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Kraftwerk Pioniere der Elektromusik

Kraftwerk Pioniere der Elektromusik Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Die wohl bekanntesten Mitbegründer der elektronischen Musik beenden den Europateil ihrer Tournee mit dem Auftritt am Unique Moments im Hof des Landesmuseums Zürich.

Ihre letzte Show auf Schweizer Boden war vor fünf Jahren, ebenfalls am Unique Moments. Sie sind Titanen und dennoch ganz bescheiden. Besonders wenn man ihren Bühnenaufbau anschaut: Eine grosse LED-Videowand und davor thronen vier Stehpulte, welche ihre Synthesizer verbergen. Eigentlich soll es losgehen, doch ein Verantwortlicher, der an mir vorbeigeht, sagt: «Es dauert noch einen Moment». Daraufhin fällt mir auf, dass gewisse Displays komische Dinge anzeigen, die so in dieser Form sicherlich nicht richtig sind. Etwas mehr als 10 Minuten später wird die Backgroundsoundkulisse heruntergefahren und es folgt eine Durchsage. Aufgrund technischer Probleme werde die heutige Show ohne die Videowand stattfinden. Dieses Problem sei ausserhalb der Verantwortung der Gruppe Kraftwerk, da es die lokale Infrastruktur betreffe. Erste Buh-Rufe schallen durch den Innenhof des Landesmuseums und das Raunen im Publikum wird lauter. Ebenfalls sieht man ein paar Leute, wie sie die Location zu verlassen.

Um 20:45 kommen sie Uhr15 Minuten Verspätung auf die dunkle Bühne. Sie tragen einen Overall, welcher mit LED-Streifen versehen ist und in verschiedenen Farbtönen leuchten kann. Ja, das funktioniert und auch die Beleuchtung an den Stehpulten. Jedoch fehlen sämtliche LED-Screens. Viele Besucher lassen sich aber die mitgebrachte gute Laune nicht verderben und einige tanzen zu den Vibes mit.

 

Kraftwerk   Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Insgesamt ist Kraftwerk eine Gruppe, die die Grenzen der Musik auf einzigartige Weise erweitert hat. Kraftwerk ist eine legendäre deutsche Musikgruppe, welche die Welt der elektronischen Musik nachhaltig prägte und als eine der einflussreichsten Bands in der Geschichte der Popmusik gilt. Gegründet 1970 von Ralf Hütter und Florian Schneider in Düsseldorf, begann die Band zunächst als experimentelles Projekt, das sich schnell zu einem Vorreiter der elektronischen Musik entwickelte. Kraftwerk setzte auf Synthesizer, Drum Machines und Computer, lange bevor diese Instrumente in der Popmusik weit verbreitet waren. Mit einer einzigartigen Fusion aus Elektronik, Minimalismus und futuristischen Themen schufen sie einen völlig neuen Klang, der Generationen von Musikern und Musikliebhabern inspirierte und sicherlich noch viele Generationen inspirieren wird. Ihr Vermächtnis ist unbestritten und wird für immer in der Musikgeschichte verankert bleiben.

Ihre Alben wie «Autobahn» (1974), «Trans-Europe Express» (1977) und «Computer World» (1981) brachten eine neue Ära des musikalischen Minimalismus und futuristischer Klänge hervor. Trotz ihrer geringen Veröffentlichungsfrequenz in den letzten Jahren bleiben Kraftwerk ein fester Bestandteil der Musikgeschichte. Die Band erhielt zahlreiche Auszeichnungen und Ehrungen, darunter einen Grammy Award für ihr Lifetime Achievement. Sie bleiben eine Quelle der Inspiration für Musiker und Künstler auf der ganzen Welt und werden weiterhin als Wegbereiter der elektronischen Musik gefeiert.

 

Kraftwerk   Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Ein charakteristisches Merkmal von Kraftwerk ist ihre Roboter-Ästhetik. Die Band trat oft in roboterhaften Kostümen auf und schuf damit ein futuristisches Image, das sich perfekt in ihre musikalischen Konzepte einfügte. Ihre Texte handelten von Technologie, Maschinen, Autobahnen und anderen modernen Themen, und dies verlieh ihrer Musik eine einzigartige Tiefe und Intensität. Kraftwerks Live-Auftritte waren ebenso revolutionär wie ihre Musik. Die Band nutzte innovative Bühnentechnologie, um multimediale Shows zu inszenieren, die visuelle und akustische Eindrücke auf ein neues Niveau hoben.

Ihre Konzerte waren oft eine audiovisuelle Reise durch die Welt der Maschinen und Technologie. Die Einflüsse von Kraftwerk auf die Musikszene sind weitreichend und vielfältig. Sie beeinflussten Genres wie Techno, Electro, Synth-Pop und Ambient massgeblich und Künstler wie Daft Punk, David Bowie, Depeche Mode und viele mehr. Ihre minimalistische Herangehensweise an die Musikproduktion und ihre Vorliebe für elektronische Klänge haben die Art und Weise, wie Musik gemacht wird, nachhaltig verändert.

 

Kraftwerk   Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Die Band war sowohl vor als auch nach Corona eigentlich immer wieder fleissig auf Tour, die Schweiz wurde jedoch nur 2015 und 2018 mit jeweils einem Besuch geehrt. Somit ist es enorm schade, dass das Publikum nach so langer Wartezeit auf die Hälfte der Show verzichten muss. Für meinen Geschmack war auch die Soundabmischung etwas grenzwertig. Die verschiedenen Klanghöhen waren eigentlich gut aufeinander abgestimmt, aber von der Lautstärke her war es knapp davor, dass sich der Ton überschlägt. Auch hört man immer wieder Nebengeräusche, wenn irgendetwas im älteren Landesmuseum zu zittern oder vibrieren beginnt.

Ihre grossen Hits wie Autobahn, Model und Roboter dürfen natürlich nicht fehlen, auch wenn man hierzu das Video schmerzlich vermisst. Somit ist dann auch die Anzahl Handys, die aus dem Publikum ragen, sehr überschaubar. Man muss sich halt das Video vor dem inneren Auge vorstellen und einfach die Musik geniessen. Ich weiss nicht, ob es so wie in Karlsruhe zusätzlich eine Projektion über die Hausfassade des Landesmuseums gegeben hätte.

 

Kraftwerk   Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch)

 

Dennoch war es «schön», den Sound aus der Jugendzeit mal live zu hören. Ja, live. Zumindest der -wenn vorhandene - Gesang war live gesungen. Ob auch der Instrumentale Part live war, kann man so nicht wirklich sagen. Ich denke, es hat trotzdem dem einen oder anderen gefallen und er konnte einen Abend lang auf der Klangwolke Nr. 7 schweben. Wer mehr Kraftwerk möchte, den muss ich leider enttäuschen, denn er müsste im Dezember ans andere Ende der Welt reisen, sprich nach Neuseeland oder Australien. Dort halten die vier noch acht Konzerte ab. Dann ist Schluss, zumindest für dieses Jahr.

 

 

 

 

Eventdatum: 14.09.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Landesmuseum, Zürich

Veranstalter: Gadget

Zuschauerzahl: 3000 ausverkauft

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Konzert

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