf halben Weg zur Bühne entscheidet er sich, einen Ausflug ins Publikum zu machen, umringt von Fans. Noch immer singend, tanzend und kein bisschen ausser Atem. Ob der Security im Schlepptau etwas mehr geschnauft hat? Wir wissen es nicht.
Nach dem letzten Song regnet es einen Funkenvorhang an den Bühnenrand und die Band verschwindet hinter die Kulissen. Nach einer gefühlten Ewigkeit kommen sie zu dritt wieder auf die Stage. Inzwischen ist der Geruch von abgebrannten Wunderkerzen auch auf den oberen Rängen angekommen. Die Halle ist in Rauch gehüllt wie zu alten ZSC-Zeiten. Marcus, Ben und Ted versammeln sich um ein Mikro und wir kommen nochmal in den Genuss von akustischer Musik. Die Ansage der zweiten Zugabe sorgt für einen Lacher: die sei nur für die Basler.
Sie geben insgesamt fünf Zugaben, bevor das Konzert nach gut zwei Stunden unter tosendem Applaus zu Ende geht. Und als letztes möchte ich noch kurz in die Hände klatschen für das soziale Engagement der Band. Sie sind eine Partnerschaft mit PLUS1 eingegangen, um die Organisation War Child zu unterstützen. Pro verkauftes Ticket spenden sie einen Franken, damit War Child Kriegskinder beschützt, ausgebildet und für ihre Rechte einstehen können.
Eventdatum: 20.11.2025
Fotos: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Winterthur
Veranstalter: TAKK-AB-Entertainment
Zuschauerzahl: fast ausverkauft
https://szenemagazin.ch/konzert/item/1477-mumford-sons-ziehen-das-publikum-in-ihren-bann#sigProId40da74ae5d
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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