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Eine Reise in die Vergangenheit mit Simple Minds

Eine Reise in die Vergangenheit mit Simple Minds Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ich bin Generation «Breakfast Club», dessen Titelsong «Don’t you (forget about me)» von Simple Minds ist. Klarer Fall, dass an ihrem Konzert im Hallenstadion vermutlich die ein oder andere Jugenderinnerung aufkommen wird.

 Gleich zu Beginn schockt mich Jim Kerr, als er bei den ersten Klängen mit verzerrtem Gesicht an die Brust fasst. Fehlalarm, das war wohl ein Tanzmove. 

Der Frontmann ist jedenfalls fit wie ein Turnschuh und springt voller Energie auf der Bühne herum. «So will ich auch mal sein in seinem Alter», schiesst es mir durch den Kopf. Und dann realisiere ich, dass er vermutlich nicht viel älter ist. Und tatsächlich ist er mit Jahrgang 1959 näher an meinem Alter als gedacht. Immer wieder geht er in die Knie, lehnt sich danach nach hinten. Da kann sich manch junger Musiker eine Scheibe abschneiden. Da ist Power vorhanden und eine spürbare Freude, über die Bühne wirbeln zu dürfen. Er informiert das Publikum, er rede ganz langsam englisch. Der Grund: Vermutlich können wir besser Englisch als er, schliesslich sei er Schotte.

"I speak slowly, not because of you. You probably speak better English than we do as Scottsmen" - Jim Kerr

 Nach 40 Minuten meint er: «We‘re just warming up.» und stimmt «Mandela Day» an. Der Song entstand anlässlich des Konzerts «Mandelas 70th Birthday Tribute», das 1988 im Wembley Stadion zum Zeichen der Solidarität für den damals noch inhaftierten Mandelas stattfand. Die Songs wecken in der Tat Erinnerungen an meine Jugendzeit. Entsprechend ist das Durchschnittsalter - und eventuell deshalb auch Konzertbestuhlung?

"One more song, before we take that little break. Don‘t go home. There‘s nothing in Television. We‘ll be back." - Jim Kerr

«Belfast Child» spielen sie als stripped Version: zu Beginn nur seine warme Stimme, begleitet von Keyboard und Flöte. Dann bauen kraftvolle Drums und Gitarrenklänge Dramatik auf. Das Publikum steht am Ende des Songs. Vermutlich unter anderem, weil die Pause nur 10 Minuten dauert und man sich stehend einen Vorsprung erhofft? Die Unterbrechung dauert dann schlussendlich 20 Minuten. Ob es hinter der Bühne auch zu Stau auf den Toiletten kam? Die Zuschauer sitzen jedenfalls alle schon wieder, als die Show weitergeht. 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch) 

 

Die Halle steht ab jetzt durchgehend- zumindest im Parkettbereich. Nach der Pause geht es instrumental weiter, Kerr erscheint erst danach auf der Bühne und sitzt zum ruhigen Song erst Mal lässig auf dem Schlagzeuger-Podest. Doch lange hält es ihn dort nicht und er tanzt mit sanften Wellenbewegungen zu «Dolphins».

Immer mehr Leute stehen auf, tanzen - und diejenigen die sitzend etwas sehen wollen, verschieben sich in die freien Blöcke auf der Tribüne. Während rund 2 Stunden spielt er 23 Songs. Nach so einer langen Karriere ein leichtes, die Zeit mit Titeln zu füllen. Immerhin ist Simple Minds seit 1978 unterwegs. Auch mein persönlicher Lieblingshit - nebst Belfast Child - ist auf der Setlist. Zürich singt den Refrain von «Don’t you (forget me)» mehrere Minuten lauthals mit. Und das auf Wunsch von Jimm Kerr in vier Sprachen! Ihm gefällt es, er vermutet, wir hätten wohl alle unter der Dusche geübt.

«Sing it in French. Sing it in Italian. Sing it in deutsch», fordert er uns auf. Tönt wunderschön. Und jetzt bitte leise. Er flüstert beinahe «Come on, call my name» und setzt mit voller Kraft bei «Will you call my name» ein. Die Halle hüpft im Takt und johlt begeistert.

Bei «Let it all come down» stimmt Sarah Brown auch wieder mit ein. Ihre klare Stimme lädt zum Träumen ein. Er verabschiedet sich noch während des Songs. Am Ende meint er aber, wir wollen noch nicht nach Hause, wir spielen noch einen. Doch das stimmt auch nicht ganz, denn er will noch immer nicht nach Hause, möchte die ganze Nacht spielen. Er bestelle schon mal 4000 Pizzen. Die erste Zugabe singen Sarah Brown und die Keyboarderin im Duett, während Jim Kerr an den Keys begleitet. Und dann sagt er, er wolle immer noch nicht gehen. Ob er bitte noch einen Titel singen darf? Als letzte Zugabe wirbelt er nochmal zu «Sanctify yourself» über die Bühne und das Hallenstadion tanzt begeistert mit, bis das Licht angeht.

Meinen Lieblingssong höre ich mir jetzt in voller Lautstärke auf dem Heimweg nochmal an und schwelge noch ein wenig in Erinnerungen. Don‘t you (forget about me) passt da doch wie die Faust aufs Auge, oder?

 

 

Eventdatum: 14.05.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion, Zürich

Veranstalter: Gadget abc entertainment group AG

 

 

 

Publiziert in Konzert