The Kelly Family bringen weihnachtlichen Glanz ins Hallenstadion
Andrea Schüpbach / szenemagazin.ch
Heute machen The Kelly Family mit ihrer «Die mega Christmas Show» Halt in Zürich. Uns erwartet die Weihnachts-Party des Jahres. Mit dabei sind noch Kathy, Paul, Patricia, Jimmy, Joey und John Kelly. Das Album heisst ja auch «Christmas Party».
Eigentlich habe ich heute überhaupt keinen Bock, an ein Konzert zu gehen. The Kelly Family war damals in den 90igern alles für mich. Ich habe mein ganzes Lehrlingsgehalt in Konzerte und Reisen investiert. Ich reiste immer alleine mit Rucksack von Ort zu Ort, um dann die anderen zu treffen und vor der Halle zu übernachten - für ein Hotel reichte es meistens nicht. Ich hatte ca. 100 Brieffreundschaften aus der ganzen Welt gepflegt. Für mich waren die Kellys alles. Sie hatten schöne lange Haare, alle konnten verschiedene Instrumente spielen und natürlich Wahnsinnsstimmen. Das habe ich bewundert. In der Schule war ich dann der Sonderling und wurde oft gehänselt, aber das war mir egal. Für mich waren die Kellys meine Lebensretter. Ich mache mich auf den Weg zum Hallenstadion, um mit meiner Freundin etwas trinken zu gehen. Sie ist auch noch nicht in Weihnachtsstimmung. Andere Fans haben die gleiche Idee und schon waren wir bald zu fünft am Reden, weil man sich untereinander kennt. Das ist bei der Kelly Family das schöne: ihre Fans sind teilweise immer noch die gleichen und bringen ihre ganze Familie mit. Eine Stunde vor Beginn verabschieden wir uns, da wir leider nicht nebeneinandersitzen und ich gehe mein Presse-Ticket holen.
Normalerweise stehe ich in der ersten Reihe in der Mitte. Heute ist das Konzert bestuhlt und ich konnte mir den Platz nicht aussuchen. Oh mein Gott, so weit hinten war ich noch nie in meinem Leben an einem Kelly Family Konzert! Aber mir war der Preis einfach zu hoch, um mir – wie so oft – ein Ticket zu kaufen und bei einer Presse-Zusage entweder zu verkaufen oder zu verschenken. Mit Getränk ausgestattet habe ich nach der szenemagazin-Fotografin gesucht und Dank den neuen Jacken auch gleich gefunden. 5 Minuten vor Konzertbeginn gehe ich zu meinem Platz und schaue mich um: die Halle ist halbleer. Wenn 7000 Leute da sind, ist das viel. Das Intro beginnt, die riesige LED-Wand leuchtet dunkelblau mit rieselnden Schneeflocken. Der Song im Hintergrund: Carol of the Bells. Und auch die erste Konfettikanone mit weissem Konfetti rieselte über die Fans. Sieht ganz toll aus von hier hinten.
Mit One More Happy Christmas eröffnen die Kellys den Abend. Die Fans stehen schon beim ersten Ton auf und ich war ein bisschen in den 90ern mit One More Freaking Dollar, war das eine tolle Zeit. Zum Teil haben sich Fans weihnachtlich gekleidet. Mit Mützen, funkelnden Brillen, Haarreifen mit Geweihen oder Merry Christmas drauf, auch die Männer traditionell in Weihnachtspullovern. Sie singen noch drei Songs vom neuen Christmas-Album. Dann kommt Johnny mit einer rührenden Ansprache an uns Fans: «Wir sind zu selten bei euch in der Schweiz, aber das sieht heute Abend nicht so aus. Wir sind in euren Herzen, Danke dass ihr immer noch den Weg mit uns geht». El Camino ist der nächste Song. Ich dachte mir gerade, es schade, dass bis jetzt niemand von ihnen ein Instrument gespielt hat. Sie haben nämlich Gastmusiker dabei, die Schlagzeug, Bass und Piano spielt und für den Backgroundgesang ein Ehepaar. Doch ach, was ist denn das? Entschuldigung, mein Gedanke kam etwas zu früh. Zum nächsten Song schnappt sich Jimmy seine Gitarre, Kathy ihr Akkordeon, Joey seine Gitarre und John den Bass, Paul hat sich auf eine grössere Bühne gestellt und sie stimmen Good Neighbor an. Das ist ein Song, der Emotionen in mir weckt und bin glaube ich die einzige hier hinten, die die Arme hochstreckt und sich hin- und herschunkelt. Jimmy kommt mit seiner Gitarre und spricht zu uns: «Wir haben in die letzten drei Jahre so viel erlebt, das ist unglaublich gewesen, wie war es bei euch in der Schweiz? Seid ihr verschont geblieben?». Laute «Nein»-Rufe kommen aus dem Publikum. Solange sie können, würden sie weitersingen, denn so seien sie aufgewachsen. Sie sind nie zur Schule gegangen, haben nichts anderes gelernt als 3 Akkorde und zu singen, sagt Jimmy. Das Publikum lacht. Er dankt uns, dass wir treue Besucher sind und sie davon leben können. Danach folgt Peace On Earth. Ich finde das einen Hammer-Song, der Zeit entsprechend. Frieden können wir überall gebrauchen.

Endlich folgt mal was Rockiges. Joey kommt mit seinem lustigen Glitzeranzug (fast wie in den 90ern), Hut und wie Heidi mit 2 Zöpfen über die Bühne gefegt und legt mit No More Christmas los. Dann werden mit dem Publikum zusammen ein paar traditionelle deutsche Weihnachtslieder gesungen und falls man den Text nicht kennt, kann man ihn von der LED-Wand ablesen. Schade nur, dass das Publikum eher zurückhaltend war. Da wäre ich lieber in den ersten 3 Reihen gesessen, denn die haben mitgefeiert und getanzt, was das Zeug hält. Patricia erzählt uns, dass sie ohne Fernseher aufgewachsen sind. Aber sie durfte jeden Mittwoch zur Nachbarin, wenn Heidi lief, denn sie war ein riesen Fan von Heidi. Im Keller seien bis heute alle VHS-Kassetten, die ihr Mann Denis immer entsorgen will. Das ist in etwa so wie bei mir zu Hause mit der Kelly Family-Sammlung! Sie möchte, dass wir Heidi für sie singen, denn sie sei ein bisschen angeschlagen. Und tatsächlich singt die ganze Halle Heidi. Jimmy hat davon auch gleich ein Reel auf Instagram geteilt.
Kathy Kelly singt Break Free zu Ehren von Barby, die vor etwas mehr als einem Jahr unerwartet verstorben ist. Jimmy sagt über sie: «Barby ist die einzig wahre Künstlerin von uns gewesen, sie hat einfach ihr Ding gemacht». Jimmy hat für sie den Titel Hold my Hand geschrieben. Was für ein Song, da kullern mir doch noch ein paar Tränen runter. Bei Joey wird’s nochmal heiss, Feuerflammen stossen vor der Bühne in die Höhe und er heult den The Wolf herbei und Why why why folgte. Naja, das einzig gute war die Feuershow, aber er sagt ja immer wieder, er sei kein Sänger, sondern eher der Sportler. Nun sorgen An Angel und Fell In Love With An Alien für richtige Kelly Family-Stimmung. Bei mir kommt sie leider gar nicht an, da fehlen mir einfach Patrick und Angelo Kelly zu sehr und die Songs hat man auch schon zu oft gehört. «Noch einen letzten Song, nehmt euch an der Hand und schunkelt mit», meinte Patricia, und Take my Hand folgte. Wie habe ich früher geweint bei dem Song, doch auch da fehlt mir einfach Paddy. Nun gibt es doch noch tosenden Applaus und Zugaberufe aus allen Ecken. Noch ein allerletzter Song wird angestimmt: Stille Nacht, den sie in drei Sprachen singen und das Publikum zum Mitzusingen auffordern. So endet dieser musikalische und weihnachtlicher Abend und ich mache mich sofort auf den Heimweg. So schnell war ich noch nie aus dem Hallenstadion raus und am Bahnhof. Ein Konzert reicht mir völlig aus, aber ich kenne ein paar, die gehen an mindestens 10 Konzerte dieser Tour. Ich gehe dann lieber zu den Solokonzerten. Trotzdem war es schön, alle Bekannten wiederzusehen, denn wir Fans sind auch wie eine grosse Familie.
The Kelly Family gibt es schon über 40 Jahre. Ihre Geschichte werde ich euch einem separten Bericht erzählen, der in den nächsten Tagen folgt!
Eventdatum: 17.12.2022
Fotografin: Andrea Schüpbach / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: Stargarage
Zuschauerzahl: unbekannt
https://szenemagazin.ch/konzert/item/986-the-kelly-family-bringen-weihnachtlichen-glanz-ins-hallenstadion#sigProIdae0f6a9ea0
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Andrea Schüpbach
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