Sechseläutenmontag: Der Pokal steht bereit, Übergabe vertagt
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Natürlich ist auch heute das Hallenstadion voll bis unters Dach. Immerhin könnte dies das allerletzte Heimspiel der ZSC Lions in Oerlikon sein – und unter Umständen das Ende der diesjährigen Eishockeymeisterschaft.
Ich weiss nicht mehr, von wem dieses Zitat stammt: «Es ist ganz einfach, Schweizer Meister zu werden. Man benötigt nur ein Tor mehr als der Gegner». Und das trifft in der diesjährigen Finalserie auf bisher jedes einzelne Spiel zu. Im ersten Spiel verlor der EV Zug mit 2:3 gegen die ZSC Lions, die zweite Partie entschieden die Zürcher mit 2:1 für sich und in der dritten Begegnung gewannen die Gäste mit 1:2 in Zug.
Alle drei Spiele haben eines gemeinsam: Die Zuger führen zu Beginn, doch die Siegestreffer fallen immer in der letzten Hälfte des dritten Drittels. Von 20 Minuten zwischen Ausgleich und game winning goal innerhalb von 90 Sekunden oder gar Spielgewinn 2 Sekunden vor Ende ist alles dabei.
In Viertelfinals kam es schon mehrfach vor, dass 3:0-Serien noch gewendet und die «Belle» von der zurückliegenden Mannschaft gewonnen wurden. Eingeläutet wurden diese alle durch ein Torschützenfest im vierten Spiel. In einem Final konnte die Serie aber noch nie gedreht werden. Schaffen es die ZSC Lions in einem sogenannten Sweep nach 8 Jahren wieder den Meistertitel zu holen?

Bild: Daniel Brügger / szenemagazin.ch
Es geht heiss los – schon in der zweiten Spielminute muss Marco Pedretti für Hohen Stock auf die Strafbank. Da war die Schaufel wohl doch zu nah am Gesicht von Yannick Zehnder. Die Strafe läuft gerade ab, als es beinahe zum Führungstreffer für die Gäste kommt. Doch Marco Müllers Schuss landet nur an Kovars Torumrandung. Die Zürcher Fans müssen nicht lange auf das erste Tor warten. Denis Malgin übernimmt den Puck von Sven Andrighetto, bekommt ihn von Denis Hollenstein nochmal zurechtgelegt, bevor er Marco Müller und Christian Djoos umkurft und den Führungstreffer hinter Leonardo Genoni einnetzt. Uhoh… sonst heisst es immer, wer das erste Tor schiesst, gewinnt die Partie. Doch die letzten drei Spiele war dem nicht so. Ist das ein schlechtes Omen, um heute den Meistertitel einzusacken?
Das heutige Spiel ist definitiv anders. Die Lions sind in Führung, der Ausgleichstreffer fällt schon im ersten Drittel. In der 13. Minute hat Yannick Zehnder auf der linken Seite des Tors freie Bahn und gleicht zum 1:1 aus. Noch knapp 7 Minuten verbleiben, es wird immer wieder gefährlich vor Jakub Kovars Tor. Simon Bodenmann bremst Nico Gross mit einem Haken aus und verhilft dem Gegner zu einem weiteren Powerplay. Dieses verstreicht jedoch torlos. In den letzten Sekunden des Drittels müssen Jan Kovar und Justin Azevedo auf die Bank. Kovar checkt Azevedo und dieser revanchiert sich und holt Kovar mit dem Stock von den Kufen.
Die Statistik spricht Bände: Schüsse aufs Tor 5:18 – Zug setzt alles daran, das Ende der diesjährigen Hockeysaison zu verhindern.

Bild: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Zu Beginn des Mitteldrittels wird die restliche Strafzeit abgesessen. Es sind knapp 4 Minuten vergangen, da fällt der zweite Treffer für Zug. Der Treffer von Christian Djoos ist keine Schönheit, schliesslich ist er an Patrick Geerings Helm geknallt und dann ins Tor gegangen. Aber drin ist drin. Das Drittel verstreicht ohne Strafen und ohne weitere Tore. Das Schussverhältnis ist dieses Mal nicht mehr im Verhältnis 1:3, aber die Zuger ballern noch immer doppelt so oft auf das Zürcher Tor.
Beide Mannschaften haben nochmal eine Möglichkeit, im Powerplay zu punkten. Die Zeit läuft aber ohne Torerfolg ab. Im letzten Drittel passiert hoffentlich, was in den vorherigen Spielen jeweils geschehen ist: der ZSC ist im Hintertreffen und gleicht in den letzten 10 Minuten aus. Doch dem ist leider nicht so. Sie fallen zwar zu Gunsten der Mannschaft, die das erste Tor kassierte, aber das sind dieses Mal nicht die Zürcher. Dario Simion trifft in der 52. Minute zum 1:3. Ja, natürlich genügend Zeit, um noch auszugleichen – niemand wirft hier schon die Flinte ins Korn. Ausser einzelnen Zuschauern, die wohl für heute genug gesehen haben und sich zum Ausgang begeben?
Hinter mir stehen zig Helfer in roten Westen, die für eine allfällige Pokalübergabe bereitstehen. Doch dafür müsste die Partie zuerst ausgeglichen und dann in der Overtime gewonnen werden. 3.5 Minuten vor Ende der Partie nimmt Rikard Krönborg ein Timeout und Jakub Kovar aus dem Tor. Ganze zwei Minuten lang spielen die Zürcher mit einem Mann mehr, bevor Niklas Hansson den Emty Netter erzielt. Jetzt wird auch den Helfern in Rot bewusst: wir haben heute keinen Einsatz und ziehen ab. Nach einer Rangelei müssen 47 Sekunden vor Schluss noch ein Zürcher und ein Zuger auf die Bank, aber das Endergebnis steht fest: Der EV Zug hat die Dernière abgewendet und gewinnt sein erstes Spiel in dieser Finalserie. Die nächste Möglichkeit auf den Meistertitel haben die ZSC Lions am kommenden Mittwoch in Zug. Scheint so, als hätte nicht nur der Böög heute länger gebraucht als gedacht, um zum Ende zu kommen.
ZSC Lions vs. EV Zug 1:4 (1:1 | 0:1 | 0:2)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 25.04.2022
Fotografen: Michelle Brügger / szenemagazin.ch | Daniel Brügger / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 11'200
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