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Rock the Ring 2022: Tag 3

Rock the Ring 2022: Tag 3 Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Am letzten Tag des diesjährigen Festivals werden die 6000 Besucher wie schon an den Tagen zuvor aufgefordert, sich einzucrèmen und genügend zu trinken. Aufgrund der hohen Temperaturen senken die Veranstalter im Laufe des Abends sogar die Preise für Mineralwasser.

Es ist Samstag und die erste Band wird bereits 16:30 Uhr auf der Bühne stehen. Zu der Zeit ist der Hitze-Höhepunkt noch nicht erreicht und wir haben wegen des Sonnenstandes noch etwas Schatten vor der Stage. In all den Jahren Rock The Ring hat es mindestens an einem Tag geregnet, wenn auch nur kurz. Aber so wie es aussieht, scheinen nicht nur die B-Stage und PC-7-Flugshow dem Budget zum Opfer gefallen zu sein. Verständlich, die Ausfälle muss man erst mal wieder wettmachen. Dennoch ist es schade, die B-Stage bot lokalen und noch eher unbekannten Musikern eine Plattform. Vielleicht nächstes Jahr, hiess es. Das hänge natürlich von vielen Faktoren ab.

Ob dann eventuell nächstes Jahr auch ein paar Frauenbands oder Bands mit Frontfrau angefragt werden? Für dieses Jahr konnte man in den Medien lesen, die grossen weiblichen Acts seien zu teuer oder seien nicht verfügbar gewesen. Ein anderer Grund sei, man habe die Zusagen von 2020 übernehmen müssen. Das bedeutet wiederum, auch vor 2 Jahren hätten wir zwar viele lange Haare fliegen sehen, aber nicht auf weiblichen Köpfen. Versteht mich nicht falsch. Mich kann man vieles nennen, aber sicher keine verbissene Feministin – das merkt man vermutlich auch an meinen Berichten, die keine genderneutralen Formulierungen enthalten. In meiner Welt dürfen sich in meinen Texten alle angesprochen fühlen. Es fällt einfach auf, wenn in den drei Tagen gerade mal zwei Frauen auftreten: die Bassistin Emi Meyer (Storage) und die Gitarristin Nita Strauss (Alice Coooper). Verkaufen sich demnach die männlichen Bands unter Wert oder bieten sich zu günstig an? Wir hätten da ein paar Vorschläge - sprichwörtlich aus dem Rockbereich: Seraina Telli mit ihrem Soloprojekt, Back:N:Black, Doro, Beyond the Black, Halestorm, The Pretty Reckless oder McQueen?

Doch zurück zum diesjährigen Lineup. Der heutige Opener Dirty Honey hätte den Auftritt beinahe ungewollt platzen lassen müssen. Weshalb? Ganz einfach: Frontmann Marc LaBelle erzählte auf Instagram, er sei wegen eines ausstehenden Strafzettels nach der Einreise im Hotel verhaftet worden und habe die Nacht in einer Zelle verbracht. Auf mich wirkt er nicht wie ein «Bad Boy», darum kaufe ich ihm die Story mal ab, er habe nichts von der 3 Jahre alten Busse für die Geschwindigkeitsübertretung mit seinem Motorrad gewusst. Nun… bei einem Mietbike wäre die Busse über die Kreditkarte abgebucht worden. Ob das nun ein PR-Gag ist oder nicht: ich musste grinsen und es machte ihn noch sympathischer, als er eh schon rüberkommt. Dirty Honey spielen rund eine Stunde ihren locker-flockigen Sound, während ich rumstudiere, an welchen Künstler mich die Stimme ihres Leadsängers erinnert. Wer kann mir da helfen? Dem ein oder anderen fällt später auf, dass sie sich die folgenden Acts vom Publikum aus rechts von der Bühne ansehen.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach einem kurzen Umbau stehen die Heavy-Metal-Jungs von Accept in den Startlöchern. Diese Band scheint eine on-off-Beziehung zu führen. Seit 1971 haben sie sich vier Mal aufgelöst, drei Mal wieder zusammengefunden. Keines der Gründungsmitglieder ist noch dabei, aber Gitarrist Wolf Hoffmann ist seit 1976 mit Abstand am längsten bei Accept. Die Stimme von Mark Tornillo bezeichne ich als «typische Rockstimme der 90er». Weshalb? Weil ich manchmal den Eindruck habe, dass in der Zeit alle denselben Sing-Stil hatten und sie meiner Meinung nach die Stimme verstellen, um sie so klingen zu lassen. Das wäre mal eine spannende Blind Audition, wenn verschiedene Sänger Lieder von einer anderen Band performen würden. Aber heute ist es keine Blind Audition und das ist gut so. Wer allerdings dachte, sie spielen bis 19:15 Uhr, hat sich auf das Lineup auf der Webseite verlassen. Als sie sich eine Viertelstunde vorher verabschieden, sehe ich im Medienbereich einige die Stirn runzeln. War es ihnen zu heiss? Verschieben sich die nachfolgenden Acts jetzt nach vorne? «Nein», hiess es. Aber als wir dann Max Gemperle und Livia auf der Bühne hören, bricht bei uns Fotografen kurz Hektik aus. Schnell noch ein, zwei Schlucke des kalten Getränks nehmen, Ausrüstung umwerfen und ab in den Graben.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Black Label Society wollen wir natürlich nicht verpassen. Schon gar nicht bei so einer hohen Bühne und Zakk Wylde im Schottenrock. Spaaaaass. Der Mann weiss, wie man mit dem luftigen Outfit umgeht und keine ungewollten Blicke zulässt. Ich kann euch also die Frage nicht beantworten, die später jemand neben mir im Publikum stellte: «Hat er was drunter?». Was ich beantworten kann: er hat definitiv was drauf. Er und seine ganze Band. Nebst diversen Gitarrenwechseln wird auch schon mal hinter dem Kopf gespielt. Power pur, die Bock macht.

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Bei Alice Cooper sind wir wieder im Zeitplan. Der Aufbau seines fulminanten Bühnenbilds nimmt etwas mehr Zeit in Anspruch. Als wir im Pit stehen, wird da noch ein Skelett in eine Tonne gestopft, dort Licht in einem Totenkopf montiert und das Podest mit Stoff eingekleidet. Details, die den Unterschied machen. Dann wird ein Vorhang heruntergelassen und wir sehen nicht mehr, was bis zum Beginn hinter den Kulissen geschieht. Die eindrückliche Inszenierung seiner Musik hat was von einem Musical. Der 74-Jährige bietet viel für Aug und Ohr. Seine Ehefrau Sheryl Goddard, mit der er seit 1976 verheiratet ist, ist Teil der Performance. Und natürlich freuen sich viele auch auf Nita Strauss, die sowohl musikalisch als auch optisch einiges hergibt. Bei seinen allseits bekannten Hits singt der ganze Platz mit. Natürlich kennt auch jeder Pink Floyds Lied «The Wall», das er bei «School’s Out» einbindet. Ich könnte noch länger zusehen, aber nach 90 Minuten müssen wir Abschied nehmen.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Der Golden Circle ist beinahe leer, als wir Fotografen wieder in den Graben gehen. Auf der Bühne wird das aufwändige Set noch immer abgebaut, Scheinwerfer werden abmontiert, Backdrops hochgezogen und anschliessend noch ein Soundcheck gemacht. Hätte ich vorher gewusst, dass wir noch 40 Minuten auf Storace warten müssen, wäre ich kurz ausgetreten. Immerhin: Golden Circle und Platz hat sich wieder gefüllt, das Publikum hat sich wohl doch nur mit Getränken und Essen versorgt. Marc Storace ist Frontsänger der Schweizer Band Krokus, wandelt aber seit 2021 auch wieder auf Solopfaden. Dennoch sind in seiner heutigen Setlist auch Songs von Krokus, kündigt dies aber auch jeweils an.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Mit den letzten Tönen von Storace wird auch das Ende der Liveauftritte am Rock The Ring eingeläutet. Wer noch Energie hat, kann bis 2 Uhr morgens an der Aftershow feiern. Im Medienbereich herrscht Aufbruchsstimmung. Die einen werde ich sicher bald an einem anderen Konzert wiedersehen, andere wohl erst am nächsten Rock The Ring. Von meiner Seite möchte ich auch Céline ein riesen Kränzchen winden. Sie und ihre Crew haben uns in den vergangenen 3 Tagen auf unkomplizierte, professionelle Art das Leben erleichtert.

 

 

 

Eventdatum: 18.06.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  TCS-Kreisel, Hinwil

Veranstalter: Rock The Ring

Zuschauerzahl: 6000

 

 

 

 

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