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Slipknot

Slipknot Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Mit einem Jahr Verzögerung treten Slipknot in der Aréna Genève auf. Es scheint, als wäre ein Grossteil das erste Mal an einem Slipknot-Konzert, obwohl es die Band schon beinahe 20 Jahre gibt.

Nein, auch wenn Frontmann Corey Taylor sich fragt, warum so viele das erste Mal an einem ihrer Gigs sind und von 20 Jahren redet: noch nicht ganz. Einige Songs sind zwar von den Basement Sessions aus dem Jahr 1992, aber die US-amerikanische Band wurde offiziell erst 1995 gegründet. In der aktuellen Besetzung ist nur noch Shawn Crahan aus der Anfangszeit. Es gab einige Wechsel in der Zeit und manche erzählen, sie seien nicht ganz freiwillig oder werfen sogar Unterschlagung vor. Noch extremer ist es, wenn die Medien berichten, einer ihrer Songs hätte zu einem Terroranschlag verleitet – einen Track, der nicht existiert und Lyrics eines anderen, wo keine Silbe in Verbindung mit einer Schule steht. Aber wo stehen die positiven Dinge? Zum Beispiel die diesen Frühling gegründete Taylor Foundation, die Spenden für Menschen mit PTSD und deren Familien sammelt? Aktuell läuft gerade eine solche Aktion: noch bis zum 5. August 2022 versuchen sie, das Spendenziel von 120'000$ zu erreichen.

 

Der Apfel fällt nicht weit vom Stamm

Zurück zum Konzert: den Abend eröffnen Vended. Nie gehört? Dann bist du auch einer der neueren Slipknot-Fans. Schliesslich sind gleich zwei der fünf Jungs aus Des Moines sind Nachkommen von Slipknot-Mitgliedern. Bitte was? Ist so. Griffin Taylor tritt als Leadsänger in die Fusstapfen von Corey Taylor, während Simon Crahan an den Drums wie Vater Shawn Crahan, der sich aber nicht nur auf Drums beschränkt.  Leadgitarrist Cole Espeland, Jeremiah Pugh am Bass und Connor Grodzicki an der Rhythmus-Gitarre komplettieren die Band.  Und ihr Bühnenoutfit? Wie die Väter so die Söhne? Nicht ganz. Sie bemalen gerne Gesicht und Körper, Jeremiah scheint aber Gefallen an Masken zu haben. Gegründet wurde Vended schon 2018, ihren ersten Auftritt hatten sie im März 2020 vor der Pandemie. Ihre erste Single kam im Herbst 2021 heraus, die EP folgte etwas später.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Aller guten Dinge sind drei

Beim dritten Anlauf habe es geklappt, verrät uns Corey Taylor, dass Jinjer mit auf Tour sei. Die Metalband aus der Ukraine mit Frontfrau Tatiana Shmailyuk ist seit 2009 im Business. Nach dem Ausstieg von Gründungsmitglied Dmytro Oksen stiess kein weiterer Gitarrist dazu. Seither spielen sie nur noch zu viert. Jinjer wurden 2013 und 2016 mit dem «Best Ukrainian Metal Act Award» ausgezeichnet und erhielten im gleichen Jahr die Auszeichnung für das beste Musikvideo von I Speak Astronomy. Wie schon Vended hat auch Tatiana Shmailyuk etwas mehr Zeit in ihr Makeup investiert, das im Schwarzlicht besonders zur Geltung. Wenig Licht, kurz durchatmen, die Lichtempfindlichkeit (ISO) hochdrehen und mal schauen, was dabei fotografisch rauskommt. Das Publikum feiert Jinjer, singt mit und ist begeistert. Zwischenzeitlich hat sich die Aréna auch etwas mehr gefüllt und die Security am Eingang hat schon beinahe Feierabend.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Auftritt Slipknot

Um 21 Uhr startet das Intro hinter dem Slipknot-Vorhang. Was unterscheidet Slipknot von anderen Metal-Bands? Das offensichtlichste: ihre Bühnenoutfits. Früher waren dies gleichaussehende Overalls und individuelle Gesichtsmasken. Seit 1995 haben diese sich immer wieder verändert, weil sie auch einen direkten Bezug zur dunklen Persönlichkeit des jeweiligen Trägers haben. Am meisten wechselt Corey Tailor seine Masken, Menschen würden sich im Laufe der Zeit schliesslich auch verändern.

Doch wie kam es dazu? Shawn Crahan fand in seinem Keller eine alte Clownmaske, die er während einer Bandprobe anzog. Im gefiel das so sehr, dass er sie auch bei Auftritten aufsetzen wollte – auch wenn der Rest der Band fand, er könne nicht der Einzige sein, der eine dämliche Maske aufsetze. Crahan war das egal. Ihm gefiel es, in die Rolle eines anderen Charakters zu schlüpfen, sich anders zu präsentieren, als man ihn sonst wahrnahm. Also taten es ihm die anderen nach ein paar Auftritten gleich.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Im Gegensatz zu anderen Künstlern, wo man keine Ahnung hat, wie sie tatsächlich aussehen, haben sie sich bewusst auch schon unmaskiert gezeigt. Dies wohl auch, weil sie noch in anderen Bands mitwirken. Und wer ist jetzt wer? Das ist einfach herauszufinden, denn jedes Bandmitglied bekam eine Nummer von 0 bis 8 respektive Buchstaben, die man entweder auf dem Outfit, als Tattoo oder Accessoire entdecken kann. Ausserdem trägt jeder eine individuelle Maske. In der aktuellen Besetzung finden sich diese Nummern oder Buchstaben:

0

Sid Wilson, DJ

Steampunk-Roboter-Maske

4

Jim Root, Rhythmusgitarre

Jester-Maske

5

Craig Jones, Sampling

Nagel-Mowhawk-Maske

6

Shawn Crahan, Perkussion

Verschiedene "Fashion Clown"-Masken

7

Mick Thomson, Leadgitarre

Metallische Hockey-Maske

8

Corey Tailor, Leadsänger

Totenschädel-Maske

J

Jay Weinberg, Schlagzeug

Geister-Maske

V

Alex Venturella, Bass

Verschiedene Metall-Masken

-

Michael Paff, Perkussion

Tortilla Man-Maske

Die Nummern 1-3 gehören ehemaligen Bandmitgliedern und werden nicht mehr verwendet und Michael Paff hat keinen Buchstaben, da er derzeit nur Mitglieder Tourband ist. Seine Identität wurde darum auch lange geheim gehalten. Aufgrund seiner Maske nannten ihn die Fans «Tortilla Man». Es waren auch die Fans, die ihn anhand seiner Bewegungen, Grösse und nicht zuletzt wegen seiner Glatze erkannten. Anfang dieses Jahres wurde sein Name seitens der Band offiziell bestätigt.

Heute fehlt er leider, weil er am Morgen positiv auf Covid getestet wurde. Interessant… Während man am Out in the Green auf Metallica verzichten musste, weil ein Mitglied der Crew (nicht der Band) positiv getestet wurde, stehen Slipknot ohne Tortilla Man auf der Bühne. Da für uns Fotografen Maskenpflicht im Graben besteht, habe ich mir kurzerhand gedacht: ihr tragt Masken – ich auch. Und wenn sie das witzig finden, schauen sie mir sicher direkt in die Linse. Drum habe ich über die FFP2 eine Stoffmaske mit breitem Grins-Mund angezogen. Mein Überlegungsfehler war höchstens, dass ich die Kamera vor dem Gesicht habe und sie das nur sehen, wenn ich nicht fotografiere. Ob ich im Nachhinein denke, die obligatorische Maske für uns zwei Fotografen (nicht für die Security) war eine gute Idee? Wer weiss…

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Slipknot ist schon ein paar Tage auf den Bühnen dieser Welt unterwegs. Und sie haben auch vor, das noch eine lange Zeit so zu halten. Vier ihrer sechs Alben landeten auf Platz eins der Charts, alle wurden mindestens mit Gold oder Platin ausgezeichnet. Ihre erste LP «Slipknot» von 1999 hielt sich in den USA 77 Wochen in den Charts und erhielt 2x Platin. Ihr neustes Album «The End, So Far» ist für den 30. September 2022 angekündigt. Ob es an vergangene Erfolge anknüpfen kann? Seit ihrem Auftritt in der Aréna Genève haben sie jedenfalls eine ganze Menge neuer Fans dazugewonnen.

Fans? Pardon – Familienmitglieder. Corey Taylor hat uns schliesslich alle in die Familie aufgenommen. Dazu waren nur zwei Dinge Voraussetzung, um dazuzugehören: einerseits muss man ein wenig einen an der Waffel haben. Aber nur so viel, dass man nicht ins Gefängnis wandert. Andererseits nimmt man Musik auf einem anderen Level wahr. Ich persönlich bin nur angeheiratet verwandt mit dieser Familie. Aber wer weiss, vielleicht wachse ich ja noch hinein. Und wir nehmen Corey Taylor beim Wort, dass «The End, So Far» nicht das Ende der Band ankündigen soll, sondern lediglich den Abschluss eines Kapitels. Etwas endet, etwas Neues folgt. Ich bin gespannt, ob sich das auf ihre musikalische Ausrichtung oder ihr Outfit bezieht.

 

 

  

Eventdatum: 01.08.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Aréna, Genève

Veranstalter: Live Nation / Mainland Music

 

Main Act: Slipknot

 

 

Supporting Acts: Jinjer / Vended

 

Publiziert in Konzert