Die Lions führen mit 2:1 in der Serie um den Meistertitel
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Nach Gewinn des Heimspiels steht es in der Serie 2:1 für den ZSC. Der Limmatblock zeigte eine Choreo, die seinesgleichen sucht. Dies hat die Heimmannschaft sicherlich zusätzlich angespornt, auf dem Eis eine gute Leistung zu zeigen.
Für den Einmarsch der gegnerischen Fans wird bei manchen Spielen für rund 15 Minuten die Zufahrt via Vulkanstrasse gesperrt. So auch beim zweiten Heimspiel der ZSC Lions gegen den Lausanne HC. Gerade noch rechtzeitig konnte ich von der Autobahn her zum Parkplatz fahren, bevor der Lausanner Tross unter lautem Trommeln zum Eingang des Fansektors gelotst wurde. Obwohl die Ausgänge auf Zürcher Seite mit einem Zaun abgeriegelt sind wie bei den Hochrisikospielen, steht beim Medien-Eingang gerade mal ein kleiner Kastenwagen mit einer Handvoll Polizeikräfte in Montur. Wie immer vertreiben sich ein paar Spieler die Zeit mit einem Fussball. Und das in T-Shirt und kurzen Hosen. Aber sie sind sich vermutlich kalte Temperaturen gewohnt und empfinden es wärmer als wir.
Der Medienraum im 5. Stock ist wie schon letztes Mal brechend voll, auf der Pressetribüne sind nur wenige Plätze frei. Normalerweise trete ich meinen Fussmarsch durchs halbe Stadion erst 10 Minuten vor Spielbeginn an, aber heute zieht es mich schon vor Beginn des Warmups nach unten. Der Limmatblock scheint eine riesen Choreo vorbereitet zu haben, die schon bereitgelegt wurde. In einer Kurve ragt ein rund 6 Meter langes Einbein in die Höhe, auf der eine Kamera montiert ist. Gehalten wird es mit Gaffertape an der Betonmauer. Mit viel Gaffertape. Rund 15 Minuten vor Beginn fahren die das Gestänge runter, um den Akku zu wechseln. Dabei löst sich das Tape immer mehr, aber ganz nach dem Motto: «Mit Gaffertape hält alles – und wenn es nicht hält, einfach mehr davon benutzen», wird die Stange wieder fixiert.
Danach kommt Bewegung in die Fankurve. Stoffbahnen werden über die Köpfe des Limmatblocks hochgezogen und von da aus werden seitlich auf Höhe der ersten Aufgänge weitere Bahnen durchs ganze Stadion bis zum Gästesektor weitergereicht. Zusätzlich hängt ein Banner über die ganze Breite, auf dem steht: «Fans und Mannschaft gmeinsam zur Meisterschaft!». Die Lausanner Fans sind in leuchtendes Rot gekleidet, das sich später als eine Art transparente, rote Regenschütze entpuppt. Nachdem das Intro zu Ende ist und das Licht angeht, halten die Zuschauer farbige Kartons hoch. Das ergibt blau-weiss-rote Streifen, die den Hintergrund bilden. Die Stoffbahnen stellen einen Pokal dar, der an ein Seil gebunden ist. Dieser wird von ZSC-Spielern in Richtung Limmatblock gezogen. Und genau das wird dann auch gemacht: der Pokal wandert Stück für Stück von einem Tor zum anderen. Einfach nur spektakulär. Finde ich jedenfalls. Anhand der Kommentare auf Insta scheinen da ein paar Besucher anderer Meinung zu sein und finden sowas überflüssig und störend. Anhand des Applauses würde ich aber auf eine Minderheit tippen, die so denkt.
Das Spiel hatte kaum begonnen, musste Fabian Heldner wegen Behinderung vom Eis. Die Lions haben sich viel Zeit gelassen, haben aber nach knapp 2 gespielten Minuten unter ohrenbetäubendem Jubel den ersten Treffer des Abends erzielt. Das fängt schon mal gut an für die Zürcher. Aber die Lausanner sind nicht angereist, um jetzt schon die Flinte ins Korn zu werfen. Sie versuchen immer wieder zu kontern, es bleibt aber auf langen Strecken auf beiden Seiten bei selbigen. Der Speaker macht sich bereit, die letzte Spielminute anzukündigen, als Théo Rochette den Ausgleich erzielt. Der Jubel im Fansektor ist dem Verhältnis 23:1 entsprechend leiser, aber dennoch gewaltig.
Im Mitteldrittel dann der Dämpfer: nach nicht mal 2 Minuten geht der Lausanne HC mit 1:2 in Führung. Der ZSC kommt noch mehr unter Druck, als Jesper Frödén wegen diskutablen hohen Stockes zwei Minuten auf die Strafbank geschickt wird. Doch die Lausanner haben trotz guter Chancen kein Mittel gefunden, ihre Überzahlsituation für den Führungsausbau zu nutzen. Kurz nach Spielhälfte steht die ganze Halle wieder, nachdem Yannick Weber den Ausgleich erzielt. Schon wie in der ersten Begegnung scheint das der benötigte Adrenalinstoss gewesen zu sein, denn 84 Sekunden später netzt Denis Malgin zum Führungstreffer ein. Links und rechts hört man Steine von der Seele fallen. Doch Obacht, das ist nur ein Tor mehr als der Gegner und vor uns liegt noch eine ganze Spielhälfte! Knapp zwei Minuten vor Ende des zweiten Drittels haben die Lions nochmal eine Chance, im Powerplay zu punkten. Jedenfalls 7 Sekunden lang, bevor wir einen Stock rund 3 Meter in die Luft fliegen sehen. Was da genau auf der anderen Seite des Spielfelds passiert ist? Keine Ahnung. Die Folge ist jedenfalls eine Strafe gegen Rudolfs Balcers wegen Behinderung.
Da ich keine Lust habe, mich durch die ganze Menschenmasse zu quetschen, die sich nächstens in Richtung Verpflegungsstände verschiebt, trete ich schon eine Minute vorher den Weg zum Medienraum an. Nach der Pause kommen beide Mannschaften mit derselben Energie aufs Eis: aufs Tor losziehen und punkten. In der 49. Minute muss der Gastgeber nochmals in Unterzahl agieren, aber Simon Hrubec lässt die Scheibe nicht an sich vorbei. Beide Mannschaften hatten diverse Chancen, die Partie zu gewinnen. In den letzten Minuten sah es auf weiten Strecken eher nach einem Ausgleich als einem Sieg für die ZSC Lions aus. 4 Minuten vor Schluss versenkt das Geburtstagskind Justin Sigrist zum 4:2 und mindert die spürbare Anspannung in der Halle. Kurz darauf müssen die Lausanner wegen Behinderung auf einen Teamkollegen verzichten – das macht die Sache nicht einfacher, wenn man zwei Tore im Rückstand liegt. Da half es auch nichts mehr, Connor Hughes eine knappe Minute vor Ende durch einen sechsten Feldspieler zu ersetzen.
Der ZSC führt damit die Serie mit 2:1. Jede Partie wurde von der Heimmannschaft gewonnen. Das nächste Spiel wird am Dienstag in Lausanne ausgetragen. Bleibt man dem Muster treu, würde der Lausanne HC die Serie ausgleichen. Zeigen die Zürcher aber ihre Stärke aus den früheren Playoff-Begegnungen, könnte durchaus der dritte Sieg erzielt werden. Sicher ist bis dahin nur, dass am Donnerstag das dritte Heimspiel der Zürcher ansteht.
ZSC Lions vs. Lausanne HC: 4:2 (1:1| 2:1 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 25:28 (8:5 | 10:10 | 7:13)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 20.04.2024
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: SwissLife Arena, Zürich
Veranstalter: SIHF
Zuschauerzahl: 12000
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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