Die Show heute ist zu zwei Drittel verkauft. Johannes sagte noch er sei froh, dass heute mehr Gäste da sind als in München, da waren nur die Sitzplätze ausverkauft und ein paar Stehplätze. Ich hoffe, dass sie daraus lernen und lieber kleinere Hallen buchen. Wie wir ihn kennen, möchte er immer das Beste geben, ob vor 1000 oder 6000 Leuten. Man fühlt sich bei ihm aufgehoben, der gute Kumpel von nebenan, den man gerne zu Besuch hat und gute Gespräche führen kann bei einem Glas Wein. Mit seinen lustigen Sprüchen zu den Männern, ob sie Freiwillig da seien, oder mit den Fans zusammen tanzen, gehört zu seinen Merkmalen, die seine Konzerte auszeichnen. Auch mal Gefühle zeigen oder eine Träne fliessen zu lassen. Eine Show, die im Herzen und der Seele für Wohlbefinden sorgt.
Jesse Tellem sorgt mit starker Stimme für Gänsehaut-Momente!
Wir können es kaum erwarten, dass der Einlass beginnt. Es ist kalt und regnerisch. 17:30 Uhr und endlich geht es los. Doch unten angekommen sind die Türen für die Halle noch zu. Ein Alptraum, denn die Leute drängen sich um die Türe und es ist einfach nur gefährlich. Wir werden zurechtgewiesen und müssen noch ein bisschen warten. Nun endlich haben wir unsere Plätze in der ersten Reihe und können ein bisschen verschnaufen. Unsere Gruppe schaut auch immer untereinander, dass es fair ist. Dann ist es auch schon Zeit für den Support. Jesse Tellem kommt pünktlich um 19:30 Uhr auf die Bühne und beginnt mit Home. Mit seinem weissen T-Shirt und der «Prince-Kette» um den Hals und seinen leuchtend-pinken Haaren lächelt er uns verschmitzt an: «Wir sind zum ersten Mal hier in Zürich». Er erzählt uns, dass sie in Mannheim in einer WG zusammenwohnen. Im Song Out in the Cold verarbeitet er eine Trennung. Seine Stimme stark und ausdrucksvoll berührt bis ins Herz, obwohl ich die Musik nicht kenne. Mit All Good Kids Go To Hell verabschiedet er sich mit der Band und ich hoffe, wir sehen uns bald wieder.
Johannes sagt: Wir freuen uns, dass ihr so zahlreich erschienen seid!
Mit seinem neuen Album «Plan A» das letzten Herbst veröffentlicht wurde, tourt er durch Deutschland, Österreich und die Schweiz. Vor Corona waren es kleine Clubs die er bespielte und nun immer grössere Hallen. Vor ein paar Wochen war die Aufzeichnung zur zehnten Jubiläumsstaffel von «Sing mein Song» in Südafrika. Da war ein paar Tage gar nichts los, weil sich alle mit einem Magen-Darm-Virus angesteckt haben. Johannes hatte dann keine Zeit mehr, den Videodreh zur aktuellen Single Der Sonne Hinterher zu drehen wegen des Tour-Starts. So wurde aus allen Handyvideos ein Musikvideo geschnitten. TV-Tipp: Die zehnte Staffel wird ab dem 25.4.23 auf Vox zu sehen sein.
Die Bühne wurde umgebaut. Ein schwarzer Vorhang hängt über der Bühne runter. Auf den Bildschirmen rechts und links wird die Zeit überbrückt mit Hits aus den 80er und 90er im Auto, interpretiert von Johannes und Robin. Eine Kiss Cam ist aktiv und die verliebten Paare werden aufgefordert, sich zu küssen. Plötzlich wird es Dunkel, ein Lichtkreis erhellt das schwarze Tuch und Johannes Oerding begrüsst Zürich als Silhouette. Das Tuch fällt mit einem Knall der Pyrotechnik und die Bühne wird hell. Der erste Song Kaleidoskop beginnt. Die Bühne hat einen kleinen Steg nach vorne, wo wir mittig stehen. Plan A wird zum Besten gegeben und Johannes möchte, dass wir uns untereinander die Hände reichen und uns kennenlernen. Da wird es laut im Hallenstadion. Wir geben hinter uns und neben uns die Hände und stellen uns vor. Er blickt in die erste Reihe und sieht natürlich seine Fans, die von Konzert zu Konzert reisen und sagt: «Schön, dass ihr wieder da seid» und So schön wurde angestimmt. Er möchte, dass wir alle mitsingen, zuerst die Frauen, dann die Männer. Nochmal die Stehplätze, dann rechts und links unterteilt dreistimmig kam So schön zu ihm zurück auf die Bühne. Das stimmte ihn freudig und er hatte Spass an unserem Gesang. «Nun habe ich eine Frage an die Männer: Seid ihr Freiwillig hier?» und kuckt in die Runde. Oerding sieht ein Mann in der zweiten Reihe und sagt zu ihm: «Du bist sicher nicht freiwillig hier, oder?». Er zuckt nur die Schultern und stellt sich als Jörg vor. Du bekommst Freigetränke den ganzen Abend, sagt Johannes zu ihm und kuckt zu seinem Security, der das dann in die Hand nehmen muss. «Das ist die Plan A-Tour und es gibt nun ein Paar neue Songs zu hören. Ihr lächelt mich an und hört mir zu. Dann wisst ihr sicher was nun kommt und zwar Porzellan». Diese Stadt ist einsam ohne dich hat uns zutiefst berührt und wir liegen uns den Tränen nahe in den Armen.
Einmal Oper oder Schlager bitte! Und Johannes kann es.
Nun brauchten wir Auflockerung. Mein nächster Song heisst Traurig aber wahr oder in schweizerdeutsch Trurig aber wahr. Die Story handelt von einem Journalisten, der nicht gerade nett über ihn geschrieben hatte. So verarbeitete er diese Story in einen Song. Wir dürfen nun entscheiden in welcher Form er es singen soll. Wir sagten: Schlager. Ob das unser ernst sei, fragt er. Jemand ruft Oper, er: Oper? Die ersten Töne beginnen und er versuchte sich in Oper. Wir lachen uns die Bauchmuskeln wund. Unser Schlagerwunsch wird auch noch erfüllt und wir kreischen und klatschen im Takt mit. Wie wäre es noch mit ein wenig Heavy Metal? Yeah! Natürlich, und er legt los. Das gibt sehr viel Beifall. Nun verlässt er die Bühne, um zur B-Stage zu gelangen. Er verrät, dass er diesen Song eigentlich nie Live spielen wollte, da er für ihn sehr persönlich ist. Aber die Briefe und Geschichten von Fans zu diesem Song berührten ihn tief. Es geht um die Vater-Sohn-Beziehung in Eins-zu-eins-Gespräch. Meine Schwester stand bei der B-Stage und hat mir auf dem Nachhauseweg erzählt, er hätte sich Tränen abgewischt. Jetzt wird getanzt zu ein paar Klassikern wie Macarena, Relight my Fire, Tanze Samba mit mir , I Wanna Dance with Somebody. Er tanzt durchs Publikum, Händeschütteln da und ein Tanz hier und noch ein Bier mitten in der Menge. Einfach super sympathisch. Bis er wieder vor uns übers Gitter auf die Bühne zurückkehrt.

Auf der Bühne meint er, er sei jetzt 41 Jahre alt, ein oooh geht durchs Publikum. Johannes eragiert mit: «Nicht oooh, sondern Oh wirklich?» Johannes meint dann, dass es nun an der Zeit ist, nicht nur nach vorne zu blicken sondern auch mal nach hinten zu schauen, was er überhaupt geleistet habe. Hat das alles bis jetzt einen Sinn gemacht? Der nächste Song ist inspiriert von Fettes Brot mit ihrem Song Jein. Mit diesem verbindet er das erste Zelten am Dorfrand, Tagsüber durften Mädchen kommen und haben Apfelschorle mitgebracht. Er erzählt dies mit so einem verschmitzten Lachen, dass man sich denken kann, wie es da ablief. Diese schönen Geschichten bleiben mit dem Song verbunden. Ich hoffe, dass dieses Lied auch irgendwann mal schöne Erinnerungen teilt und mein Lieblingssong Schnee von gestern erklingt. Der nächste Titel ist auch ganz persönlich, wie er zu seiner Freundin Ina Müller meint, ein sehr romantischer toller Love Song Ecke Schmilinski. Ich glaube, fast alle von unserer Fan-Gruppe haben dieses Lied auf Instagram genannt, als er fragte, welcher Song am besten gefällt.
Nun haut er noch die Klassiker raus, die nicht fehlen dürfen wie Heimat, Alles Brennt, mit den Fans als Chor, An guten Tagen und Kreise. Die Bandmitglieder kommen nach vorne, verbeugen sich und winken uns tschüss. Lautes Klatschen und Zugabe-Rufe bringen Herrn Oerding wieder zurück auf die Bühne. Er fragt Jörg: «Es war nicht so schlimm oder?» Dieser verneinte. Wir sollen doch beim nächsten Mal allen davon erzählen, dass es ihn gibt und er komme natürlich regelmässig in die Schweiz. Das wird mit lautstarkem Applaus belohnt. Der nächste Song ist Ich will noch nicht nach Hause. Wir auch nicht und singen natürlich mit. Leider hat auch dieses Fest ein Ende und Für immer ab jetzt ist der letzte Titel. Wie hätten wir gerne, dass die Zeit stehenbleibt. Auf der Leinwand wird noch «Vielen Dank für alles, was bisher war» eingeblendet. Ich verabschiede mich und suche meine Schwester und Kollegin, um die Heimreise anzutreten. Am 16.7 ist der nächste Schweizer Termin am Moon and Stars in Locarno.
Eventdatum: 01.04.2023
Bericht: Cornelia Ambauen
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Hallenstadion, Zürich
Veranstalter: act Entertainment
Zuschauerzahl: unbekannt
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