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Endlich wieder auf gewohntem Boden spielen

Endlich wieder auf gewohntem Boden spielen Marcel Kaul /. szenemagazin.ch

Für die Zurich State Spartans startet die neue Saison mit einem Heimspiel gegen die Lugano Rebels. Die letzte Begegnung der beiden Kontrahenten ging an die damalige Heimmannschaft mit 48:23 in einem durchnässten Game.

Es ist Sonntagnachmittag und ich darf wieder an der Seitenlinie stehen. Wir sind zurück im Dürrbach Wangen. Die Baustelle ausserhalb der Laufbahn ist noch nicht fertig und die nächste kündigt sich an, denn die Sportanlage wird massiv erweitert. Das Wetter zeigt sich heute von einer besseren Seite als noch die letzten paar Tage. Coach Frank rechnet aber scheinbar mit Regen, denn er trägt seine Regenhosen. Die Spartans haben diverse Wechsel zu verzeichnen. Einige spielen diese Saison in einer anderen Mannschaft, unter anderem auch bei den Helvetic Guards, andere müssen einen gesundheitlichen Kampf austragen. Dort gehen nur die besten Genesungswünsche hin. Auch im Coaching gab es eine Veränderung und wir begrüssen Florian Schaad an der Seitenlinie.

Vor Spielbeginn das übliche Treffen: Handshake der Captains und der Münzwurf. Die Gastgeber haben das Glück auf ihrer Seite und gewinnen diesen. Sie entscheiden sich für die Second Half und werden das Spiel mit ihrem Kick starten. Der Football fliegt, landet in der Endzone und wird durch das Gitter am Weiterrollen gehindert. Der erste Drive der Rebels sieht nicht schlecht aus, ein Wurf bringt sie bis an die 40 Yard-Linie. Doch bereits im 2nd werden sie von den Gastgebern ausgebremst. Diese können das Spiel immer wieder ausbremsen und die Rebels Yard für Yard zurückdrängen. Für die Zurich State Spartans läuft es im ersten Drive besser. Philipp Gartmann, oder Garti wie sie ihn nennen, ist der erste, der das Ei in die Endzone trägt. Auch das anschliessende Fieldgoal sitzt und die Tafel zeigt 7:0 an. Bei 2nd and 12 für die Rebels lässt der Quarterback seine Muskeln kurz aufblitzen. Etwas zu stark, denn er überwirft den Wide Receiver und der Ball landet im Aus. Die erste gelbe Flagge geht an die Defense der Spartans und sie müssen sich fünf Yards weiter hinten wieder aufbauen. Der zweite Drive der Gastgeber läuft nicht so rund. Beim 4th sind es gefühlt noch 20 Yards, die sie überwinden müssen. Im Gegenzug kommen auch die Gäste nicht auf Touren und müssen den Ball erneut abgeben. Ihr Kick landet knapp hinter der 40 Yard-Linie der Spartans. Nun häufen sich die Strafen gegen die Rebels. Zuerst führt die 5 Yard-Strafe dazu, dass die Gastgeber ein neues First Down erhalten. Daraufhin sehen die Schiedsrichter ein Facemask und bestrafen die Tessiner mit einer 15 Yard-Strafe. Kurz danach kommt es nach Ablauf des ersten Viertels zum ersten Seitenwechsel. Oh Mann, ich bin immer noch im Eishockey-Modus. Mein Diktiergerät hat mehrfach «Drittel» statt «Viertel» gehört.

Die Platzherren sind immer noch im Angriff und eine weiter Strafe gegen die inzwischen etwas nervös wirkenden Rebels bescheren ihnen weitere 5 Yards nach vorne.  Die #40, Davide De Lucia versucht sich durchzutanken, doch er bleibt an den kräftigen Herren der Verteidigung hängen. So entscheiden sich die Spartans für ihren ersten Fieldgoalversuch für weitere Punkte. Der Kick sitzt und erhöht die Anzeige auf 10:0. Nun kommen die Gäste ein erstes Mal näher als 30 Yards an die Goal Line ran. Doch ihre steigende Nervosität verursacht einen Fehlstart, welcher dazu führt, dass sie wieder 5 Yards zurück auf die 30 Yard-Linie müssen. Ein weiter Wurf des QBs in die Endzone, würde auch ankommen, wenn die Defense der Spartans nicht aufgepasst hätten. Sie können stören und somit kommt der Pass nicht an. Sie müssen den Angriff mit dem Kick wieder abgeben. De Lucia bekommt gefühlt an der eigenen 30 Yard-Linie das Ei und rennt los, als ob er von einer Horde wildgewordener Stiere verfolgt würde. Niemand kann ihn aufhalten, erst in der Endzone stoppt er seinen Lauf. Das anschliessend erfolgreiche Fieldgoal passt und wir schreiben 17:0 auf die Punktetafel. Für einmal kommen die Rebels in Fahrt und sie gelangen wieder bis an die gegnerische 30er-Linie. Die 82 der Gäste sieht schon die Goal Line vor sich, doch Kuku Köchli bremst ihn aus und so fehlen ihnen nun nur noch 4 Yards. Der QB Andrea Bazzurri sieht eine Lücke, schlängelt sich irgendwie durch die Defensive Line und schreibt die ersten Punkte für die Gäste. Die Punktetafel muss nach dem erfolgreichen Kick durch die Stangen auf 17:7 angepasst werden. Es sind noch etwas mehr als zwei Minuten auf der Spieluhr, ob jetzt noch viel passiert? So wie im Eishockey reichen auch im American Football theoretisch wenige Sekunden, um einen Touchdown zu erzielen. Dies zeigt uns Garti mit seinem Lauf bis an die 20 Yard-Linie. Der nächste Drive passt dann nicht mehr richtig und bei 4th and nine bauen sich die Gastgeber für einen Fieldgoalversuch und mögliche drei Punkte auf. Der Kick ist tief, extrem tief. Er touchiert die Latte und springt gerade noch so rüber. Die Rebels scheinen durchgeschüttelt zu sein. Ihre nächste Angriffsphase läuft alles andere als rund und sie müssen 34 Sekunden vor Halbzeit nach dem Kick wieder die Defensive Line rausschicken. Doch auch die Spartans können nichts mehr reissen und gehen mit der 20:7-Führung in die Pause.

Bild: Marcel Kaul (szenemagazin.ch) 

 

Während der Pause unterhalte ich mich mit einem der abtrünnigen Spieler, der zu den Guards wechselte. Sie werden ihr erstes Spiel anfangs Juni auswärts in Barcelona haben. Am 11. Juni empfangen sie dann für das erste Heimspiel die Tirol Raiders. Für mich kein unbekanntes Team, habe ich sie doch schon gegen die Broncos spielen sehen. Wir werden voraussichtlich beim ersten Heimspiel der Guards auch dabei sein. Unter den geschätzt nicht ganz 200 Zuschauern befindet sich auch der neue Besitzer der Helvetic Guards. Ob er als Scout hier ist, um weiter Spieler abzuwerben?

Die Gäste eröffnen mit ihrem Kick die zweite Halbzeit. Finn Waterholter ergattert den Spielball und läuft, bis er kurz vor der 35 Yard-Linie gebremst wird. Doch leider verlaufen die weiteren Spielzüge nicht ganz so wie geplant und die Spartans sehen sich einem 3rd und geschätzten 25 entgegen. Ein weiter Wurf vom QB kommt nicht am gewünschten Ziel an und kullert ungefangen aus dem Spielfeld. Ein Personal Foul gegen die Gäste bringt die Spartans wieder an die 38 Yard-Linie. Die Kampfmaschine, äh #40, bricht durch und sorgt für ein neues First Down. Ein Fumble bringt die Tessiner wieder zum Angriffsrecht. Ein weiter Wurf bringt das Ei an die Endzone ran und wird auch in diese hineingetragen, doch wir haben eine Flagge auf dem Feld. Im Eishockey wären die Schiedsrichter jetzt im 10-minütigen Videostudium versunken, doch hier wird kurz die Meinung von allen angehört und dann entschieden. Der Touchdown zählt, so wie auch das darauffolgende Fieldgoal, dieses auch mit viel Glück und einem Pfostenabpraller. Die Tafel wird angepasst und zeigt nun 20:14 an. Die Spartans lehnen eine kommende Strafe gegen die Rebels ab, da ihnen diese weniger Yards einbringen würde, als sie sich soeben erlaufen haben. Aber auch die Gastgeber können Frühstarts. Somit haben sie im aktuellen Run wieder geschätzt acht Yards im dritten Versuch. Da dieser nicht erfolgreich ist, wird im vierten Versuch nun gekickt und sie geben den Angriff ab. Ein bemerkenswert weiter Wurf lässt das Herz der italienisch-sprechenden Fans kurz ansteigen. Ebenfalls ansteigen tut Silvan Frank der Spartans. Er springt höher als sein Gegenüber und er kann den Ball abwehren. Doch die Schiedsrichter sehen hierin eine Pass Interference. Das dritte Viertel ist durch und wir haben den letzten Seitenwechsel.

Mit dem Kick der Rebels kommen die Spartans wieder in Angriff. Wieder ist Garti der Passempfänger und er ist «unstoppable». Von gefühlt der eigenen 10 Yard-Linie aus sprintet er über das ganze Feld und verbucht einen weiteren Touchdown. Nun versuchen sie eine Two Point Conversion, doch diese misslingt ihnen und somit bleibt es bei 25:14. Die Home Defense zeigt einmal mehr ihr Können und blockt, wo es nur geht. Wieder kommt es zu einem Luftkampf und diesmal ist Nicola Gall der Sieger. Seine Interception bringt den Gastgebern das Angriffsrecht zurück. Aber auch die Offensive Line zeichnet sich aus. Jetzt möchte Finn Waterholter nochmals auf sich aufmerksam machen, mit seinem Lauf bis in die Endzone und weiteren sechs Punkten. Die Tiefe des Fieldgoalversuches toppt alles. Knapp einen Meter über dem Boden fliegt er quer durch die Spieler. Beim nächsten Angriffsspiel der Rebels erfahren wir, dass an der Seitenlinie stehen gefährlich sein kann. Coach Frank bekommt einen Tritt, der sehr schmerzhaft aussieht und ist. Für einen kurzen Moment hat sich seine Stimmlage um eine Oktave erhöht. Genau das ist auch der Grund, wieso ich immer beide Augen offen habe, wenn ich fotografiere. Ich kann meine Augen quasi wie separat ansteuern und so immer auch einen Blick auf den Rest des Feldes werfen. Den Gästen geht langsam der Saft aus. Es bildet sich ein grösseres Knäuel. Die Defense der Spartans haben mehr Power und schieben die Angreifer zurück. Drei Minuten vor Spielende bekommen die Sanitäter noch Arbeit. Kuku Köchli verletzt sich am Fuss und muss das Feld gestützt verlassen. Trotz des sich anzeichnenden Verlustes sind die Tessiner Spieler immer noch freundlich gestimmt. So kann ich beobachten, wie der Rebels Spieler seinem Gegner nach einen Takle wieder auf die Beine hilft und ihm zum guten Spielzug gratuliert. In den letzten Sekunden käme es noch beinahe zu einem weiteren heimischen Touchdown. Dieser wird aber aufgrund einer Strafe in den eigenen Reihen aberkannt. So bleibt es beim 32:14 Sieg für die Zurich State Spartans. Sie können sich erfolgreich revanchieren und somit hoffentlich das verregnete Spiel in Lugano wieder vergessen. Apropos Regen: Es gab trotz den zum Teil schwarzen Wolken keinen einzigen Tropfen, dafür einen Sonnenbrand.

Am Sonntag 16. April empfangen die Spartans die Niederbipp Ducks. Ob sie wieder gegen die Berner Enten gewinnen können, wird sich zeigen.

 

 

 

Zurich State Spartans vs. Lugano Rebels:  32:14 (4:2) 

Mehr Infos im Gamecenter des SAFV.

 

Eventdatum: 02.04.2023

Fotograf:  Marcel Kaul / szenemagazin.ch

Location:  Sportanlage Dürrbach, Wangen

Veranstalter: Zurich State Spartans

Zuschauerzahl: ca 150-200

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Marcel Kaul
Publiziert in Sport

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