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Das Zürichsee-Derby: anders als erwartet. Oder doch nicht?

Das Zürichsee-Derby: anders als erwartet. Oder doch nicht? Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Eigentlich hätte man von einem klaren Sieg des Stadtzürcher Clubs ausgehen können. Oder eben genau nicht, weil der ZSC bei weniger starken Gegnern bekannt dafür ist, nicht sein volles Potential aufs Eis zu bringen. So auch heute, als davon eine gehörige Portion in der Kabine zurückgelassen wird.

Es ist Sonntagnachmittag, ein Lions Kids Game. Heute ist wieder eins der sogenannten Hochrisikospiele… viel Polizeiaufgebot, ausgerüstet mit Helm, Schild und Schlagstock. Gerade als wir vom Parkplatz in Richtung ausverkaufte SwissLife Arena schlendern, wird die Strasse für den Fanzug abgesperrt. Von Weitem sehen wir rote Fackeln in Rauchschwaden. Mit einem kurzen Seitenblick werde ich gefragt: «Sind das eusi?». Ich ziehe meine Kapuze hoch, verneine und legen einen Zahn zu. Nun… schwarzer Hoodie, genervter Blick könnte den falschen Eindruck erwecken. Aber ich habe meinen ZSC-Plämpel um, zwei Erwachsene und zwei Kids im Schlepptau. Wir werden seitlich an der Absperrwand durchgeschleust, wo sich unsere Wege kurz trennen. Ich gehe zum Medienbereich, sie zum Zuschauereingang und drinnen treffen wir uns bei den oberen Foodcourts wieder.

Ich dachte, heute könnte ich die Fansektoren mal zu Beginn von oben fotografieren. Andere Perspektive bei ausverkauftem Haus. Es gibt jedoch weder eine Choreo noch Fähnchen oder ähnliches für die kleinen Zuschauer. Das erstaunt mich etwas, denn am letzten Kids-Game (an einem Samstagabend) gab’s tolle Mützen. Wäre so etwas nicht geeigneter gewesen an einem Sonntagsspiel? Meinen kleinen Neffen ist das egal, die beobachten das Treiben in der Halle, die sich zusehends füllt. Als beide Mannschaften fürs Aufwärmen aufs Eis kommen, schauen sie gebannt zu. Noch ein paar Erinnerungsbilder mit dem Handy schiessen bevor es losgeht. Dann steigen sie die Treppen hoch – ihre Sitze sind in der zweitletzten Reihe unter dem Dach. Ich für meinen Teil gehe zur untersten Ebene ans Eis.

An der Bande witzeln wir, ob es heute einen oder zwei Durchgänge gäbe beim Penaltyschiessen. Ja, wir kennen unsere Pappenheimer. Die Partie gegen die Lakers wird heute vermutlich wieder auf die leichte Schulter genommen, statt Druck auf die Kufen zu legen. Es gibt nicht viele Gelegenheiten für Fotos, in der ersten Hälfte des Startdrittels. Gerade als ich mir überlege, ob ich nicht doch vielleicht auf die andere Seite wechseln sollte, fällt nach 10 Minuten der erste Treffer. Nicklas Jensen ergattert den Puck im eigenen Bereich an der blauen Linie und zieht im Alleingang auf Simon Hrubec los.

Im zweiten Drittel verpassen die Lions im Powerplay den Anschlusstreffer, Jesper Frödén kann aber kurz nach Ablauf der Strafe in der 26. Minute ausgleichen. Es folgt gleich nochmal eine Überzahlsituation, doch auch dieses verstreicht ergebnislos. Bei einem Unterbruch läuft das zum Standardrepertoire gehörende «Im Huus» von Radio 200000. Verpasste Chance, eine passende Passage zu spielen. Denn im Song kommt auch «Isch d Pfnüselküschte im Huus» vor. Auf den Rängen singt man zwischendurch: «Ihr werded nie Europameischter» und spielen damit auf das Ausscheiden der Lakers in der Champions Hockey League an. Immerhin waren sie dieses Jahr dabei, lieber Limmatblock.

In der 50. Minute steht es noch immer 1:1 und ich überlege mir, ob ich tatsächlich auf Höhe des Gasttors stehen will oder zum ZSC-Kasten wechseln soll. Gerade ist nämlich eine Strafe gegen Juho Lammikko ausgesprochen worden und die Rapperswiler haben Melvin Nyffeler auf die gegenüberliegende Bank geholt. Ob’s jetzt kachelt? Pustekuchen. Aber Martin Frk schiesst exakt 4 Minuten vor Ende ein wunderbares Tor. Spätestens jetzt merkt man wieder die «hoppla, wir sollten vielleicht doch noch etwas Gas geben»-Manier auf Seiten der Gastgeber. Und wie immer artet das in Unkonzentriertheit und Hektik aus. Nicht zwingend das beste Rezept, um den Puck im Netz unterzubringen. Allerdings macht das heute keinen grossen Unterschied zum Rest der Partie, denn so viele verpatzte Pässe, drucklose Schüsse und Stolperer habe ich tatsächlich schon länger nicht mehr gesehen.

Als dann 2 Minuten vor der Schluss doch noch der Ausgleichstreffer fällt, jubelt das Gros des Stadions. Es kommt noch zu ein oder zwei brenzligen Situationen vor dem Zürcher Tor, aber man kann wenigstens einen Punkt retten. Wohlgemerkt in einer Partie des Tabellenführers gegen den Zweitletzten. Die Verlängerung ist zur Hälfte durch, so wirklich grossen Chancen gab’s keine. Eine alte Weisheit besagt: «Für den Sieg braucht man nur einen Treffer mehr als der Gegner». Das war auch dieses Mal so, als Tyler Moy den Sack zumacht und für die SC Rapperswil-Jona Lakers zum 2:3 einnetzt.

Draussen standen die Uniformierten schon bereit, die Fans durften das Gelände nur auf Seiten des Bahnhofs verlassen. Wir haben uns deshalb auf unterschiedlichen Wegen zum Auto aufgemacht. Schlussendlich wollten wir genau dann vom Parkplatz fahren, als die Polizei selbigen absperrt. Der Fanzug komme jetzt hier vorbei. Sie lassen uns aber auf die andere Seite wegfahren und müssen so nicht 15 Minuten warten, bis wir uns auf den Heimweg machen können. Mein Fazit: an einem Tag, an dem viele Familien mit Kindern an einem Spiel sind, sollte man vielleicht nicht unbedingt eine der zwei «Hochrisikopartien» einplanen. Es ist nur Sport, weshalb man sich deswegen potenziell mit gegnerischen Fans die Köpfe einschlagen muss, werde ich nie verstehen. Und man sollte nicht mit der Angst zu einer Veranstaltung gehen müssen, dass man mit seinem Nachwuchs aus Versehen in einer Schlägerei oder Tränengaswolke endet.

 

 

 

ZSC Lions vs. SC Rapperswil-Jona Lakers: 2:3 n.V. (0:1 | 1:0 | 1:1 | 0:1)

Schüsse aufs Tor: 23:22 (9:10 | 8:5 | 6:4 | 0:3)

Details zum Spiel: Gamecenter SIHF

Aufstellung: TeamRoster

  

Eventdatum: 07.01.2024

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  SwissLife Arena, Zürich

Veranstalter: SIHF

Zuschauerzahl: 12000 (ausverkauft)

 

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Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Sport