Andryy singt mit seinen Texten aus dem Leben
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Rund 600 Zuschauer geniessen das Konzert von Andryy bei trockener Witterung. Der 27-jährige Winterthurer ist nicht neu im Business, veröffentlichte als Andryy aber erst im März 2020 seine erste EP mit Mundart-Songs und neuem Namen.
Zum wohl schwierigsten Zeitpunkt für die Musikindustrie richtet Andryy seine Karriere neu aus. Die erste EP erscheint just, wenn keine Konzerte mehr stattfinden können. Der Auftritt im Zauberpark war deshalb auch ungefähr sein dritter mit der Band, meint er.
Andryy geniesst den Auftritt sichtlich. Auf mich macht er zwischendurch einen fast scheuen Eindruck. Und auch etwas erstaunt, dass man sich für seine Musik interessiert. Das bestätigt sich, als er uns erzählt, wie er auf Buchungsanfragen reagiert: er frage sich noch immer, wer wohl an sein Konzert kommen würde. «Wir», tönte es aus dem Publikum. Doch nicht alle kennen sein ganzes Repertoire. Bei der Aufforderung, wir sollen beim nächsten Titel mitsingen, höre ich neben mir: «Ich kenn seine Texte leider nicht alle».

Er singt in Mundart, aber irgendwie klingt es nicht wie viele andere Schweizer Bands. Sein Geheimnis? Er schreibt seine Songs zuerst in englisch. Das, so Andryy, tönt nach amerikanischem Songwriting und sei der Grund, dass er die Texte anders angliedert. In seinen Liedern verarbeitet er Erfahrungen und Emotionen aus seinem Leben. Beispielsweise die Coverversion in Mundart von Bon Iver, der Liebessong für seine Freundin «Ich Liebes Wie Du mich Verändrisch», mit dem er bei «Sing It Your Way» dieses Jahr gewonnen hat, oder dem Titel «Wiit Is Blaue».
Für einen längeren Auftritt hat Andryy vermutlich noch zu wenig Material. Deshalb verabschiedet er sich nach einer Stunde mit dem Titel «Zuegab» vom Publikum mit den Worten: „Es isch ganz viel Wärmi da uf Bühni cho vo eu“. Mir entschlüpft ein: «Aaw», weil ich das herzallerliebst finde und ihn direkt noch sympathischer macht, als er mir schon in den vergangenen 60 Minuten wurde.
Dies war mein letztes Konzert im Rahmen des diesjährigen Zauberparks. Ich habe alle Abende sehr genossen, an denen ich vor Ort war. Am Sonntag wird Marcel Kaul über das Konzert von Luca Hänni berichten.
Eventdatum: 11.12.2021
Fotograf: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: The Circle, Flughafen Zürich
Veranstalter: No Ordinary Art - NOA
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