ZSC findet keinen Rhythmus – Zug eiskalt und effizient zum Sieg
Reto Turotti / szenemagazin.ch
Es ist das letzte Spiel vor dem Olympia-Break, die Swiss Life Arena ist ausverkauft, die Ränge sind voll, die Stimmung erwartungsvoll. Und doch will dieser Abend kein Vor-Olympia-Schmaus werden. Der Zett kommt nie richtig in Fahrt, während der EV Zug genau das tut, was in solchen Spielen den Unterschied ausmacht: effizient sein, ruhig bleiben, Fehler bestrafen.
Der ZSC startet gut. Die ersten Minuten gehören den Zürchern, sie sind präsenter, halten den Puck länger in den eigenen Reihen, versuchen Tempo aufzunehmen. Doch vieles bleibt Stückwerk. Zwar läuft die Scheibe, doch selten wird es wirklich zwingend. Zu oft endet ein Angriff bereits in der neutralen Zone, zu oft bleibt der letzte Pass hängen. Zug verteidigt diszipliniert, schiebt clever nach, lässt kaum Räume zwischen den Linien zu. Und wenn sich doch einmal eine Lücke öffnet, fehlt den Lions der Punch, der Wille, mit letzter Konsequenz zum Abschluss zu kommen.
Je länger das Spiel dauert, desto deutlicher zeigt sich ein bekanntes Muster. Die Fehlpässe ziehen sich wie ein roter Faden durch das Zürcher Spiel. Unkonzentriertheiten beim Spielaufbau, ungenaue Zuspiele aus der eigenen Zone, unnötige Puck-Verluste im Übergang. Genau dort, in der neutralen Zone, spielt sich ein Grossteil der Partie ab – ein Bereich, in dem Zug das Geschehen zunehmend kontrolliert.
Im zweiten Drittel kippt die Partie. Der ZSC baut ab, verliert an Struktur, und Zug spürt diesen Moment. An der Bande verhaken sich Mikko Lehtonen und Daniel Vozenilek ineinander. Lehtonen fehlt kurz darauf in der Defensive, vor dem Zürcher Tor geht die Ordnung verloren. Beim Befreiungsversuch landet der Puck von Denis Malgin genau dort, wo er nicht landen darf: auf dem Stock von Jan Kovar. Der EVZ-Captain zögert nicht lange und schiebt eiskalt ein. 0:1 – sinnbildlich für den Abend.
Vozenilek bleibt ein Unruheherd, sucht die Zweikämpfe, provoziert, stört. Seit Benoît Groulx an der Bande steht, ist der tschechische Stürmer wieder deutlich präsenter, verwegener, aggressiver. Es ist jener Vozenilek, der dem Spiel des EVZ eine zusätzliche Dimension verleiht – unbequem, unangenehm, wirkungsvoll.
Zug nimmt den Schwung mit. Während der ZSC weiter nach seiner Linie sucht, zieht der EVZ davon. Bis zur 48. Minute steht es 0:3 aus Zürcher Sicht, Jan Kovar schnürt gar einen Hattrick. Jeder Treffer wirkt wie ein weiterer Stich ins Selbstvertrauen der Lions, die an diesem Abend keinen Weg finden, das Spiel zu drehen. Zu oft verpuffen Angriffe, zu selten kommt der ZSC in die gefährlichen Zonen. Einziger Lichtblick aus Zürcher Sicht ist Sven Andrighetto. Zweimal bezwingt er den starken Tim Wolf, der im Tor des EVZ eine überzeugende Leistung zeigt und die Chance unter Groulx nutzt. Andrighettos Tore bringen kurz Hoffnung auf den Rängen, doch sie reichen nicht aus. Zug bleibt ruhig, lässt sich nicht aus der Ruhe bringen und spielt die Partie abgeklärt zu Ende.
Nicht mit dabei ist Christian Marti. Der Nati-Verteidiger fehlt nach einem harten Schuss ins Gesicht am Vorabend gegen Biel. Die Diagnose seiner Nasenverletzung steht noch aus, doch der Optimismus überwiegt. Marti selbst sitzt mit seiner Frau auf der Tribüne und lächelt. Auf seine Gesundheit angesprochen, winkt er ab: «Easy, es kommt gut.»
Damit endet ausgerechnet vor der Nati-Pause die starke Zürcher Serie von zehn Spielen in Folge mit Punktgewinn. Ein Dämpfer – nicht dramatisch, aber deutlich. Gerade weil das Stadion voll ist, die Stimmung gut, die Erwartungen hoch. Doch an diesem Abend fehlt dem ZSC die letzte Konsequenz, die Klarheit im Spiel, die Präzision im Passspiel. Für den ZSC beginnt die Pause mit offenen Fragen – vor allem im Spielaufbau und in der Konzentration. Zug hingegen verabschiedet sich mit einem Statement: effizient, diszipliniert, abgeklärt. Genau so, wie man Spiele gewinnt, wenn der Gegner nie richtig ins Spiel findet.
ZSC Lions vs. EV Zug: 2:4 (0:0 | 0:1 | 2:3)
Schüsse aufs Tor: 35:33 (13:9 | 6:14 | 16:10)
Details zum Spiel: Game Center SIHF
Aufstellung: Teamroster
Eventdatum: 31.01.2026
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena
Veranstalter: ZSC Lions AG
Zuschauerzahl: ausverkauft
https://szenemagazin.ch/sport/item/1499-zsc-findet-keinen-rhythmus-zug-eiskalt-und-effizient-zum-sieg#sigProId596c80cbcf
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Reto Turotti
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