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Revanche aus Sicht der Mercenaries klar misslungen

Revanche aus Sicht der Mercenaries klar misslungen Nils Blattner / szenemagazin.ch

Im Juli in Wien konnten die Schweizer noch mithalten, im August in Kriens hatten sie keine Chance. Hatten die vielen Verletzungen einen Einfluss?

Die Helvetic Mercenaries kommen nicht so richtig zur Ruhe. Mitte Juli, wenige Tage nachdem sie sich von ihrem bisherigen Head-Coach trennten, konnte die Schweizer ELF-Vertretung in Wien noch mit den Vikings mithalten. Da stand es am Schluss 40:49 aus Sicht der Mercenaries. Seither werden sie vor allem durch Verletzungen in der Offense geplagt. Mit dem Quarterback Carlton Aiken und dem Wide Receiver Anthony Brown sind gleich zwei Schlüsselspieler im Angriff ausgefallen. Ersetzt werden sie durch zwei neu angeheuerte Spieler. Aiken wird durch #19 DeAndre Clayton ersetzt, Brown durch #9 Terryon Robinson. In dieser neuen Zusammensetzung treten sie nun im Krienser Heimstadion gegen die bisher ungeschlagenen Wikinger an.

Die gewinnen den Coin-Toss und wählen die first half option, möchten also mit dem Ball starten. Mit einem guten Return durch #13 Coleman stehen die Gäste gleich zu beginn gut da. Nach zwei Laufspielzügen und einem Running-Back Dump steht es zugleich «dritter Versuch und kurz». Aber die Wiener bleiben mit dem Angriff auf dem Feld und wollen den Fuss nicht vom Gas nehmen. Die Situation ist auch dem Publikum klar, sie werden laut. Unterstützt von zahlreichen Tröten. Und siehe da, es scheint zu klappen, die Vikings kommen nur knapp bis zur line of scrimmage zurück und geben den Ball ab. Die Gastgeber versuchen sich im Passspiel und verpassen, wenn auch einmal nur um Haaresbreite, den Ballfänger jedes Mal. Obwohl bei einem langen Pass der Vikings fast die #3 Webb III der Schweizer dazwischenkommt, beginnen sich die Wiener diesmal langsam zu bewegen. Der abwechslungsreiche Drive wird durch ein paar Flaggen unterbrochen, vor allem das «unnecessary roughness» war aus Sicht der Mercenaries ungeschickt. Weil sie den Vikings Quarterback #3 Holmes etwas hart aus dem Feld raus drängen, stehen die Gäste direkt kurz vor der Redzone. Mit je 5 Yards für einen Lauf, einem Pass und einer neutral zone infraction stehen die Vikings nun bei first and goal. Nach zwei unvollständigen Pässen auf #18 Touré kommt der dritte Pass auf den Full-Back #47 Schönet zum ersten Touchdown an: 0:7. Die Schweizer schaffen umgekehrt dank einem 8-Yard-Pass auf #88 Gfeller ihr erstes first down, um danach gleich wieder stecken zu bleiben. Zum Glück für die Mercenaries passiert nicht noch der Super-GAU, sie entgehen knapp einer Interception. Und so können sie dank einem riesigen Punt die Wiener kurz vor ihrer eigenen Endzone festsetzen. Mit mehreren Läufen geradeaus durch #24 Parjanen verschaffen sich die Vikings aber rasch etwas Platz und mit einem 20-Yard-Pass auf #17 Horn gleich darauf richtig Vorwärtsbewegung. Beim nächsten Spielzug fliegt dann direkt zu Beginn eine Flagge und, weil sich die Schiedsrichter nicht sicher sind, wird der Videobeweis an der Seitenlinie konsultiert. Die zusätzlichen 5 Yards gegen die Mercenaries sind Tropfen im Vergleich zu der Bewegung der Vikings. Sie wechseln weiter zwischen Inside Zone-Läufen mit der #24 und Pässen auf #17. Zum Abschluss kann der Wiener Quarterback knapp aus einem fast sicheren Sack ausweichen, wirft tief über 40 Yards in die Endzone. Touchdown #17 Horn zum 0:13, der point after touchdown geht daneben.

Dank einem zu kurzen Kick-Off können die Mercenaries an der eigenen 40-Yard-Linie starten und zeigen einen halbwegs runden Drive. Kurze Laufspiele mit #28 Gygax oder dem QB selbst wechseln sich ab mit einem Running-Back Screen. In der Vikings-Platzhälfte gerät der Drive aber nach einem Missverständnis zwischen Quarterback und seinem Receiver ins Stocken. Nach dem Punt und Touchback läuft die Maschinerie der Vikings wieder an. Diesmal können die Verteidigung der Mercenaries aber gegenhalten. Nach etwas initialem Raumgewinn unterbinden sie zwei Pässe, klauen sich fast den Ball und halten den Runningback an der line of scrimmage. Jetzt zeigen die Schweizer, was sie eigentlich könnten. Mit zwei Pässen für je 20 Yards auf #9 Robinson und #88 Gfeller kommen sie in die gegnerische Hälfte. Bei einem Running-Back Screen verlieren sie dann Raum. Aber, weil der Tackle etwas unsauber war, kommen sie trotzdem dank Face Mask an ein neues erstes down. Am äusseren Rand der Redzone bleiben sie dann aber stecken und entscheiden sich zum Field Goal. Das sollte eine sichere Sache sein, könnte man meinen. Ein Viking ist da anderer Meinung und schafft es, den Kick zu blocken, es bleibt beim 0:13. Umgekehrt kann der Wiener Quarterback mit zwei 10-Yard-Pässen auf #14 Schütz den Ball zurück zur Mittellinie bringen. Und da steht dann das Mercenaries Backfield stabil, sie forcieren #3 Holmes zu kurzen Läufen. Beim vierten Versuch und einem Yard kann sich #24 Pajarinen durch die erste Linie durchtanken, weitere Tackles brechen und wird erst an der gegnerischen 10-Yard-Linie aus dem Feld gedrängt. Die letzten Yards darf dann erneut die #24 mit einem Sprung nach vorne zum Touchdown überbrücken, 0:19. Aufgrund des vorher verpatzten PAT entscheiden sich die Gäste zur two point conversion. In der ELF startet die an der 15-Yard-Linie, ein Pass auf #17 Horn kommt an zum 0:21. Nach diesem langen Drive bleiben noch acht Sekunden vor der Halbzeit. Aufgrund des hohen Risikos entscheiden sich die Mercenaries dazu, die Uhr auslaufen zu lassen. 

 

Bild: Nils Blattner (szenemagazin.ch)

Die zweite Halbzeit startet mit dem Pass-Spiel der Mercenaries. Mit dem Mix aus kurzen Pässen und den Beinen des Quarterbacks kommen sie aber nur knapp über die Mittellinie, bevor ein paar harte Tackles in einem vierten Versuch resultieren. Der Punt von #85 Stirnimann ist etwas zu lange, #32 Wirz kann aber mit einem beherzten Sprung den Ball noch aus der Endzone heraushalten und an der 2-Yard-Linie ins Aus werfen. Den folgenden Drive der Gäste könnte man vereinfacht mit #24 Pajarinen zusammenfassen: Mit einem Lauf holt er etwas Platz, um gleich danach mit einem Running-Back Dump bis zur Mittellinie zu kommen. Von da aus kann er bei einem Inside Run die erste Linie durchbrechen, bei der zweiten Ebene hat er dann Hilfe von seinen Kollegen: Touchdown zum 0:28. Die Mercenaries Offense hat dem wenig entgegenzuhalten und wird zu einem three and out gehalten. Zu diesem Zeitpunkt ist ein Sieg für die Mercenaries unwahrscheinlich, um nicht sogar unmöglich zu sagen. Der Vikings-Angriff setzt aber noch einen drauf. Der tiefe Pass auf #18 Touré ist perfekt geworfen, er fängt den Ball im vollen Lauf ausgestreckt. Der Verteidiger ist zwar nur einen Schritt dahinter, kann aber nichts mehr ausrichten. Es steht nun 0:35. Trotz einem Personal Foul gegen die Vikings kriegt die Offense der Schweizer nichts gebacken. Dreimal fällt der Ball zu Boden, einmal ist die Vikings #13 Coleman fast dazwischen. Der Haupt-Running-Back der Vikings darf sich nun etwas ausruhen, Laufspielzüge mit #20 Liedlbauer wechseln sich mit kurzen Pässen ab.

Den Abschluss im letzten Quarter macht ein Boot Pass von der 2-Yard-Linie aus. Der Quarterback droht einem Lauf an, um einen touch Pass auf #89 Bierbaumer zu werfen: 0:42. Von unwahrscheinlich, zu unmöglich, zu «was zum Henker?». Nachdem ein tiefer Pass fast vom Wiener #13 Coleman abgefangen wird, kann er gleich im nächsten Spielzug einen Pass unterlaufen, fängt den Ball und wird vom Quarterback der Mercenaries erst in der Redzone getackelt. Die Gäste lassen sich nicht zweimal bitten und werfen auf #15 Frey zum 0:49. Die Mercenaries kommen auch jetzt auf keinen grünen Zweig, nach einem Sack und zwei fallengelassenen Pässen müssen sie Punten. Nun sind auf der Seite der Gäste nur noch Backups auf dem Feld. Nach einem 20-Yard-Lauf kann die Schweizer Verteidigung zumindest halten. Die Stimmung im Stadion ist trotz dem Score nicht ganz im Keller. Und endlich gibt es auch etwas zu feiern: Dank einem Team-Effort von Running-Back und Receivers kommen die Mercenaries bis zur Mittellinie. Und dank einem roughing the passer noch etwas weiter. Dort läuft sich der Karren aber fest und die Field Goal Unit kommt aufs Feld zum 3:49. Ob es am Bier liegt oder dem Seltenheitswert, das Publikum meldet sich nun wieder vehement zu Wort. Die letzten Sekunden lassen die Vikings zu guter Letzt souverän auslaufen.

Dass der Score am Schluss so krass ausfiel, war vielleicht nicht verdient. Aber die Vikings waren heute klar die bessere Mannschaft, auf jeder Position. Vor allem die Offense der Mercenaries konnte gar nicht mithalten. Das liegt sicher an den Verletzungen der Schlüsselspieler, aber nicht nur. Das Laufspiel kam nie richtig in Gang, um das Backfield zu öffnen. Das verpasste Field Goal war zwar unschön, ins Gewicht gefallen ist es nicht. Schön aber auf jeden Fall, dass die Stimmung mit den Trostpunkten auf einer hohen Note endet. Die Vikings sind mit ihren 11 Siegen schon jetzt sicher in den Playoffs, die Mercenaries mit nur einem dagegen definitiv nicht.

 

 

Helvetic Mercenaries vs. Vienna Vikings: 3:49 (0:7)

Details zum Spiel: EFL

Eventdatum: 03.08.2024

Fotograf:  Nils Blattner / szenemagazin.ch

Location:  Sportzentrum Kleinfeld, Kriens

Veranstalter: Helvetic Mercenaries

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Publiziert in Sport