EHC Kloten: «Wir gehen noch nicht in die Ferien»
Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Dies scheint das Motto der Herren in blau/weiss zu sein. Aus den letzten beiden Begegnungen sicherte sich der EHC Kloten vier Punkte. Im ersten Aufeinandertreffen anfangs Saison wurde erst in der Overtime über den Sieg entschieden. Schaffen die Klotener heute Abend einen Sieg in der regulären Spielzeit?
Schon zu Beginn des ersten Drittels setzen die Gastgeber ein Zeichen: Wir sind noch nicht gewillt die Saison zu beenden. Davon angespornt spielen sie aufmüpfig und zeigen sich immer wieder im gegnerischen Drittel. Dennoch kriegen sie es nicht auf die Reihe, respektive den Puck nicht hinter die Linie. Bis Ende des Spielabschnittes sehen wir vom EHC ganze drei Torschüsse. Keiner davon stammt aus dem Powerplay, das sich der SC Bern wegen zu vielen Spielern auf dem Eis einhandelt. Nein, die 20 Minuten sind alles andere als langweilig, einfach torarm.
Der Mittelabschnitt ist noch keine Minute alt, da haut Di Domenico seinen Ellbogen von hinten an Flurin Randeggers Kopf. Dieser geht zu Boden, rappelt sich aber gleich wieder unverletzt auf. Die Emotionen kochen hoch, während die Unparteiischen sich das Video der Situation mehrfach anschauen. Sie entscheiden auf fünf Minuten ohne Spieldauerdisziplinarstrafe. Dementsprechend ist die Reaktion aus dem Publikum. Viele können nicht verstehen, warum hier keine Spieldauer gegeben wurde, denn im letzten Spiel wurde Marc Marchon beim selben Verdikt unter die Dusche geschickt. Immerhin kann der Gastgeber nun während den nächsten fünf Minuten in Überzahl spielen, unabhängig wie viele Tore fallen. Unser Scoutmagnet David Reinbacher, eröffnet den Score auf Pass von Dario Meyer und Mischa Ramel. Es verstreichen jedoch ganze 129 Sekunden der Strafe, bis der Schiedsrichterarm auf das Goal zeigt. Dieser Führungstreffer scheint das Feuer in den Klotenern geweckt zu haben. Denn sie stehen unmittelbar darauf wieder in der gegnerischen Zone und Jonathan Ang findet 51 Sekunden später erneut eine Lücke bei Philip Wüthrich. Trotz zwei weiteren Minuten in Überzahl kann Kloten keine weiteren Punkte verbuchen.
Das Spiel geht schnell weiter und der Bär ist gereizt. In der 29. Minute wird die Klotener Strafbank zum ersten Mal belegt. Jesper Peltonen muss wegen Haltens raus. Der SCB spielt stark auf und das Powerplay funktioniert. Sie verwerten es nach 49 Sekunden mit dem Tor durch Dominik Kahun. Darauf folgt die Diskussion: Torraumoffside oder nicht. Die Schiedsrichter sind sich nicht ganz sicher und betreiben erneut Videostudium. Auf dem Foto unten sieht man, dass der Puck noch vor der Torlinie ist. Im selben Moment ist auch Colton Sceviour im Torraum. Erst danach wird die Scheibe über die rote Linie buxiert. Obwohl die Schiedsrichter die Szene minutenlang auf den Videomonitor reviewen, sehen sie das nicht und entscheiden auf «good Goal». Dieser Anschlusstreffer hat den Bären geweckt. Das Spiel der Gäste zeigt Verbesserung und sie bauen vermehrt Druck auf. Noch etwa vier Minuten bis zur Pause und der Puck findet den Weg hinter Metsola, schliddert aber vom Pfosten abgelenkt nur hinter ihm durch. Eine weitere Regel die ich hinterfrage, wenn Offside abgepfiffen und dennoch in voller Absicht auf das Tor geschossen wird. Ich bin der Meinung, dass hierfür auch schon Strafen ausgesprochen wurden. Trotzdem bleibt der SCB bis Ende des Drittels nicht erfolgreich und mit der 2:1-Führung gehen die Gastgeber in die Pause.
Gut gelaunt kehren die Klotener aufs Eis zurück, für sie sieht es ja aktuell gut aus. Das Spiel ist gefühlt nochmals eine Spur schneller geworden. Die Berner versuchen krampfhaft den Ausgleich zu erzielen. Darin geschwächt werden sie vom Halten durch Tyler Ennis. Während er auf der Strafbank sitzt, kann das Powerplay der Klotener nicht überzeugen. Vier Schüsse in Richtung Philip Wüthrich, aber kein weiterer Scorepunkt. Dennoch ruht sich der EHC nicht aus und steht immer wieder im gegnerischen Drittel. So auch in der 50. Minute, als Ersatzspieler Axel Simic zum 3:1 erhöht. Er ist heute Abend eigentlich nur als Ersatz auf dem Eis, da Keanu Derungs einen Puck ins Gesicht bekommen hat. Zum Glück keine schlimmere Verletzung, aber einfach noch nicht spielbereit. Spätestens jetzt ist der Reizpegel der Gäste gestiegen. Immer mehr geraten die Spieler aneinander. In der 54 Minute wird es eng in den Kühlboxen. Auf der Seite von Bern sitzen Loeffel, Ennis und Kahun auf der Bank. Dominik Kahun wird dann sogar noch von den Securities ermahnt, er solle nicht unnötig die Kloten Fans hinter sich reizen. Im Gegenzug feuert Marc Marchon diese an, dass sie mehr Lärm machen sollen, während er sich zu Reinbacher und Ruotsalainen gesellt. Insgesamt werden sechs Zweiminuten-Strafen ausgesprochen. Die Stimmung kocht, sowohl auf als auch neben dem Eis. Drei Minuten vor Spielende werden weitere sechs Minuten an Strafen verhängt. Henauer und Lindberg gehen für Bern und Ruotsalainen für Kloten in die Kühlbox. Wir haben noch 2:10 Minuten auf der Spieluhr, da nimmt Berns Coach Toni Söderholm ein Timeout. Er entscheidet sich dazu, den Torhüter gegen einen weiteren Feldspieler zu ersetzen und so wieder eine fünf-gegen-fünf.Situation herzustellen. Das Anspiel findet im Klotener Drittel statt, doch Dario Meyer ergattert sich den Puck und kann durchbrechen. Kaum hat er die gegnerische blaue Linie überquert, feuert er auf das leere Tor und netzt ein. Chris Di Domenico wird zur Reizfigur. Er pöbelt und stichelt, bleibt aber unversehrt. Dafür müssen Vermin und Simic 92 Sekunden vor Spielende nochmals auf die Bank, beide wegen Cross-Check. Wenig danach doppelt Simon Kindschi mit einer Behinderung nach und leistet Simic Gesellschaft. Dieses Powerplay kann der SCB aber nicht verwerten und es bleibt beim 4:1 für den Gastgeber, welcher dadurch noch nicht in die Ferien geht.
Selbst als sich die Mannschaften nach Spielende für die Best-Player Ehrung auf den blauen Linien aufstellen, werden weitere Nettigkeiten hin- und hergeworfen. Dies sorgt dafür, dass die Schiedsrichter kurz Überzeit leisten müssen. Sie fahren ein paar Meter vor und markieren Präsenz, um die immer noch erhitzten Gemüter zu beruhigen. Die anwesenden Journalisten erküren Dominik Kahun und Miro Aaltonen zu Best Players. Die Berner Spieler verabschieden sich bei den zahlreich angereisten Fans, während die Klotener die übliche Dankenskurve bei den Sitzplätzen macht. Danach fahren sie mit einem fetten Lächeln im Gesicht in Richtung Stehplätze, um sich für die Unterstützung zu bedanken. Auch heute hat nämlich die Stehplatzkurve erneut eine Choreo gezeigt. Diese fordert dann von Miro Aaltonen eine Zusatzrunde, die er nicht verneint. Während er sich feiern lässt, gehe ich ein vielleicht letztes Mal diese Saison übers Eis, um es neben der Klotener Spielerbank zu verlassen. Ob der EHC Kloten in die Ferien geht oder sich für die Playoffs qualifiziert, zeigt sich am Samstag im dritten Pre-Playoff-Spiel. Im Gegensatz dazu hat der HC Lugano heute Abend das zweite Game für sich entschieden und steht bereits als Playoff-Gegner des Genève-Servette HC fest.
EHC Kloten vs. SC Bern: 4:1 (0:0 | 2:1 | 2:0)
Schüsse aufs Tor: 21:31 (3:11 | 12:8 | 6:12)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 09.03.2023
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: stimo arena, Kloten
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl:
Bilder Marcel Kaul
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Bilder Reto Turotti
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Marcel Kaul
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