Endlich ein Sieg! Darauf mussten die ZSC-Fans lange warten
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Die Partie gegen den EV Zug war wie ein Ü-Ei: Spiel, Spass und Spannung bis zur letzten Sekunde.
Im Fansektor sind noch immer keine Transparente, Fahnen und Trommeln erlaubt. Dennoch erscheint mir der Lautstärkepegel höher. Zwischendurch bin ich versucht, in meiner Kameratasche nach Ohrstöpseln zu suchen. Sie geben Vollgas – genau wie der ZSC. Im ersten Drittel bekommen wir eine andere Mannschaft zu sehen als am Samstag. Ob sie am Wochenende eine Mütze voll Schlaf hatten? Trotz der spürbaren Energie fängt der Gastgeber früh eine Strafe ein: Justin Sigrist muss nach etwas mehr als einer Minute wegen Beinstellens auf die Bank. Das Powerplay der Zuger steht schnell und Christian Djoos hämmert den Puck an den linken Aussenpfosten. Danach stören die Lions das Spiel erfolgreich.
Doch auch die Lions bekommen in der 5. Spielminute eine Chance auf ein Powerplay, als Christian Djoos wegen hohen Stockes vom Eis muss. Eine Minute ist bereits verstrichen. Juho Lammikko prescht auf der linken Seite bis auf Torhöhe davon, Alexandre Texier geht rechts mit und zieht vor Leonardo Genoni. Lammikko passt zu Texier und drin ist er, der langersehnte Führungstreffer für den ZSC. Und das erst noch im Powerplay! Und weil der Jubel im Stadion nicht schon ohrenbetäubend genug war, dauert es bis zum 2:0 auch nur gerade 2 Minuten. Lammikko scheitert zunächst an Genoni, Almquist kann klären, doch sein Pass landet bei Phil Baltisberger. Dieser setzt einen satten Schuss aufs Tor ab, der von Lammikko nur noch abgelenkt wird. Die Halle bebt – wer ist diese Mannschaft und wieso war sie die letzten 6 Spiele nicht anwesend?
Es geht voller Energie weiter, bis der Spielfluss in der 12. Minute jäh unterbrochen wird. Irgendwie scheint Dominik Schlumpf den von links kommenden Bodenmann nicht zu sehen. Schlumpf prallt mit quer gehaltenem Schläger in Bodenmanns Rücken, der dann seine rechte Schulter und den Ellenbogen hochzieht. Dieser landet unglücklicherweise in Schlumpfs Gesicht. Die Schiedsrichter ziehen sich zum Video-Review zurück. Während die Pfiffe lauter werden und sich wohl einige fragen, was sie sich da wieder und wieder ansehen, bleibt es dann bei einer Strafe für Ellbogencheck. Wo sind bloss meine Ohrstöpsel? Ich bin noch immer nicht überzeugt, dass der Ellenbogen absichtlich ausgefahren wurde. Für mich sah es eher aus, dass Schlumpf in Bodenmann gefahren ist, weil er diesen nicht hat kommen sehen. Das bedeutet: zweites Powerplay für die Gäste, die nicht lange fackeln. 9 Sekunden dauert es, bevor die Scheibe hinter Simon Hrubec im Netz landet. Christian Djoos schnappt sich den Puck an der blauen Linie, fährt kurzerhand an allen Spielern vorbei, die Simon Hrubec die Sicht nehmen. Es steht 2:1 und es sind gerade mal 12 Minuten gespielt. Die Gastgeber bekommen in der 15. Und 19. Minute erneut Chancen auf ein Powerplay. Zuerst muss Jan Kovar wegen eines Cross-Checks raus, doch die Pässe der Zürcher finden ihr Ziel nicht. Für die verbleibenden 66 Sekunden im ersten Drittel muss Livio Stadler wegen hohen Stockes, der in Denis Hollesteins Gesicht landete, aussetzen.

Ich glaube, sie haben während der Pause haben die alte Mannschaft in den Katakomben gefunden. Die ersten 20 Minuten waren so druckvoll, aber die ersten Minuten des Mitteldrittels erinnerten eher an ein Aufwärmtraining. Man kann es auch «in alte Verhaltensmuster zurückfallen» nennen. Und getreu dem Spruch: «Wer sie nicht macht, kassiert sie», fällt in der 28. Minute der zweite Treffer für die Zuger. Adam Almquist passt die Scheibe zu Dario Simion an der blauen Linie, dieser gibt den Puck weiter an Tobias Geisser. Geisser zieht auf, und versenkt, während Simon Hrubec zeitgleich von den Schlittschuhen fällt. wird. Obwohl Hrubec kurz reklamiert, reagiert der Schiedsrichter nicht. Kein Wunder, denn soweit ich das sehe, war es nicht Sven Leuenberger, sondern Chris Baltisberger, der an Hrubecs Schulter hängenblieb. Aiaiai, die Lions sollten aufhören, ihre eigenen Torhüter umzufahren.
Es steht also 2:2 und Justin Azevedo muss wegen hohen Stockes raus. Simon Hrubec wird gefordert, kann aber erfolgreich abwehren. Die Lions überstehen diese Überzahlsituation, aber die nächste unnötige Aktion steht bevor: Carl Klingberg kann nicht rechtzeitig bremsen und fährt Hrubec um. Klingberg bleibt für Dario Trutmann wohl etwas zu lange auf dem Torwart liegen und fängt an, ihn wegzureissen. Jetzt liegen beide auf dem Eis und Trutmann versucht einen Schlag zu setzen. Die Schiedsrichter schauen derweil noch ein wenig zu. Dann stehen beide Spieler, ein Unparteiischer gesellt sich gerade dazu, als Trutmann ins Leere schwingt – oder hat er Klingberg doch mehr als nur Luft zugefächelt? Jedenfalls kassiert der ZSC-Spieler dafür 2 Minuten für übertriebene Härte.
Ja, es bringt Emotionen ins Spiel. Und ja, es stachelt an. Und ja, den Zuschauern wird etwas fürs Geld geboten. Allerdings würde die Mehrheit der 11'560 Anwesenden am Ende vermutlich lieber einen Sieg sehen. Die Zuger sind im Mitteldrittel eher spielbestimmend und näher am dritten Tor als die Zürcher. Dieser Abschnitt endet ähnlich wie der erste: es verbleibt noch etwas mehr als eine Minute auf der Uhr, als eine Strafe angezeigt wird. Respektive zwei, denn Jérôme Bachofner und Nico Gross hauen sich die Köpfe ein und werden wegen übertriebener Härte kaltgestellt. Bei ausgeglichener Spieleranzahl müssen sich sowohl Genoni als auch Hrubec nochmals voll auf ihre Aufgaben konzentrieren, um einen Treffer abzuwenden.
Das Schlussdrittel startet mit 4-gegen-4, aber kaum sind die Mannschaften komplett, setzt Reto Schäppi seinen Ellbogen ein. Allerdings kann der EVZ die Überzahlsituation nicht ausnutzen und die 2 Minuten vergehen torlos. Die nächsten 5 Minuten verstreichen ohne nennenswerte Aktionen auf beiden Seiten. Dann die Chance für Justin Sigrist, doch der Schuss wird von Genoni geblockt. Und damit nicht genug, Reto Schäppi hat den Abpraller vor sich, trifft aber die Scheibe nicht – ein überlautes «Neiiiiiiiiin» hallt durch die Arena. Noch etwas mehr als 8 Minuten sind zu spielen und es wird noch lauter in der Halle. Dean Kukan fährt von der rechten Seite her mit dem Puck eine grosse Kurve und scheint keine Lücke zu sehen. Die Zuschauerrufe werden lauter und bei der dritten Aufforderung zum Schuss scheint er sie zu sehen: schon fast auf Höhe des Pfostens knallt er den Puck vor Genonis Brust durch ins Tor. Ist das der Sieg?
Die Uhr zeigt noch acht Minuten an. Sich auf der Führung ausruhen ist gefährlich. Vor allem dann, wenn man eine Überzahl-Möglichkeit ungenutzt lässt. Genoni war wohl gerade auf dem Weg zur Bank, als Chris Baltisberger von Carl Klingberg von den Kufen geholt wird, doch Powerplay sieht anders aus. Irgendwie scheint die Luft raus zu sein und das Timeout des EVZ bringt wohl auch keinen frischen Wind in die Angelegenheit. Leonardo Genoni verabschiedet sich knapp 2 Minuten vor Ablauf der regulären Spieldauer. Und obschon die verbleibende Zeit mehrheitlich vor dem Zürcher Tor stattfindet, endet die Partie nach 60 Minuten mit 3:2 für die ZSC Lions.
Am Mittwoch findet bereits das nächste Spiel statt – das Zürcher Derby gegen den EHC Kloten steht auf dem Plan. Hoffen wir mal, das Stadion bleibt dieses Mal von Vandalismus verschont. Was für Konsequenzen den Zerstörwahn der EHC-Fans beim letzten Derby hatte, konnte ich nicht herausfinden. Ob sie im Fansektor stehen werden und ob es ID-Kontrollen geben wird, werde ich dann aber sicherlich am Mittwoch sehen.
ZSC Lions vs. EV Zug: 3:2 (2:1 | 0:1 | 1:0)
Schüsse aufs Tor: 23:22 (11:3 | 6:15 | 6:4)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoaster
Eventdatum: 23.01.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Swiss Life Arena, Zürich
Veranstalter: ZSC Lions
Zuschauerzahl: 11560
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Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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