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TINA – The Tina Turner Musical

TINA – The Tina Turner Musical Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Die Bühnenproduktion über Tina Turners Leben ist mehr als ein klassisches «Jukebox-Musical». Es verspricht ein Wechselbad der Gefühle, verbindet die Musik mit Erlebnissen einer herausragenden Musikerin.

Die US-Amerikanerin lebte von 1994 bis zu ihrem Tod vor 3 Jahren in Küsnacht und wurde 2013 Schweizer Staatsbürgerin. Sie schätzte die Diskretion, die ihr in unserem Land entgegengebracht wurde. Was in ihrer Heimat undenkbar wäre, konnte sie in der Schweiz ungestört machen: in die Migros einkaufen gehen, für Haus und Garten Dinge im lokalen Baumarkt besorgen, oder ganz selbstverständlich durch den Wald spazieren. Natürlich gab es auch Begebenheiten, wo sie bewusst als Star in Aktion trat. Beispielsweise, als sie 2013 ein Boot des Rettungsdienstes Küsnacht-Erlenbach auf den Namen «Tina» taufte. Eine Kombination daraus dürfte auch die gespendete Weihnachtsbeleuchtung für ihre Gemeinde sein. Es sei nicht aus PR-Gründen gewesen, sondern weil ihr die festlich beleuchtete Seestrasse so viel Freude bereitete. Allerdings würde ein normaler Bürger kaum 250'000 Franken dafür ausgeben, um im eigenen Wohnort die Weihnachtsbeleuchtung aufzupeppen.

Obwohl Tina Turner aus Brownsville (Tennessee) stammt, wurde das Musical 2018 nicht in den USA, sondern im Aldwych Theatre im Londoner West End uraufgeführt. Das liegt daran, dass es hauptsächlich von Stage Entertainment produziert wurde, die in Europa ansässig ist. 

 

Wie authentisch ist das Musical?

Die meisten Musicals dieser Art entstehen ohne direkte Beteiligung der portraitierten Person. Tina Turner war jedoch schon während der Entwicklungsphase involviert und unterstützte das Projekt. Es ist die einzige Bühnenproduktion über ihr Leben, das sie offiziell genehmigt hat. Handlung und Dialoge schrieb Pulitzer-Preisträgerin und Dramatikerin Katori Hall. Das erklärt auch, weshalb die Story dramatischer und politischer erzählt wird, als bei vielen klassischen Jukebox-Musicals. Bei Biopic-Musicals werden Handlungen und Charaktere dramaturgisch verändert, vereinfacht oder umgebaut. Das ist Standard, aber vielleicht interessiert es ja den ein oder anderen, wo die Realität zurechtgebogen wurde.

Einige Figuren sind zusammengesetzt oder vereinfacht. Bestimmte Nebenfiguren im Musikbusiness werden zu einer Figur zusammengezogen. Mehrere Manager- oder Label-Charaktere werden von derselben Person dargestellt, um die Musicalhandlung übersichtlich zu behalten. Ausserdem erleichtert es das Publikum, die Handlung zu verfolgen.

Tina Turner hatte eine schwierige Kindheit und erlebte in der Ehe mit Ike Turner viel Gewalt. Auch diese dunklen Kapitel werden in der Show sehr deutlich gezeigt. Die Szenen mit Symbolcharakter sind sehr intensiv und lösen eine Betroffenheit aus, die man im Saal spürt. Man wird quasi hilfloser Beobachter und Zeuge von etwas, das Anna Mae hinter den Kulissen durchmachte und dem Zuschauer von Ike & Tina Turner Jahrzehntelang verborgen blieb. Ihre Karriere wird ebenfalls massiv komprimiert. Es wirkt im Musical fast so, als ob viele wichtige Ereignisse direkt aufeinanderfolgen, weil die Dramaturgie Tempo und klare Wendepunkte benötigt. In Wirklichkeit liegen aber teils Jahrzehnte dazwischen, was in den Dialogen auch entsprechend wiedergegeben wird. Nach der Trennung von Ike im Jahr 1976 musste sie in kleinen Clubs spielen, jahrelang wollte sie kein Label unter Vertrag nehmen. Sie kämpfte mit finanziellen Problemen, weil sie Schulden übernehmen musste und lebte teilweise von Food Stamps. Erst 1984 gelang ihr mit Private Dancer der Solo-Durchbruch.

Die Rolle der Tina übernehmen abwechselnd Elle Ma-Kinga N’Zuzi und Jochebel Ohene MacCarthy. An der Vorstellung vom 14. April 2026 brillierte Elle Ma-Kinga N’Zuzi auf der Bühne. In die Rolle der jungen Tina schlüpfte an diesem Abend Lola McCourtie. Alle 33 Castmember für die Zürcher Vorstellungen sind auf der Webseite des Musicals aufgeführt. Gesanglich haben mir die Darsteller sehr gefallen und stimmlich überzeugt, aber hätte ich Elle mit Tina verwechselt? Nein. Auch wenn sie stellenweise ein wenig so klang und manchmal für einen kurzen Augenblick wie Tina ausgesehen hat. Dennoch war ich Teil der Geschichte, durchlebte die Emotionen und fühlte mich wie an einem Konzert am Ende des Abends. Begleitet wird das Musical von einer Liveband, dirigiert vom Musical Director Sarah Burnell. Mir ist nicht bekannt, ob die Band-Mitglieder auch alternieren. Beim Eingang war ein Display aufgestellt, das uns verriet, wer an der Aufführung performt: Sarah Burnell (Keyboard), Carl Greenwood (Keyboard), Elijah Godson (Drums), Dave Gonella (Percussion), Jay Brown (Bass), Ed Tatton (Guitars), Ben Castle (Guitars), Gavin Hibberd (Trumpet/Flugel), Dan Boardman (Trombone, Deputy MD), Eleanor Sandbrock (Reeds).

Und ist es jetzt eine Biografie oder nicht? Ja und nein. Es ist zwar thematisch alles so passiert, aber in anderem Tempo, chaotischer und sicherlich nicht so sauber strukturiert wie im Musical. Begonnen wird mit der Unterdrückung, die vor der Pause mit der Befreiung endet. Vermeintlich jedenfalls. Auch wenn der Neuanfang zwar relativ unverblümt auch die Barrieren wegen der Hautfarbe, ihres Geschlechts und Alters thematisiert, wird er zu reibungslos dargestellt. Denn der Neuanfang ist alles andere als einfach. Der extreme Kontrast zwischen dem ersten und zweiten Teil lässt sich nicht leugnen. Wie so oft ist der Zuschauer faszinierter vom Schicksal, als wenn es gut läuft. Der Fokus im Saal verschiebt sich mehr und mehr auf die musikalische Performance, die lautstark gefeiert wird. Der letzte Teil der Show ist inszeniert wie ein Tina-Turner-Livekonzert, nicht wie eine klassische Musicalszene. Das Publikum hält nichts mehr auf ihren Sitzen, sie tanzen in den Sitzreihen und feiern die Sängerin. Damit endet die Geschichte mit ihrem Durchbruch als globale Rock-Ikone.

Das Musical wird noch bis zum 3. Mai 2026 im Theater 11 in Zürich aufgeführt, bevor es weiterzieht.

 

Eventdatum: 14.04.2026

Fotos:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Theater 11, Zürich

Veranstalter: FBM Entertainment

Zuschauerzahl: unbekannt

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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