Erste Heimschlappe der ZSC Lions im neuen Käfig
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Nach 5 Siegen in Folge und ungeschlagen im neuen Stadion verlieren die ZSC Lions in der Verlängerung mit 2:3. In doppelter Überzahl wurden die Löwen von den Bären in nur 13 Sekunden erfolgreich attackiert und ziehen mit diesem Sieg punktgleich mit dem EV Zug und den Rapperswil Jona-Lakers.
Das erste Drittel startet verhalten, obwohl die Schüsse aufs Tor der ZSC Lions kontinuierlich hochzählen und Šimon Hrubec des Öfteren geprüft wird. In der 6. Minute wird dem Limmat-Fanblock die erste Chance geboten, aber Sven Andrighetto verzieht vor dem ungeschützten Tor und überschiesst. 1:7 auf dem SOG-Zähler, 0:0 auf der Anzeigetafel. Der zweite Versuch endet im Fanghandschuh von Philip Wüthrich. Aber auch die Gäste scheitern bei ihren Versuchen. In der 14. Minute fällt die erste Strafe. Benjamin Baumgartner muss wegen Hakens auf die Strafbank und 60 Sekunden später rettet Wüthrich vor dem Führungstreffer. 3 Sekunden vor Drittelsende wird dem SCB eine Teamstrafe wegen Spielverzögerung aufgebrummt, weil Simon Moser die Scheibe aus dem Spielfeld donnert. Der Stadionsprecher verabschiedet uns in die erste Pause und findet, das sei bisher ein spannendes Spiel gewesen. Kommentiert er noch eine andere Partie? Im Medienraum ist man sich jedenfalls einig, dass es wohl schon interessantere Begegnungen gegeben habe als die heutige.
Die Gastgeber eröffnen das Mitteldrittel in Überzahl und lassen ihr Powerplay beinahe komplett verstreichen, ehe Juho Lammikko den Schuss von Dean Kukan ins Tor lenkt. Doch die Gäste reagieren direkt, reüssieren aber nicht. Ramon Untersander verpasst knapp Šimon Hrubec wehrt Tyler Ennis’ Alleingang mit Bravour ab. In der 29. Minute fliegt Willy Riedi regelrecht übers Eis. Das, weil Codey Goloubef noch kurz sein Bein in den Weg stellt. Das führt dann auch zu einem Faustschlag, der einen Berner Mitspieler rücklings aufs Eis befördert. Es wird wegen der Strafe diskutiert, Riedi zeigt sein Unverständnis mit einem Vogel. Die Schiedsrichter schauen sich die Situation mehrfach im Video an und ich frage mich, wonach sie wohl suchen. Das Verdikt lautet schlussendlich Check mit dem Knie. Die Powerplay-Situation wird nicht ausgewertet. Im Gegenteil, der SCB ist gerade mal 8 Sekunden vollzählig, als der Ausgleichstreffer im Netz der Lions landet.
Hat es vorher schon gebrodelt, kocht es jetzt. Tristan Scherwey checkt Simon Bodenmann in die Bande, was Denis Hollenstein nicht auf sich beruhen lässt. Das wiederum bringt weitere Streithähne auf den Plan und schlussendlich trennen nicht nur Schiedsrichter, sondern auch Spieler die Kämpfe. Auf beiden Strafbänken wird es voll, gleich vier müssen wegen übertriebener Härte vom Eis. Die Zeit ist fast abgelaufen, als Cody Goloubef den Abpraller in einen Führungstreffer verwandelt. Die Strafzeit ist gerade mal 2 Sekunden abgelaufen, als Sven Andrighettos Strafe wegen Behinderung ausgesprochen wird. Und wie schon das erste Drittel endet auch dieses mit einem Spieler auf der Strafbank.
Die Berner starten für ein paar Sekunden im Powerplay, es endet aber nicht in einem Treffer. In der 42. Minute bekommt Alexandre Texier von Colton Sceviour einen Nasenstüber und geht zu Boden, aber Daniel Stricker war dies wohl kein Abpfiff wert. Wenig später liegt auch mal ein Helm auf dem Eis – bei einem Zusammenstoss hinter Wüthrichs Tor scheint der nicht mehr gehalten zu haben. Der Zürcher hat ihn deshalb kurzerhand hinter sich geworfen und ist vom Eis gefahren. Hat noch jemand Mario Kart-Vibes mit Schildkröten-Wurf? Es sind fast 5 Minuten gespielt im Schlussdrittel, da nimmt der SCB ein Timeout. Doch die Lions erhöhen den Druck stetig. Doch zwischen dem Ausgleichstreffer für die Lions steht jeweils Philip Wüthrich.

Die Zürcher ziehen wieder aufs Gegentor los, Juho Lammikko jagt dem Puck hinter dem Kasten nach. Dann wie eine Szene im Fussball: Der Berner fällt auf den Boden, während Lammikko beide Arme seitlich hochreisst und damit anzeigen will, dass er nichts damit zu tun hatte. Doch die Schiedsrichter sehen das anders und schicken ihn für Haken 2 Minuten auf die Strafbank. Kaum ist der ZSC wieder komplett, verzählen sich die Berner und haben zu viele Spieler auf dem Eis. Die Lions probieren im Powerplay eine Minute lang, den Ausgleichstreffer zu erzielen. Dann wird Hrubec durch einen weiteren Feldspieler ersetzt, doch Rikard Grönborg ist ungeduldig und nimmt knapp 20 Sekunden später ein Timeout. Der SCB ist wieder komplett und Sven Andrighetto versenkt den Puck im gegnerischen Tor. Jetzt nur nicht noch einen Treffer erzielen heisst die Devise auf beiden Seiten. Der Puck wird schon fast motivationslos zwischen den Bernern hin- und her gespielt.
In der Overtime spielen normalerweise 3 gegen 3 Spieler. Doch wie schon die Berner können auch die Zürcher nicht korrekt durchzählen. Und es mutet etwas kurios an, als ein Spieler aus dem offenen Türchen aufs Eis plumpst. Oder wollte er unbemerkt wieder rückwärts auf die Spielerbank und ist hängengeblieben? Den Schiedsrichtern entgeht es jedenfalls nicht und hat eine 2-Minutenstrafe zur Folge. Da es 3 gegen 3 sind, bedeutet das einen zusätzlichen Spieler für Bern. Damit nicht genug: knapp 10 Sekunden später muss Juho Lammikko wegen hohen Stockes ebenfalls raus und Bern bekommt einen fünften Spieler. Es wundert dann auch niemanden grossartig, dass das nicht gut ausgeht. Noch ärgerlicher ist die Tatsache, dass der Treffer eigentlich nicht Ramon Untersander zugeschrieben werden dürfte, weil der Schuss von Yannick Weber abgelenkt wurde. Die erste Heimniederlage im neuen Stadion ist damit eingefahren. Der SCB gewinnt das Spiel mit 2:3. Die ZSC Lions verbleiben trotzdem auf Platz 3 in der Tabelle mit 4 Punkten Vorsprung auf den HC Davos, gegen den sie gleich am nächsten Tag antreten müssen.
ZSC Lions vs. SC Bern: 2:3 (0:0 | 1:2 | 1:0 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 32:37 (12:13 | 5:13 | 15:10 | 0:1)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 03.12.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 12000
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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