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Verschenkte drei Punkte gegen den Tabellenletzten

Verschenkte drei Punkte gegen den Tabellenletzten Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Aus den letzten vier Spielen bringt der EHC Kloten acht Punkte auf das eigene Scoreboard. Mehrheitlich gingen die Spiele knapp aus und wurden zum Teil erst in der Overtime entschieden. Liegen heute Abend drei Punkte ohne Overtime drin?

Larry Mitchel hat etwas bewirkt. Der EHC ist wieder eher im Drive und zeigt, was er eigentlich kann. Auch die Spielfreude von gewissen Spielern ist sichtbar zurück. Nachdem der EV Zug gestern Auswärts mit 2:3 in der Verlängerung geschlagen wurde, sind die Erwartungen an die Mannschaft heute hoch. Haben wir doch heute das Tabellen-Schlusslicht HC Ajoie zu Besuch in der stimo arena. Den Drive der letzten beiden Spiele nimmt Kloten gut mit und nach 20 Sekunden taucht bereits #8 Marc Marchon ein erstes Mal vor #40 Damiano Ciaccio auf. Zwar ist die Lage nicht ungefährlich, aber es fällt noch nicht das erste Tor. Während den ersten fünf Minuten ist eigentlich der Gastgeber der Taktangeber. Mehrheitlich sind sie in Ajoies Feldhälfte. Dann ein erster gefährlicher Schuss von #78 Kyen Sopa. Dieser steht ganz knapp vor #55 Juha Metsola und kann den erhaltenen Pass gefährlich ablenken, doch Juha weiss abzuwehren.

Etwas später im Drittel wird der Puck unabsichtlich ins Publikum geschossen. Daraufhin folgt eine enorm faire Geste des Ajoie-Spielers, er stoppt und schaut in die Richtung, in die der Puck geflogen ist und winkt ein «Sorry» hinterher. Die Emotionen im Spiel kochen schon früh hoch und über. So eröffnet #10 Jonathan Ang heute die Strafbank. Er muss für übertriebene Härte zwei Minuten abkühlen gehen. Der HC Ajoie weiss aber aus diesem Vorteil nichts herauszuholen. Im Gegenteil, ihr Frust steigt weiter an. In der 15. Minute hebt #12 Thibault Frossard seinen Ellbogen und knockt den an der Bande stehenden Klotener aus. Die Spieluhr zeigt zuerst zwei Minuten an, obwohl die Schiedsrichter schon auf dem Eis auf fünf Minuten plädiert haben. Dennoch gehen sie kurz das Video anschauen und es bleibt bei den fünf Minuten Powerplay für Kloten. Aber ja, was soll ich sagen, ausser dass sie es vergeigt haben? Nach Ablauf der Strafe und zum Pausenpfiff steht es immer noch 0:0, unverständlicherweise.

Gefühlt kommt ein anderes Ajoie zurück aufs Eis. Wesentlich stärker und abgeklärter. Oder sind etwa die Klotener schon müde? #19 Steve Kellenberger muss einen Schuss in extremis mit seinem Oberkörper am Boden liegend abwehren. Aua, das hat weh getan. Nach 61 Sekunden leuchtet nach #43 T.J. Brennans Schuss dennoch die Torlampe auf. Auch nach diesem eigentlichen Wachrüttler hinken die Klotener hinterher. Es will einfach nicht passen oder es fehlt das gewisse Etwas. Auch das erste Powerplay im Mitteldrittel bringt den EHC zwar nach vorne, aber nicht die Scheibe hinter die Linie. Hat Damiano Ciaccio einen unsichtbaren Schutzschild montiert? Dann kommen auch noch Fehlpässe dazu, zum Beispiel wenn die #64 der #64 einen Pass zuspielt, nein, nicht sich selbst.  Auch das dritte Powerplay in diesem Spiel bringt nicht den gewünschten Erfolg. Irgendwie ist das Powerplay immer noch nicht das Steckenpferd des EHC Kloten. Hier muss definitiv noch daran gearbeitet werden. So müssen die Spieler des EHC’s mit dem Eintorrückstand in die Kabine zur zweiten Pause.

 

Bild: Marcel Kaul / szenemagazin.ch

 

Das Schlussdrittel startet, wie das Mitteldrittel geendet hat. Beide Mannschaften zeigen Biss und Willen, das Spiel für sich zu entscheiden. Ob es nun aber Früchte trägt? Ja, nach nicht ganz fünf Minuten im letzten Drittel erzielt #28 Axel Simic den Ausgleichstreffer. Dies hat wieder die Emotionen aufgehetzt und sie kochen ein weiteres Mal über. Diesmal geraten #2 Valentin Pilet und #78 Kevin Lindemann aneinander und tauschen Nettigkeiten aus. Danach dürfen sie sich in der Kühlbox für zwei Minuten abkühlen gehen. Kurz darauf dann ein sauberes Passspiel und das daraus resultierende 2:1 durch Jonathan Ang. Dabei habe ich erneut seinen «Ankermove» gesehen, bei welchem er seinen Schlittschuh mit dem hinteren Ende der Kufe ins Eis rammt und auf dem Punkt drehen kann. So wendet sich nun das Blatt und der EHC Kloten kann in Führung gehen. Aber wie ich immer sage, nicht darauf ausruhen, das Spiel ist erst nach dem Schlusspfiff wirklich zu Ende. Bis dahin muss gearbeitet werden. Etwas zu viel «gearbeitet» beziehungsweise gehalten hat #95 Nicholas Steiner. Er bringt den Gästen ein weiteres Powerplay, das aber auch sie nicht zu verwerten wissen. So steigt langsam die Hoffnung bei den Fans auf ein Sieg.

Die Zeit läuft runter und Damiano Ciaccio macht 128 Sekunden vor Spielende einem Feldspieler Platz und verlässt das Eis. Beim nächsten Unterbruch nimmt dann Coach Christian Wohlwend ein Timeout und beordert seine Männer zur Krisensitzung an der Bande. Ciaccio steht wieder zwischen seine Pfosten, aber nur gerade für ein paar wenige Sekunden, bis seine Frontmänner den Puck unter Kontrolle haben. Mit sechs gegen fünf wirft Ajoie alles nach vorne und geht voll in den Angriff. Mehrfach wird es ganz knapp, bis dann #23 Frédérik Gauthier die Lücke findet und die Scheibe einschiebt. Ich kann in mehreren Gesichtern der Kloten Fans lesen: Mues das sii? Nein, es hätte nicht sein müssen, wenn man besser aufgepasst und sich etwas mehr angestrengt hätte. Dieses Ausgleichstor war absolut abwehrbar und müssen die Klotener Spieler auf ihre Kappe nehmen. Es kommt noch schlimmer. In der Verlängerung, welche der EHC Kloten gestern gegen Zug noch bravourös für sich entschied, müssen sie dann das Siegestor durch T.J. Brennan entgegennehmen.

Obwohl die Emotionen während des Spiels eher negativ waren, umso herzlicher geht es dann bei der Bestplayer-Ehrung zu und her. Eine der beiden Preisüberreicherinnen gibt sowohl Damiano Ciaccio als auch Jonathan Ang eine fette Umarmung. Was ist nur passiert in den letzten fünf Spielminuten und warum ist es überhaupt so weit gekommen? Ich könnte mir vorstellen, dass die Stimme von Larry in der Kabine etwas lauter war. Die Laune ist nur bei den wenigen Ajoie-Fans gut und diese feiern dann auch noch eine ganze Weile im Stadion. Am Freitag reist die Mannschaft dann nach Genf und am Samstag heisst der EHC den HC Davos zu Hause willkommen.

 

   

EHC Kloten vs. HC Ajoie: 2:3 (0:0 | 0:1 | 2:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor: 36:30  (17:6 | 9:8 | 9:10 | 1:6)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF 

Aufstellung: TeamRoster

 

Eventdatum: 02.12.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Stimo Arena

Veranstalter: EHC Kloten

Zuschauerzahl: 4674

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Sport

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