Metallica auf die Ohren im gutbesetzten Volkshaus
Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Stell dir vor, es läuft Metallica, alle sitzen auf ihren Plätzen und weit und breit keine Security in Sicht. Das fällt dir schwer? Dachte ich mir. Aber genau so war es, als Scream Inc. mit dem Symphonie-Orchester im Volkshaus performte.
Kurz nach 19 Uhr geht das Licht im Saal des Volkshauses aus. Das Symphonie-Orchester betritt die Bühne und die Dirigentin wedelt mit der ukrainischen Flagge. Wenn ich das korrekt verstanden habe, ist nur die Rockband Scream Inc. aus der Ukraine, aber nicht das Ensemble. Ich hatte aber ehrlich gesagt noch nie so Schwierigkeiten wie dieses Mal, meine Informationen im Internet zu verifizieren. Ausser Facebook und Youtube findet man höchstens vereinzelte Berichte über die Band, die 2008 gegründet wurde. Später haben sie sich umbenannt und wurden zu einer Metallica Tribute Band. Eine was? Im Gegensatz zu einer Cover Band, die oftmals von mehreren Künstlern Songs interpretiert, fokussiert sich eine Tribute Band auf einen Act. In diesem Fall ist das Metallica, deren Album «S&M» neu interpretiert, aber dennoch so nah wie möglich am Original sind. Sie touren seit 2018 mit einem Symphonie-Orchester und geben dem Ganzen damit einen besonderen Twist. Das heutige Konzert ist ihr erstes in der Schweiz.
Das Licht wird effektvoll auf die 18 Musiker gesetzt, die links und rechts platziert sind. Sie spielen die ersten Takte des Eröffnungssongs The Exstasy of Gold - ein Cover von Ennio Morricone. Dann betreten die 4 Bandmitglieder von Scream Inc. die Bühne. Ob ihr es glaubt oder nicht: Ich habe mich freiwillig hinter Reihe 17 beim Mischpult positioniert. Anders hätte ich nicht Musiker aufs Bild bekommen. Zwischendurch gehe ich für ein paar Fotos seitlich zum Bühnenrand vor und auf die gesperrte Galerie hoch. Denn die heutigen Regeln lauten: Es gibt keine Regeln! Ich darf das ganze Konzert lang fotografieren, von wo aus auch immer ich will.
Das Publikum bleibt auf ihren Plätzen, zwischendurch stehen ein paar auf, um Getränkenachschub zu besorgen. Aber ansonsten geht die Party effektiv sitzend ab. Ab und zu sieht man jemanden Headbangen, aber die meisten wippen wohl nur etwas mit dem linken Zeh. Eine Handvoll geniesst das Konzert dann doch lieber tanzend und wechselt hinters Mischpult. Der Frontmann von Scream Inc. kommt stimmlich recht nah ans Original ran. Bei The Unforgiven II beispielsweise würde ein ungeübter Metallicahörer wohl gar nicht merken, dass nicht James Hetfield singt. Moment: hat sich Scream Inc. nicht dem «S&M»-Album angenommen? Doch, haben sie. Aber sie performen auch The Unforgiven II, der von Metallica nie mit einem Symphonie-Orchester gespielt wurde. Alle übrigen Titel sind von der Doppel-CD, wenn auch in einer anderen Reihenfolge.
Hatten die Zuschauer Spass? Definitiv, obwohl das doch sehr verhalten gezeigt wurde und nur punktuell zum Ausdruck kam. Beispielsweise, wenn sie gebeten wurden, ihre Handylichter – oder alte Schule das Feuerzeug – anzumachen. Oder wenn sie lauthals Passagen mitsingen sollen. Lauter und lauter, bis der Leadsänger zufrieden ist. Es hat auch relativ lange gedauert, dass sie sich von den Sitzen lösten. Genauer gesagt wohl erst, als die Zugabe Nothing Else Matters angestimmt wird. Auch da getraute sich die Mehrheit noch nicht so richtig, zur Bühne vorzugehen. Irgendwann fiel mir auf, dass ich tatsächlich den ganzen Abend keine Security gesehen hatte. Und trotzdem ist niemand aus der Reihe getanzt. Ok, das ist jetzt unglücklich formuliert, denn das ist ja schlussendlich doch noch passiert. Nach Enter the Sandman verabschiedet sich das Symphony Orchester von der Bühne. Allerdings erst, als das mittlerweile traditionelle Selfie mit dem Publikum gemacht wird. Doch wer dachte, das sei es gewesen, der irrt. Denn Scream Inc. legt noch eine weitere Zugabe drauf. Sie spielten 4 zusätzliche Songs ohne Ensemble und der Bereich vor der Bühne füllt sich zunehmend mit Leuten, die zum Abschluss doch noch etwas mehr zur Musik passende Stimmung in den Saal bringen. Da ich mal wieder 10cm zu kurz bin und nicht zwischen tanzenden Menschen hindurchfotografieren wollte, schleiche ich mich für die letzten Bilder nochmal auf die Galerie hoch. Dann ist auch die zweite Zugaberunde zu Ende und ich verstaue mein Equipment mit einem zufriedenen Grinsen.
Eventdatum: 21.05.2023
Fotografin: Michelle Brügger / szenemagazin.ch
Location: Volkshaus, Zürich
Veranstalter: Death Star Production
Zuschauerzahl: unbekannt
https://szenemagazin.ch/konzert/item/1080-metallica-auf-die-ohren-im-gutbesetzten-volkshaus#sigProId9f4ec9726b
Weitere Informationen
- Fotograf/-in: Michelle Brügger
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