Statistiken sind Schall und Rauch. Zahlen, die zwar etwas aussagen, aber keine zuverlässige Prognose für das nächste Spiel erlauben. Der heutige Gegner der ZSC Lions ist in der Tabelle einige Plätze hinter dem Gastgeber. Und dennoch könnte man meinen, Lausanne HC ist ihnen haushoch überlegen. Schon in der zweiten Spielminute nimmt Juho Lammikko wegen Hakens auf der Bank Platz. Die Gäste fackeln nicht lange und nach 6 Sekunden Powerplay muss sich Šimon Hrubec das erste Mal geschlagen geben. Es war zwar kein schönes Tor, aber die Score wird ja nicht von Punktrichtern vergeben.
Die Lions tauchen zwar ständig wieder vor Ivan Punnenovs auf, scheitern aber an sich selbst. Da sind die Lausanner viel effizienter: der 3. statistisch gezählte Schuss aufs Tor ist der zweite Treffer. Tim Bozon zieht mit der Scheibe ohne grossartige Gegenwehr auf Šimon Hrubecs Tor los und platziert den Puck im Kasten. Der weitere Spielverlauf verändert sich dynamisch das ganze ersten Drittel über nicht. Den Zürchern werden in der 9. und 13. Spielminute Chancen geboten, im Powerplay nachzuziehen. Es sieht zwar wie Powerplay aus, aber der Puck will partout nicht hinter die Torlinie. Selbst als Sven Andrighetto in der 16. Minute fast schon wie bei einem Penalty auf Ivan Punnenovs lossprintet, hallt nur ein «Neiiiin» in unisono durch die ausverkaufte Halle. Auch Lucas Wallmark zieht alleine los, aber sein Angriff endet ebenfalls nicht in einem Torjubel.
Das zweite Drittel beginnt und Cody Almond verhilft den ZSC Lions mit seinem Cross-Check zum 3. Powerplay des Spiels. Sie stellen sich zwar gut auf, nehmen sich auch Zeit, aber am Spielstand ist nicht zu rütteln. Zumindest nicht für die Gastgeberseite, denn als die Uhr 24 Minuten anzeigt, ändert sich der Score zum 0:3. Cory Emmerton schnappt sich die Scheibe, zieht ungestört vors Zürcher Tor los und versenkt das Ding. Ich scheine nicht die einzige zu sein, die etwas ins Grübeln kommt. Auch bei Rikard Grönborg macht sich seine Gedanken und wechselt den Torhüter aus. Ja, natürlich ist dieser die letzte Instanz, aber die Schuld für die Treffer kann man nicht nur ihm zuschieben.
Vielleicht gab es der Mannschaft einen Boost, denn Juho Lammikko kann endlich den ersten Treffer für die ZSC Lions erzielen. Ein paar Minuten später können die Gastgeber erneut in Überzahl agieren, als Igor Jelovac wegen Haltens vom Eis muss. Wir schreiben die 34. Spielminute, in der Lucas Wallmark auf Pass von Mikko Lehtonen den Anschlusstreffer erzielt. Wer nun denkt: jetzt läuft’s. Der hat wie ich gedacht und es wohl verschrien. Sven Andrighetto muss wegen Beinstellens auf die Strafbank und inzwischen wissen wir, dass die Lausanner erstens effiziente Torschüsse abgeben und zweitens im Powerplay zu punkten wissen. Damien Riat hat die Scheibe hinter dem Tor ergattert und passt sie zu Jiri Sekac – der Puck ist im Netz und Ludovic Waeber lässt den Kopf hängen. Die Lausanner haben wieder 2 Punkte Vorsprung. Doch die Zürcher setzen sich jetzt vermehrt im Lausanner Drittel fest. Es hagelt dann auch zwei Strafen für Lausanne. Damien Riat muss wegen Hakens raus und 30 Sekunden später leistet ihm Ken Jäger Gesellschaft auf der Bank. Doppelte Überzahl – wenn jetzt kein Tor für die Zürcher fällt, weiss ich auch nicht mehr. Man kann die Anspannung im Stadion förmlich spüren und Sven Andrighetto erlöst uns dann - nach langem hin und her - 8 Sekunden vor Drittelsende. Es steht 3:4 und die Gastgeber dürfen nach der Pause noch eine knappe Minute in Überzahl spielen.

Der Ausgleich muss her. Das geht so nicht. Findet auch Lucas Wallmark in der 43. Spielminute, aber Ivars Punnenovs verhindert das souverän. Vorläufig haben die Lausanner auch noch etwas Glück, denn alle Versuche der Löwen enden in einem immer lauter werdenden «Neiiiiiiin» von den Zuschauerrängen. Es ist wie verhext. In der 47. Minute muss dann auch noch Yannick Weber wegen Hakens pausieren, doch dieses Mal zeigen die Lions ihre Stärke in Unterzahl. Nein, nicht ihre ganze Stärke, es gibt kein Boxplay-Tor. Das Spiel gewinnt aber allgemein an Schnelligkeit und die ZSC-Fans singen nun durchgängig, als wären ihre Helden in Führung. Ob das die nötige Motivation verleiht, zumindest auszugleichen oder gar zu gewinnen? Und dann fällt der vierte Treffer auf Zürcher Seite. Denis Hollenstein bedient Simon Bodenmann, der den Ausgleich erzielt und vor Freude in die Bande springt. Noch drei Minuten verbleiben und hüben wie drüben zeichnen sich gute Chancen auf einen Sieg ab.
Dieser wird aber in die Verlängerung verlegt. Mit 2.5 Minuten Pause ist aber Pustekuchen, sich noch was zu trinken zu holen. Mit je drei Spielern auf dem Eis geht es weiter. Juho Lammikko ist der erste, der den Löwen beinahe den Sieg sichert. Deshalb hat ihn Ronalds Kenins wohl auf dem Radar und holt ihn von den Kufen und muss dafür 2 Minuten auf die Bank. Doch da auf Lausanner Seite die Mindestanzahl an Spielern auf dem Eis steht, darf ein Zürcher mehr mitmischen. Die Lions bleiben dran, formieren sich und vor dem Lausanner Tor. Alexandre Texier gibt die Scheibe an Mikko Lehtonen ab und sein Schuss sitzt. Nach 63:57 Minuten holen sich die ZSC Lions den Sieg mit 5:4 und konnten die Partie nach einem Rückstand von 3 Punkten umdrehen.
Auf das nächste Heimspiel der ZSC Lions müssen wir uns etwas gedulden. Denn vom 5. November bis 13. November 2022 findet in der Swiss Life Arena die Unihockey-WM statt. Eishockey wird erst am 19. November 2022 wieder gespielt: und zwar das Zürcher-Fan-Derby gegen den HC Davos.
ZSC Lions vs. Lausanne HC: 5:4 n.V. (0:2 | 3:2 | 1:0 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 47:20 (14:5 | 16:7 | 13:7 | 4:1)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 30.10.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 12'000
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