Langatmige Partie ohne Strafen, dafür mit Penalty
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
«Es ist Samstag, die Leute haben morgen frei – lass uns etwas länger spielen». Etwa so lief es bei über der Hälfte aller Partien. Drei davon entschieden das Spiel am Ende über den Shootout, bei denen die Gastgeber als Sieger hervorgingen.
Die Begegnung zwischen dem HC Fribourg-Gottéron und den ZSC Lions hat gerade erst begonnen, als der Fotograf neben mir meint: «Wäre mal Zeit für ein Tor». Noch während ich grinse, schiesst Jesper Frödén den ersten Topf. Das Tor war relativ unglücklich für Reto Berra, andere meinten sogar, das sei ein peinlicher faux-pax des Keepers. Das fängt gut an – schliesslich treten die Gastgeber gegen den Tabellenführer an, die bereits 2 Spiele mehr auf dem Konto haben. Es dauert keine zwei Minuten, als Simon Hrubec sich zu sehr auf seine rechte Seite konzentriert und Nathan Marchon für sein Team ausgleicht. Wer dachte, das könnte eine spannende Partie werden, hat zu früh und zu optimistisch gedacht. Vermutlich ging es dem ein oder anderen der 10'378 Zuschauern auch so. Nein, selbst heute ist nicht ausverkauft. Jetzt können all die Ausreden der beiden vorherigen Heimspiele nicht mehr herhalten. Es ist Samstag, die Ferien sind vorbei, das Wetter ist mittelmässig und der Gegner ist sehenswert. Trotzdem sind nicht mal zusätzlich 2'500 Tickets verkauft worden. Es scheint, als hätte jeder schon mal das neue Stadion gesehen und geht ohne Saisonkarte nur an ausgewählte Spiele.
Zurück zu «zu früh gefreut»: nach 2:16 Minuten haben wir tatsächlich schon alle Tore gesehen, die heute in der regulären Spielzeit fallen. Beide Mannschaften kurven zwar zwischen beiden Toren hin und her, aber so wirklich um Abschluss kommt keiner. Das wird beim Blick auf den Videowürfel auch sehr deutlich. Shots on Goal nach 7:15 Minuten: 1:1. Also jeder Schuss aufs Tor ein Treffer. Bis Ende Drittel erhöht sich das immerhin noch auf 6:8, aber nach viel Action tönt das nicht. Immerhin pfeifen die Schiedsrichter mal in der 18. Minute, nachdem Dominik Binias’ Knie gegen Dario Truttmanns Kopf geknallt ist. Doch nach Video-Review wird die Strafe zurückgenommen. Es scheint, als wäre Truttmann schon vor dem schmerzhaften Zusammentreffen aus dem Tritt geraten. Vielleicht richtet es die Pause und die Mannschaften erhöhen den Druck? Pustekuchen. Im Spielverlauf wird später kein einziger Eintrag fürs zweite Drittel zu sehen sein. Denn wie schon in den 20 Minuten zuvor wird auch im Mittelteil keine Strafe ausgesprochen. Nicht, dass es Szenen gegeben hätte, die eines Pfiffes würdig gewesen wären. Aber die scheinen die Unparteiischen entweder nicht gesehen oder als nicht der Rede wert eingestuft zu haben. In der Mitte der regulären Spielzeit muss die Partie kurz unterbrochen werden. Sandro Schmid kracht in Jesper Frödén und sie bleiben aneinander hängen.
Beide gehen zu Boden und Schmid bekommt dabei Frödéns Schlittschuh ins Gesicht. Er hält sich den Handschuh vors Gesicht, nimmt ihn weg und nach einem kurzen Blick hält er ihn sich wieder vors Gesicht. Sofort wird ein Medical aufs Eis gerufen. Während Schmid vom Eis fährt, kommen die Eismeister zum Einsatz, um das Blut vom Eis zu kratzen. Glück im Unglück für Schmid: er wurde nur von der Spitze und nicht von der Kufe getroffen und ist 7 Minuten später wieder einsatzbereit. Ganze 42 Minuten und 28 Sekunden dauert es, bis die erste Strafe der Partie ausgesprochen wird. Die Lions bekommen nach Mauro Dufners Beinstellen die Möglichkeit, in Überzahl zu agieren. Dabei bleibt es aber auch, sie ziehen daraus keinen Nutzen. Beide Mannschaften agieren weiterhin eher defensiv als offensiv und so steht es nach 60 Minuten noch immer 1:1.
Nach einer Minipause geht es in die 5-minütige Verlängerung mit 3 gegen 3. In der Situation ist es etwas unglücklich, eine Strafe zu kassieren. Das hindert Rudolfs Balcers aber nicht daran, während seines Angriffsversuchs Marcus Sörensen ein Bein zu stellen. Ob es sich rächt, wenn die Freiburger dadurch mit einem Mann mehr auf dem Eis agieren können? Nun… Simon Hrubec hat seine wohl anstrengendsten 2 Minuten in der Partie und die Lions befreien sich mehrfach. Die Überzeit endet ohne Sieg, das Eis wird fürs Penaltyschiessen trockengereinigt.
Mit Scouts auf der Tribüne könnte wenigstens jetzt der ein oder andere Spieler glänzen. Vinzenz Rohrer erhält beispielsweise die Chance, Reto Berra zu überwinden. Aber er scheitert genauso am Fribourger Torhüter wie zwei seiner erfahrenen Kollegen und 5 Gäste auf der Gegenseite. Fribourg beginnt den Shootout. Insgesamt wird 9 Mal auf die Tore geschossen. Versuch Nummer 6 ist erfolgreich und Jesper Frödén kann seinen Puck versenken. Die Lions gewinnen damit die Partie im Shootout mit 2:1; die Gäste verlieren damit nicht nur das Spiel, sie müssen auch die Tabellenspitze freigeben. Am Freitag ist das nächste Heimspiel angesetzt: das erste Zürcher Derby der laufenden Saison. Zuvor treten die Lions aber noch in Lugano, Bern in Lausanne an. Wie fit die Stadtzürcher nach 4 Spielen innerhalb von 7 Tagen sind, wird sich zeigen.
ZSC Lions vs. HC Fribourg-Gottéron: 2:1 nach Shootout (1:1 | 0:0 | 0:0 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 28:28 (6:9 | 9:8 | 12:3 | 1:9)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 23.09.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 10378
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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