Den Gedanken hat der eine oder andere schon seit ein paar Spielen gehabt und zum Teil auch geäussert, der Trainer ist fehl am Platz und muss gewechselt werden. Dann kam am 19.11.2023 die Meldung, dass der Vertrag mit Gerry Flemming aufgelöst wird. Für ihn übernimmt Larry Mitchell, der aktuell auch noch als Sportchef agiert. Sehen wir hier gerade ein gutes Omen? Der EHC Kloten gewinnt das Anspiel. Die ersten fünf Minuten gehen jedoch an Fribourg-Gottéron. Mehrheitlich befinden sie sich im Klotener Drittel. Dann sehen wir ein erstes gefährliches Aufblitzen des Gastgebers. #89 Dominik Diem fährt hinter dem Tor durch und passt auf #11 Keanu Derungs, welcher direkt abzieht. Fribourgs #39 Bryan Rüegger sieht dies aber kommen und kann den Puck blocken. Die ersten 10 Minuten sind durch und wir haben noch nichts Weltbewegendes gesehen - abgesehen von Dominiks Schuss - wohlgemerkt von beiden Teams. Wenn Kloten es schafft, sich mal aus den Fesseln der Gäste zu befreien, dann kann es sehr schnell gehen und man steht vor dem Fribourger Tor. Die Unparteiischen zeigen eine Strafe an. Ich hätte schwören können, nach dem was ich gesehen habe, dass diese gegen den EHC ausgesprochen wird und verschiebe mich schon zum anderen Eingang rüber. Dort angekommen, hmmm die Strafe leuchtet bei den Gästen, also wieder retour, denn es könnte ja sein, dass man am Powerplay gearbeitet hat. Die Betonung liegt bei könnte. Aber nach 36 Sekunden dann ein weiterer Pfiff, denn #88 Dario Meyer hat seine Stockschaufel im Gesicht eines Gegenspielers parkiert. Zuerst heisst es fünf Minuten, doch dies wird dann zu einer zwei plus zwei Minuten-Strafe geändert. Fribourg-Gottéron macht kurzen Prozess und nach 20 Sekunden heisst es 0:1 nach dem Schuss von #32 Lucas Wallmark. Danach kommt bei mir kurz ein komisches Gefühl auf, denn die erste der beiden Strafen wird nicht gelöscht. Auf die Saison 23/24 hin wurde vom SIHF hier die Regel angepasst. Die Regeländerung wurde eingeführt, um das Spiel fairer zu machen. Im nun folgenden Boxplay, ja vorhin spielte man vier gegen vier, erhöht #9 Marcus Sörensen den Score zum 0:2, was trotz zwei folgenden Powerplays für Kloten das Pausenresultat bleibt. Auch die doppelte Überzahl während 47 Sekunden ändert daran nichts.
Das Mitteldrittel beginnt in etwa so, wie das letzte geendet hat. Beide Teams schenken sich nichts, aber Fribourg-Gottéron ist doch etwas stärker unterwegs. In der 26. Minute geht es dann Schlag auf Schlag. Aus dem eigenen Drittel heraus mit drei Pässen zum Tor. #41 Leonardo Profico sieht den sich schon beinahe an der blauen Linie befindenden Dominik Diem und bedient ihn mit einem superlangen Passspiel. Weiter geht die Scheibe zu #29 Niko Ojamäki, welcher den optimal stehenden #71 Michael Loosli sieht und den Puck an ihn weitergibt. Dieser geht tief in die Hocke und mit einer Direktabnahme befördert er die Scheibe ins Netz. Dieser Anschlusstreffer ist viel wert. Zeigt es doch den Klotenern, dass ihr heutiger Gegner bezwingbar ist. Es kommt nun zu einer unschönen Situation an der Bande hinter Rüegger. Ein Klotener wird unsanft in die Umrandung befördert und es wird, so wie ich es gesehen habe, sogar noch mit dem Knie nachgeholfen. Abpfeifen? Warum auch, das Spiel läuft gerade so schön, macht weiter! Nur wenige Augenblicke später rutscht ein Fribourger in die Bande hinter #55 Juha Metsola und Dario Meyer streichelt ihn dann noch kurz. Was er zu ihm sagt, können wir «zum Glück» nicht hören. Doch aber hallo? Der Arm des Schiedsrichters geht in die Luft. Ebenso zeitgleich auf der Spielerbank hinter mir die Spieler und Trainer. Alle reklamieren, dass dieses Bisschen gepfiffen wird und das von vorhin nicht. Auch hier gab es dann ein Videostudium, weil man eine Fünfer aussprechen wollte. Es bleibt aber bei einer Zweier. Die Stimmung ist nun gereizt und vor dem Klotener Tor kommt es etwas später zu einer Keilerei. Gleich an zwei Stellen werden Nettigkeiten ausgetauscht. Der EHC Kloten erwacht langsam und zeigt mehr Kampflust. Aber die eine gewisse Sache haben sie immer noch nicht im Griff. Ihr fragt euch was? Genau, das Powerplay. Zu einem solchen kommt es, als sich #71 Killian Mottet in der 29. Minute für Beinstellen zu #95 Jacob De la Rose in die Kühlbox gesellt. Fribourg-Gottéron kann in der 34. Minute den zwei Tore-Abstand wiederherstellen, nach dem Tor von Marcus Sörensen. Bis zum Ende des Drittels bleibt es dann aber bei den Versuchen, die Scheibe ins Netz zu spedieren. Der EHC Kloten hat seine Torschusszahl im Gegensatz zum ersten Drittel mehr als verdreifacht. Gut, das ist auch nicht schwer, wenn man im ersten Spielabschnitt gerade mal drei zählende Torschüsse hat.
Was Larry Mitchel zu seinen Spielern in der zweiten Pause gesagt hat, zeigt Wirkung. Die Klotener kommen zurück aufs Eis und zeigen noch mehr Leistung als im Mitteldrittel. So fallen in den letzten 20 Minuten ganze vier Tore für den EHC. Die beiden Strafen für jeweils hohen Stock überstehen sie auch ohne grössere Probleme. Nach dem 2:3 habe ich einen Seitenwechsel gemacht und bin in den Eingang unter den Logen gegangen. Währenddessen habe ich so gedacht, wenn der EHC Kloten «nur» mit 2:3 verlieren sollte, dann wäre das zwar immer noch schlecht, aber definitiv besser als in anderen Spielen. Insbesondere, da ja Fribourg die Tabelle anführt. Kaum bin ich an meinem Ziel angekommen, kriege ich meinen Finger kaum mehr vom Auslöser weg, während ich das Ausgleichstor von Derungs auf den Sensor banne. Irgendwie hat Larry da etwas getriggert und ich sehe wieder mehr Biss bei den Spielern. Besonders fällt mir #10 Jonathan Ang auf, der die letzten paar Einsätze eher neben den Schuhen lief. Er ist dann dafür der Game Winning Goal Schütze, dies kurz nachdem er von der Strafbank wieder aufs Eis zurückgekehrt ist. #28 Axel Simic’s 5:3 ist dann noch das Sahnehäubchen, oder wohl eher der Todesstoss für die Gäste. Dennoch schmieden sie Pläne während ihres Timeouts und behalten den Torhüter auf der Bank. Juha Metsola lässt aber kein weiteres Durchkommen der Scheibe zu.
So kann der neue Trainer Larry Mitchell mit seiner Mannschaft den ersten Sieg nach den letzten paar Niederlagen feiern. Fribourg-Gottéron muss seine Tabellenführung an Zug abgeben, welche zu Hause den HC Davos 3:1 besiegt haben. An ihren Fersen befinden sich die ZSC Lions, mit nur einem Punkt, aber gleichzeitig auch drei Spielen weniger. Da sieht es aktuell für den EHC noch etwas düsterer aus, aber das kann, beziehungsweise soll sich ja jetzt ändern. Hoffen wir mal. Beweisen können sie sich am Samstag beim Auswärtsspiel in Davos. Das nächste Heimspiel wird dann am Dienstag, 28.11.23 gegen den Genève-Servette HC ausgetragen.
EHC Kloten vs. Fribourg-Gottéron: 5:3 (0:2 | 1:1 | 4:0)
Schüsse aufs Tor: 21:33 (3:10 | 10:11 | 8:12)
Details zum Spiel: Gamecenter SIHF
Aufstellung: TeamRoster
Eventdatum: 24.11.2023
Fotograf: Marcel Kaul / szenemagazin.ch
Location: Stimo Arena
Veranstalter: EHC Kloten
Zuschauerzahl: 5533
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