5 Seconds of Summer
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
In der Halle 622 sind viele junge Menschen, mehrheitlich weiblich. Kein Wunder, wenn 5 Seconds of Summer auf dem Programm stehen.
Bevor der Konzertabend von der spanischen Frauenband «Hinds» eröffnet wird, flimmern immer mal wieder lustige Kurzfilme von 5 Seconds of Summer über die Leinwand. Die vierköpfige Indie-Rockband stammt aus Madrid und wurde – wie 5 Seconds of Summer – 2011 gegründet. Die Leadsängerin Carlotta Cosials schwärmt von unserer Stadt. Es sei so grün, so schön und so sauber. Gut, dass sie nicht am Sonntag hier war: nach der 1. Mai-Demo lag da noch spät am Abend ungewohnt viel Abfall auf den Strassen rund um den Hauptbahnhof. Ihr Sound ist leicht und luftig, die Songs ähneln sich. Böse Zungen meinten, sie hätten mehrfach denselben Titel gespielt. Rund eine halbe Stunde sollen sie gemäss Plan performen. Daraus werden aber irgendwie 45 Minuten und 5SOS legen erst um 21 Uhr los.
Die vier Australier sind seit 2011 unterwegs und starteten mit Covers auf Youtube. Eins dieser Covers wurde von der Originalband One Direction getwittert, was ihnen die nötige Publicity verschaffte, um Label auf sie aufmerksam zu machen. Sie veröffentlichten 2012 ihre erste Single, auf das erste Album mussten die Fans bis 2014 warten. «5 Seconds of Summer» ist trotz weiterer 3 Studioalben das bisher erfolgreichste und schaffte es in Australien, Neuseeland und den USA auf Platz 1.
Zu Beginn ihres Auftritts ist es komplett dunkel auf der Bühne. Wir bekommen eine kurze Lasershow zu sehen, die effektvoll durch die Nebelschwaden sticht. Dann sieht man für einen Moment ein Dreieck und die Silhouetten der Musiker. Die LED-Wand wird heruntergelassen und die nächsten zwei Songs sind die Jungs nur noch hinter Gittern und meist nur schemenhaft zu sehen. Mein Fotografenherz sinkt. Werde ich tatsächlich nur LED-Gitter mit Gegenlichtlasern und dunklen Figuren ablichten können?

Doch da: die Wand fährt hoch. Doch ich freue mich zu früh, denn weder rotes noch violettes Licht sind Freunde der digitalen Bilder. Für das Publikum sieht es spektakulär aus und dass man sie in den ersten drei Liedern nicht so gut sieht, macht ja nix – es folgen ja noch 23 weitere Songs. Zumindest für die Zuschauer, wir müssen nach 3 Liedern den Graben verlassen. Die Bühne ist T-förmig angelegt, der Steg reicht gute 2 Meter in den Saal. Da Hinds auch schon bis ganz nach vorne kamen, dort aber keine Spots angebracht sind, mache ich mir auch bei 5SOS keine grosse Hoffnung auf verwertbare Shots. Das hält mich nicht davon ab, trotzdem die Kamera in die Höhe zu halten und abzudrücken. Man weiss ja nie ;-).
Den Rest des Konzerts höre ich mir im hinteren Teil der Halle an. Da hat es eindeutig mehr Platz und Luft. Mir kommen immer mal wieder junge Frauen entgegen, die gestützt werden müssen. Andere rennen an mir vorbei – auf dem Weg und zurück zur Toilette. Unsere sind im ersten Stock, die Treppe hoch, die Männerklos sind ebenerdig. Ich habe mich schon ein paar Mal gefragt, weshalb. Einige werden genügend Folgen von Germany’s Next Topmodel gesehen haben und wissen: Treppen in High Heels sind für viele eine Herausforderung.
Ich will nicht despektierlich klingen. Aber einerseits ist die Lichtshow von 5SOS eher ein Schattenspiel. Meiner Ansicht nach haben sie keinen Grund, sich im Dunkeln zu verstecken. Und wenn man mehr hört als sieht, schweifen nicht nur die Blicke, sondern auch die Gedanken ab. In Begleitung führt das dann zu Gesprächen und die Musik wird nur noch «Beigemüse». Vorallem dann, wenn die Lieder eher den Charakter von seichter Unterhaltungsmelodie haben. Etwas, das man im Hintergrund laufen lässt und nicht gross Beachtung schenkt. Das heisst nicht, dass es deswegen schlechte Musik ist. Aber man hört nicht konzentriert hin, verliert sich nicht darin. Eher wie eine Welle, auf der man sich treiben lassen kann. Nochmal: das ist nicht negativ gemeint.
Die ersten verlassen die Halle schon um 22 Uhr rum. Lange, bevor die erste Zugabe «Ghost of You» erklingen wird. Als 5SOS danach erneut von der Bühne gehen, strömen viele in Richtung Garderobe. Ein paar wenige drehen sich nochmal um, als es heisst «This is our last song», doch ihre bisher erfolgreichste Single «Youngblood» werden einige nur noch dumpf von draussen hören. Ich bleibe bis zu den letzten Takten stehen und bin auf dem Weg zum Ausgang, als es heisst «Thank you, Zurich».
Eventdatum: 02.05.2022
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Halle 622, Zürich
Veranstalter: Gadget abc entertainment group AG
https://szenemagazin.ch/konzert/item/813-5-seconds-of-summer#sigProId6b0f6e0d81
3 Kommentare
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