free website hit counter Szenemagazin - Dernière am Stars in Town

Dernière am Stars in Town

Dernière am Stars in Town Michelle Brügger / szenemagazin.ch

7 Tage Stars in Town gehen zu Ende. Nach Bligg heisst es heute Lichterlöschen auf dem Herrenacker. Hinter den Kulissen verabschieden sich viele helfende Hände ebenfalls - und sagen winkend: «bis nächstes Jahr».

Noch am Vormittag sah es alles andere als nach einem versprochenen heissen und trockenen Samstag aus. Doch analog zu «man soll den Tag nicht vor dem Abend loben», konnte man bei Türöffnung den Regenschutz getrost im Kofferraum lassen. 

 

Bastian Baker

Bastian Bakers Werdegang beinhaltet zwei meiner Leidenschaften: Musik und… Eishockey. 2011 spielte er für den HC Red Ice Martigny-Verbier und stand er kurz davor, beim HC Fribourg-Gottéron zu unterschreiben. Er entschied sich dann aber für die musikalische Laufbahn. Sein Vater Bruno Kaltenbacher spielte seinerseits beim EHC Kloten. Das erklärt auch, wieso Bastian so gut deutsch spricht - fast astreiner Züridialekt wie sein Papa. In der Saison 20/21 zog es Baker zurück aufs Eis und er spielte bis zum Saisonabbruch für den HCV Martigny.

Die Leidenschaft für die Musik ist jedoch grösser. Der in Lausanne aufgewachsene Schweizer gründete bereits mit 7 Jahren seine erste Band, spielte mit 13 seine ersten Konzerte und begann mit 15 seine eigenen Songs zu schreiben. 2018 tourte er mit der in der Schweiz lebenden Shania Twain und änderte einen Namen offiziell von Bastien Kaltenbacher zu Bastian Baker. Dies, weil es gemäss seinen Schilderungen immer mal wieder zu Problemen bei Hotelreservationen gekommen sei, weil im Pass «Kaltenbacher» und nicht «Baker» stand. 

2011 gab der Westschweizer sein mit Platin ausgezeichnetes Debütalbum «Tomorrow May Not Be Better» heraus, das in den Schweizer Charts auf Platz drei kletterte. Das brachte ihm 2012 den Swiss Music Award in der Kategorie «Best Breaking Act National» und den Prix Walo Award in der Kategorie «Newcomer» ein. 2013, 2014 und 2016 räumte er weitere 8 Awards ab. Am Stars in Town wird er vom Host als Wiederholungstäter eingestuft, weil er bereits zum vierten Mal hier auftritt. Der Herrenacker ist schon recht gut gefüllt und die Sonne strahlt mit ihm um die Wette, als der Romand die Bühne betritt.

Eine Lederjacke ist nicht grade die beste Wahl bei 30 Grad und direkter Sonneneinstrahlung. Er hatte wohl die gleichen Probleme wie viele und sein Outfit dem morgendlichen Wetter angepasst. Spätestens nach seinem kurzen Ausflug in den Graben für Handshakes mit der ersten Reihe war er vermutlich kurz vor einem Hitzschlag. Drum zog er nach dem dritten Song seine Jacke aus und spielte im Tanktop weiter. Unsereiner konnte sich in der hintersten Reihe in den Schatten der Häuser stellen und seine Performance bei angenehmeren Temperaturen geniessen.

Baker ist gut aufgelegt und interagiert aktiv mit dem Publikum - und dies in beinahe akzentfreiem Schweizerdeutsch. Unter anderem will er wissen, wer das erste Mal an einem Konzert von ihm sei. Es gehen enorm viele Hände in die Luft und Bastian hakt nach: «Ok… warum?» und erntet einige Lacher. Und vermutlich auch ein paar neue Fans, die vielleicht an eines seiner nächsten Konzerte gehen werden.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Adel Tawil

Schon lange bevor ich Adel Tawil 2017 und 2018 live erlebt habe, waren seine Lieder (teilweise noch mit «Ich + Ich») auf meiner Playlist. Ein Jahr zuvor erlitt er beim Sprung in den Swimming Pool einen mehrfachen Bruch des Halswirbels zu. Diese Erfahrung floss damals in sein zweites Soloalbum «So schön anders» ein, das es in Deutschland auf Platz 1 schaffte und mit Platin ausgezeichnet wurde. Sein aktuelles Album «Spiegelbild» releaste er im März 2023.

Der Deutsche mit arabischen Wurzeln betritt die Bühne ebenfalls mit langen Hosen und einer Jacke. Wieso tragen die Künstler an Openairs und Festivals nicht etwas luftigere Klamotten, die ja trotzdem cool aussehen können? Ja, Sam Ryder hatte am Donnerstag kurze Hosen an - aber das gehäkelte Woll-Outfit war garantiert nicht minder heiss. 

Ich bemerke, wie Adel an seinem Empfänger am Hosenbund rumschraubt. Uhoh… funktioniert sein In-Ear-Monitor nicht? Es fällt während des Konzerts nicht nur mir auf, dass viele Töne nicht sitzen und ich fürchte, er hört sich tatsächlich selber nicht. Ob man’s glaubt oder nicht - es ist laut auf der Bühne und als Sänger muss man quasi die ganze Band übertönen. Das ist in etwa wie wenn man im Auto singt und die Musik leiser dreht, um sich zu hören. In den meisten Fällen dreht man dann ganz schnell die Musik wieder lauter, aber als Leadsänger dämpfst du über diese In-Ear-Monitore die Band ab, damit du lauter bist.

Immerhin weiss man so: er singt live. Das hätte man aber auch an den abgewandelten Versionen seiner Songs festmachen können.

Adel Tawil zeigt sich mutiger als Bastian Baker, der nur in den Graben runterging. Tawil begibt sich mitten in die Menge und schlendert singend über den Platz. Hinter ihm ein Security, der das vermutlich nicht so toll findet. Auch wenn Adel Tawil meint, der heutige Auftritt sei wohl schwer zu toppen und er würde am Heitere Openair wohl besser nichts vom Gig in Schaffhausen erzählen, war das Publikum nicht ganz so euphorisch mit am Start. Textsicher sieht jedenfalls anders aus und sie liessen Adel mehr als einmal kläglich hängen. Ja, jeder hat mal einen schlechten Tag. Und vielleicht war das bei Adel Tawil der Fall. Oder die Technik hat ihn tatsächlich im Stich gelassen und konnte während des gesamten Auftritts nicht gefixt werden. Dass es anders geht, weiss ich ja von seinen früheren Performances.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Bligg

Der Zürcher Rapper ist ein alter Hase im Showbiz. Kennen könnte man ihn seit 1995, als er auf der EP«Zürisläng Freischtiil» mitwirkte. Auf meinem Radar tauchte er erst 2007 respektive 2008, als im Radio seine Songs Volksmusigg, Rosalie und Musigg i dä Schwiiz gefühlt in Dauerschlaufe liefen. Seine erfolgreichste Singleauskopplung ist Legendä und Heldä vom Album «Bart aber herzlich», die es beide auf Platz 1 der Charts schafften und mit Platin ausgezeichnet wurden. Zwischen 2009 und 2019 wurde Bligg mit 8 Swiss Music Awards und 3 Prix Walos ausgezeichnet. Gemeinsam mit Marc Sway startete er 2020 das Projekt «Blay», das in Nummer-1-Alben «Heimspiel» und «Finale» resultierte.

Eigentlich bekamen wir die Info, er würde eine Viertelstunde später starten als vorgesehen. Auch auf der Webseite waren die Konzertzeiten für den heutigen Abend angepasst. Um sicherzugehen, entschieden wir uns, doch lieber in Bühnennähe als beim Mediencorner am anderen Ende des Herrenackers zu warten. Nachträglich war das eine sehr gute Entscheidung, denn wie ursprünglich vorgesehen ging Bligg unter Begleitung seines Videografens und der Band kurz vor 22 Uhr zum seitlichen Bühneneingang. Als er angekündigt wird, gehen wir schnurstracks in den Bühnengraben. Man könnte annehmen, die Temperaturen seien um die Zeit angenehmer, aber Pustekuchen. Auch Bligg entledigt sich seines Sakkos nach dem 3. Song, obwohl er geplant hatte, es erst in der Halbzeit seines Auftritts auszuziehen.

Er steht aber auch die ganze Zeit im Scheinwerferlicht, das zusätzlich warm gibt. Ganz im Gegensatz zu seiner Band. Die muss leider zu 99% im dunkelblauen Licht spielen. Also mehr «hören statt sehen». Das finde ich immer sehr schade, denn sie sind genauso Teil seiner Performance wie er selbst. Ich gebe also mein Bestes, um die paar wenigen Augenblicke mit hellem Licht auf den Musikern auszunutzen und ein Foto zu schiessen.  

Direkt im Anschluss an die standardmässig 3 erlaubten Songs dürfen wir auf die Terrasse bei der Migros Klubschule. Das hatte mir all die Abende gefehlt, denn Stimmungsbilder wie diese kannst du nicht vom Boden aus schiessen. Und von den Hospitalityplätzen aus wie dem VIP-Zelt oder der Sunrise Lounge fängst du nur einen Bruchteil ein. Der Herrenacker tobt und ist begeistert am Start. Das ist definitiv auch der Grund, weshalb Bligg der Headliner ist. Bligg gibt das Kompliment zurück ans Publikum. Das, was er hier grade erlebe, sei der Grund, weshalb er seit 25 Jahren Musik mache. Ah… seine Zeitrechnung beginnt 1998, als er den Rapper/Produzenten Lexx kennenlernt und gemeinsam den Sampler Chocolate, Cheese & Sounds herausgibt. 

Bligg sorgt jedenfalls für beste Stimmung auf dem Herrenacker und verschwindet mehrfach kurz von der Bühne, um sich den Schweiss abzuwischen. Doch gegen Ende seiner Performance erhalten wir die Info, er würde ein paar Songs aus einem der Fenster der umliegenden Häuser performen. Doch wo und wann schien nicht klar. Wir schnappten also unsere Kameras und stellen uns in die Seitengasse auf Höhe des Casinos. Tatsächlich, Bligg verlässt beim Seiteneingang die Bühne und verschwindet. Aber er wird sich wohl kaum durch die Menge in der Gasse schieben. Bei der Rampe für die Rollstuhlfahrenden sind heute ein paar Plätze frei und wir können uns mit perfekter Sicht auf die Fenster positionieren, in dem Bligg dann schlussendlich winkend erscheint. Er performt unter anderem die neue Single Milchstrass, die tags zuvor veröffentlicht wurde.

Nach drei Liedern verschiebt er sich wieder zurück auf die Mainstage, wo er den Rest des Sets spielt. Doch bevor er sich verabschiedet, meint er: «Mir Zürcher sind ja da ds Gascht. Mis Mami häd immer gseit, als Gascht taucht me nöd mit leere Händ uuf». Er hat Geschenke dabei und wirft ein paar Shirts in die Menge. Auch wenn sein Hinweis auf den Merch-Stand mit Goodies von sich und den anderen Bands ausserhalb des Festgeländes gut gemeint ist: ist der um 23:30 Uhr tatsächlich noch besetzt? Vielleicht, vielleicht auch nicht. Angesichts der Menge auf dem Herrenacker entscheide ich mich jedenfalls, das Gelände nicht direkt im Anschluss zu verlassen. Wir unterhalten uns noch eine Weile und um Mitternacht gratulieren wir Adrian, einer der Fotografen, zum Geburtstag. 

Und wer jetzt noch nicht nach Hause will, verschiebt sich ins Kammgarn, wo die Afterparty steigt. Das Motto von Kammgarn Late Night lautet: Hitparaden Party «Stars in Town»-Edition mit Nightrider Soundsystem. Ich für meinen Teil setze mich ins Auto und fahre nach Hause und hoffe, auch 2024 wieder Teil von Stars in Town sein zu dürfen.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

 

Eventdatum: 12.08.2023

Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Stars in Town, Schaffhausen

Veranstalter: Stars in Town

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

Schreibe einen Kommentar

Bitte achten Sie darauf, alle Felder mit einem Stern (*) auszufüllen. HTML-Code ist nicht erlaubt.

Nach oben