Die Geschichte der Kelly Family
Andrea Schüpbach / szenemagazin.ch
Es gibt sie schon über 40 Jahre, die Kelly Family. Letzten Samstag war ich an ihrem Konzert im Hallenstadion. Da ich ein grosser Fan von ihnen bin, erzähle ich euch in einem separaten Bericht ein wenig über sie.
Wie alles begann
Als der Antiquitätenhandel von Papa Dan 1975 ins Stocken geriet, hat ein befreundeter Medizinstudent die Familie in sein Haus in Ejea de los Caballeros/Spanien eingeladen, um ihnen etwas zurückgeben zu können, nachdem sie ihm in Galmonal sehr geholfen haben. So entstand dann die erste Band The Kelly Kinds bestehend aus Caroline (Akkordeon), Paul (Saxophon), Kathy (Geige), John (Trommel) und der befreundeten Maribel (Gitarre). So tingelten sie durch die Strassen und von Stadtfest zu Stadtfest. Sie hatten dann auch ihren ersten TV-Auftritt in einer Kindersendung. Der Vater war ein Weltenbummler und konnte nicht lange an einem Ort sein. Dadurch sind auch grosse und wichtige Freundschaften entstanden. Wie Thomas Christian, der von Kathys Geigenspiel zu Tränen gerührt war. Er lädt die ganze Familie zu sich nach Wien ein, damit Kathy Geige studieren kann.
In Wien hat auch eine grosse Freundschaft mit Bernhard Paul begonnen, dem Gründer des Zirkus Roncalli, die bis heute mit den Kellys. Sie haben dann für Roncalli ein gemeinsames Programm entwickelt, in dem die Kellys die zentrale Hauptrolle spielten. Die Kellys haben Bernhard dabei unterstützt, den Zirkus aufrecht zu erhalten. 1977 reisten die Kellys nach München und verbrachten dort einen Sommer. Papa Dan möchte seinen Kindern die irischen Wurzeln zeigen und so reisten sie nach Shankill, in einem Vorort von Dublin, wo sie ein Jahr lang in einem Wohnwagen auf dem Campingplatz lebten. Da wurde auch Michael Patrick Kelly geboren.
Die ersten Aufnahmen
Die erste MC mit dem Titel «Kelly Family Tours Europe» dort aufgenommen, die sie an den Strassenkonzerten verkauften. Absolute Rarität bis heute. Sie haben mit Hilfe eines Dubliner Polizisten den Doppeldeckerbus gekauft. An der Seite wurde er beschrieben und bemalt mit «Kelly Family» und vorne mit dem Spruch «The World’s Their Castle». So reisten sie wieder nach Deutschland, wo es auch die ersten Plattenverträge mit Polydor gab. Die erste Single Danny Boy/Agur Jaunak wurde Ende 1978 veröffentlicht, 1979 folgte die erste LP «The Kelly Family» und sie wurden in diverse Fernsehshows eingeladen.
Für die Single Woh`ll Come With Me(Davids Song) entsteht dann der erste Videoclips in Österreich am Wilden Kaiser auf der «Stangelwirt-Alm». Und Barbara Ann Kelly hält die frischgeborenen Maite Kelly im Arm. Das war die erste Erfolgssingle, die in den Niederlanden auf Platz 1 kletterte und sich 12 Wochen in den Charts hält. In Belgien erreicht sie Platz 3 und in Deutschland Platz 15. Sie lebten knapp ein halbes Jahr in Volendam in den Niederlanden. Ein weiteres Album «Ein Vogel kann im Käfig nicht fliegen» wurde noch bei Polydor veröffentlicht. Sie wurden immer mehr in eine Ecke gedrängt, sodass Papa Dan die Zusammenarbeit mit Polydor beendete.
1980 waren sie zum ersten Mal in der Bravo wegen einem Leserbrief. Nun führte sie ihre Reise nach Belascoàin in Spanien. Dort haben sie eine aufwendige Dokumentation gedreht, die dann aber erst im Jahre 1995 veröffentlicht wurde. «Searching For The Magic Golden Harp» zeigt wie sie leben, musizieren und ihre Kinder selber unterrichten. Sie reisten wieder ohne Caroline und den ältesten Sohn Danny, mit dem Ziel, in Irland zu überwintern. Aber der Bus streikte in der Nähe der französischen Grenze bei Freiburg in Breisgau. Sie bekamen eine Unterkunft im schönen Schwarzwald. Dort haben sie im Winter für Zirkus Nock ein Programm aus «Weihnachtslieder International» gespielt. Anfangs April 1981 gaben sie ein Abschiedskonzert mit 1300 Zuschauern und verkünden ein weiteres Kind und dass sie den Schwarzwald wieder verlassen.
Der Schicksalsschlag
Bei einer Vorsorgeuntersuchung wurde bei Barbara-Ann Brustkrebs diagnostiziert. Daraufhin gingen sie zurück nach Belascoiàin. Angelo Kelly wurde per Kaiserschnitt am 23.12.1981 in Pamplona geboren. Auf Barbaras Wunsch nehmen die Kellys ein Video zu ihrer Weihnachts-LP auf. Die Aufnahmen entstehen 2 Wochen vor ihrem Tod am 10.11.1982. Mit 36 Jahren ein schwerer Schicksalsschlag für die ganze Familie. Ihre letzten Worte waren: «Keep on singing». Das Video kam aber erst 1993 als «Christmas All Year» in den Verkauf.
Kathy übernimmt die Mutterrolle von den kleinsten Kindern, während Papa Dan die schwere Trauerzeit mit Alkohol verarbeitet. So reisten sie im Frühjahr nach Paris, wo sie 3 Jahre in einem Hotel in der obersten Etage lebten. Sie finanzierten ihren Lebensunterhalt mit Strassenmusik und selbstproduzierten Musikkassetten. Eddie Barclay, ein erfolgreicher französischer Plattenboss, hat mit ihnen die Single une Famille Cest Une Chanson und das gleichnamige Album dazu aufgenommen. Überwiegend sind die gleichen Tracks drauf wie beim Album «What A Wonderful World», das 1981 veröffentlicht wurde.
Paul Kelly begann in Paris eine Ausbildung als Koch, lernte seine grosse Liebe kennen und stieg deshalb aus der Kelly Family aus. Erst 2005 kam er zurück zur Band. Papa Dan ist die Freiheit sehr wichtig. Da die französischen Behörden auf die Familie aufmerksam wurde und wegen der gesetzlichen Schulpflicht Druck macht, packen sie alles zusammen und verlassen Paris. Sie reisen durch die USA zum Onkel und der Familie von Papa Dan. Sie hatten auch da viele Auftritte und kehrten 1987 wieder zurück nach Deutschland. Nach einigen Strassenkonzerten konnten sie sich ein eigenes Veranstaltungszelt kaufen, in dem sie mehrheitlich im Ruhrgebiet spielten. Ihr Traum war es, in einer Halle aufzutreten. Sie malten ihre Eintrittskarten selber und verkauften sie nach den Konzerten. Im Mai 1988 spielten sie zuerst in der Grugahalle und im Juni in der Düsseldorfer Philipshalle. Die CD und Video-Kassette von der Aufzeichnung gab es dann Ende 1988 zu kaufen. In Amsterdam haben sie das berühmte Hausboot «Sean O’Kelley» gekauft. Und das nächste Album widmeten sie ihrer verstorbenen Mutter und nannten es «Keep On Singing».
Die Reise geht weiter
An einem Stadtfest haben sie Hartmund Pfannmüller kennengelernt. Papa Dan hat ihm seine Vorstellung des nächsten Albums anvertraut. Dan erleidet in Juni einen schweren Schlaganfall und verbringt 3 Monate kaum ansprechbar im Krankenhaus. Die Kellys arbeiten an den Aufnahmen weiter und stellen das Album «New World» fertig. Die Arbeit wird fortgesetzt und ein Jahr später veröffentlichen sie «Honest Worker», ein Album mit zunehmend eigenen Kompositionen der Kellys. 1992 verlassen sie Amsterdam und ankern wegen eines Motorschadens in Köln am Müllheimer Hafen. Hier bleiben sie ganze 7 Jahre. Die Kellys reisen 2 Jahre durch ganz Deutschland, geben Strassenkonzerte und das Album «Street Live» entsteht. Zum Teil geben sie 3 Konzerte am Tag und das Publikum wächst von Tag zu Tag. Die Zeitschrift Bravo bringt 1993 den ersten Artikelüber sie: «The Kelly Family, Eine Band wie keine!».
Das Album «Wow» ist das erste mit ausschliesslich eigenen Kompositionen. 1994 dann endlich der grosse Durchbruch. Sie reisen wieder nach Irland und nehmen schöne Bilder auf, die dann das Albumcover «Over The Hump» zieren. Das Album wurde in Europa über 4,5 Millionen Mal verkauft. Top 1 in Österreich, Deutschland und der Schweiz. Sie erreichen damit vierfach Platin. Im Mai hatten sie die Dortmunder Westfallenhalle für mehrere Tage ausverkauft: jeden Tag 15000 Besucher. Auch Papa Dan war zum ersten Mal wieder auf der Bühne. An Angel kletterte auf Platz 2 in der Deutschen Single Charts und hielt sich 27 Wochen in den Top 100. In der Schweiz treten sie am legendären Rock Festival «Out in The Green» auf. Steven Tyler von Aerosmith war begeistert von ihnen.
Tschüss Zirkuszelt, hallo Halle
Dann war die Zeit gekommen, um in Hallen zu spielen und Stadien zu füllen. Das Zirkuszelt reichte nicht mehr aus. Es wurde sogar von Fans gestürmt, die keine Tickets hatten und musste von der Polizei geräumt werden. Sie waren in dieser Zeit in jeder Fernsehsendung zu Gast. Ich erinnere mich noch gut daran, wie meine Mutter die Krise bekam, wenn wir schon wieder Gottschalk ansehen mussten. Deshalb hat sie einen kleinen Fernseher gekauft, ihn in mein Schlafzimmer gestellt und dort konnte ich dann alleine kucken. Ganze 2 Jahre später 1996 kam das Album «Almost Heaven» raus, auch wieder ein Nummer eins Hit.
Ende 1996 kam der Soundtrack vom Disney Film «Der Glöckner von Notre Dame». Den Film habe ich sicher 20 Mal im Kino gesehen - nur wegen dem Video der Kellys, das zuletzt kam. Sie haben den Titel in Deutsch und in einer spanischen Fassung aufgenommen. 1997 mit dem Album «Growin Up» war verhaltener, zwar auf Platz 1, aber man merkt wie der Druck gross auf den Schultern der Kellys lastet. Jimmy zeigt sich bei der Josè Carreras-Gala erstmals mit kurzen Haaren und ist teilweise bei Auftritten nicht mehr dabei. Dafür aber Cousin Adam, der eigentlich mit seinem Vater als «Adam O Henry» unterwegs war.
Vom Hotel mit dem Hausboot in Richtung Schloss
Mitte 1998 werden sie Schlossbesitzer. Die Wasserburg Schloss Gymnich kommt bei einer Zwangsversteigerung in ihren Besitz. In Südfrankreich arbeiten sie 6 Monate am Album «From Their Hearts». Auf Schloss Gymnich drehen sie die Video-Clips für die Doppelsingle Hooks und Oh,It Hurts. Kathy Kelly war die erste der Familie, die ein Solo-Projekt anstrebt und Ende 1998 «The Best Of Kathy Kelly» veröffentlicht und sich von der Familie zurückzieht. Im Oktober 1999 hat der Vater seinen zweiten Schlaganfall. Ich weiss noch, wir waren gerade da, als der Krankenwagen kam. Wir haben Blumen und Karten zur Genesung im Spital abgegeben.
Dann wurde es ruhiger um die Familie, jeder geht seinen Weg, heiraten, bekommen Kinder. Maite hat ihr Platz beim Schlager gefunden und ist sehr erfolgreich. Michael Patrick Kelly hat sich in den letzten 5 Jahren auch einen Platz geschaffen und sich weiterentwickelt. Patricia ist auch Solo auf Tour. Und besonders freue ich mich auf Jimmy Kelly mit seiner Street Orchestra Tour. Klein, aber fein. Joey macht mehrheitlich Vorlesungen über Sport und seine Bücher oder macht wieder ein Experiment, das manchmal wirklich extrem ist - mit nichts Essen in der Wildnis, irgendwo allein und verlassen.
Die Geschichte der Kellys ist damit noch nicht zu Ende. Ich werde diese Familie weiter im Auge behalten und freue mich auf alle Solo-Konzerte, die noch folgen werden.
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