Déjà-vu in der SwissLife Arena
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Wie schon im Spiel gegen die Lakers verschenken die Zürcher Punkte an ihren Gegner. Auch die Partie gegen den HCD endet mit 2:3 nach Verlängerung. Und wieder erfolgt der Ausgleich wenige Minuten vor Schluss. Dieses Mal steht der Sieger aber nach 19 Sekunden in der Verlängerung fest.
Eine Frage vorab: scheint es nur so, oder wird generell weniger abgepfiffen in dieser Saison? Selbst wenn ein Spieler sich offensichtlich verletzt hat und auf dem Eis liegenbleibt, wird einfach weitergespielt. Im ersten Drittel hat Chris Baltisberger wohl einen Schlag in den Rücken bekommen und bleibt vor dem Davoser Tor liegen. Da keiner der Schiedsrichter Handlungsbedarf sieht, wird weitergespielt. Baltisberger steht mehr schlecht als recht auf. Ich habe leider nicht mitbekommen, wie oder weshalb es danach zum Zusammenstoss mit einem Mannschaftskollegen kam, aber der arme Tropf landet gleich nochmal auf dem Eis.
Auch Vinzenz Rohrer bekommt an der Bande den Gegner zu spüren, steht aber bald wieder auf. Schon in der letzten Partie wurde ihm die Nase mit einem Stockende blutig geschlagen, ohne dass ein Schiedsrichter abgepfiffen hätte. Das zieht sich munter durch alle Drittel und ich frage in die Runde, ob heute Knabenschiessen sei oder Zürigschnätzlets auf dem Programm stehe. Zum Abschluss knallt Patrick Geering in der 50. Minute noch ein Puck gegen den Kopf. Ja, auch auf Davoser Seite haben die Medicals Arbeit. Bei einem Spieler scheint der Schlag gegen die Brust so stark gewesen zu sein, dass er nach Luft ringt, während er zur Bank fährt.
Manchmal pfeifen die Refs auch ab, auch wenn es etwas dauert. Im zweiten Drittel haben sie recht lange zugesehen, wie vor dem Tor rumgestochert wird. Was der Ref im Anschluss zu Simon Hrubec gesagt hat, wissen wir nicht. Er hat aber resolut mit dem Zeigefinger auf den Torwart gedeutet, während Hrubec noch auf den Knien ist und wiederholt mit den Schultern zuckt. Eine halbe Minute später wird wieder ein Angriff auf das Zürcher Tor gefahren. Bei der Abwehr fällt Hrubecs linke Kufe ab und er kommt beinahe nicht mehr hoch. Teamkollege Marti ist dann so nett und schiebt ihn vom Eis, damit die Kufe wieder angebracht wird.

In der letzten Spielminuten des Mitteldrittels fährt Chris Egli den Torwart über den Haufen. Hrubecs Kopf donnert dabei gegen den Pfosten und Denis Hollenstein sieht rot und nimmt Egli in den Schwitzkasten. Es artet zu einer Massenschlägerei aus. Bei Scott Harrington fliegt der Helm beim Miniboxkampf mit Yannick Frehner. Harrington pflanzt sogar beinahe seinen Ellenbogen ins Gesicht eines Refs. Hat es Folgen? Nicht wirklich – die Unparteiischen fanden vermutlich, es reicht, sich in der Pause abzukühlen.
5 Minuten ins Schlussdrittel und der HCD geht mit 1:2 in Führung. Einmal mehr nicht überraschend, weil schon über die ganze Partie hinweg keine Energie spürbar war. Das Spiel hatte bis dahin keine erwähnenswerte Highlights. Wie schon in der Partie gegen die Rapperswil-Jona Lakers wird es kurz vor Ende wieder chaotisch auf dem Eis, es wird unkonzentriert spielt, auf gut Schweizerdeutsch: es Gjufel. Hollenstein schiesst in der 57. Minute noch den Ausgleichstreffer. Es kommt kurzzeitig zu einem Unterbruch, weil Vinzenz Rohrer statt des Pucks den Davoser Torwart Sandro Aeschlimann in den Kasten geschoben hat. Res Ambühl konnte wohl auch zu spät bremsen und hat sein Gesicht in Rohrers Rücken geparkt. und die Zürcher drücken auf den Sieg, aber das wird nichts mehr. Nach einem kurzen Unterbruch dauert es in der Overtime dieses Mal aber nur 19 Sekunden, bis die Gäste mit 2:3 gewinnen.
Nächstes Wochenende finden die Zürcher Derbies statt. Die ZSC Lions empfangen am Samstag den EHC Kloten, Revanche folgt direkt am Sonntag in Kloten. Und weil das Drumherum bei «Hochrisikospielen» ja immer so Spass macht, empfängt der ZSC am Dienstag die Rapperswil-Jona Lakers. Ich für meinen Teil weiss an diesen Spielen, dass ich entweder frühzeitig oder eher knapp im Stadion eintreffe – damit ich mich wegen des Fanmarsches nicht über gesperrte Zufahrten ärgern muss.
Wenn sich die ZSC Lions nicht etwas am Riemen reissen, geben sie wohl nächste Woche die Tabellenführung an Fribourg-Gottéron ab, die ihrerseits zwei Romandie-Derbies gegen Genève-Servette austragen.
ZSC Lions vs. HC Davos: 2:3 n.V. (0:1 | 1:0 | 1:1 | 0:1)
Schüsse aufs Tor: 33:25 (10:6 | 9:8 | 14:10 | 0:1)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 12.01.2024
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: SwissLife Arena, Zürich
Veranstalter: SIHF
Zuschauerzahl: 12000 (ausverkauft)
https://szenemagazin.ch/sport/item/1198-deja-vu-in-der-swisslife-arena#sigProId12bf8d5ad3
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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