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Rock the Ring 2022: Tag 2

Rock the Ring 2022: Tag 2 Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Das Wochenende wird eingeläutet. Bei strahlendblauem Himmel und hohen Temperaturen zieht es 6000 Besucher in den Hinwiler TCS-Kreisel. Das entspricht den Erwartungen, auch wenn Platz für 10'000 Personen wäre. Dennoch ist man aufgrund der Umstände seitens Veranstalter mit der Zahl zufrieden.  

Es ist noch heisser als am Tag zuvor. Im Medienbereich misst das Team des Zürcher Oberländers satte 51 Grad auf dem Asphalt. Ich schiesse ein Stossgebet gen Himmel, dass wir nicht länger als geplant vor der schwarzen Bühne in der Sonne stehen. Natürlich bin ich froh, dass es nicht kalt ist. Aber zu warm liegt mir auch nicht so.

Als erste Band steht heute Ugly Kid Joe auf dem Programm, deren Name das Antonym von Pretty Boy Floyd ist und nur für einen Auftritt gedacht war. Sie behielten den Namen jedoch bei. Die Kalifornier durchliefen einige Änderungen und trennten sich sogar von 1997 bis 2010. Zum ersten Mal habe ich die Band 2018 im Dynamo erlebt und wäre es nach Whitfield Crane gegangen, hätten mich seine Blicke damals ermorden sollen. Weshalb? Weil es ein Missverständnis gab und wir Fotografen gar nicht in den Graben gedurft hätten. Während des ersten Songs wurden wir deshalb alle von der Security rauskomplimentiert und durften nur vom Saal aus (theoretisch einen Schritt weiter weg als zuvor) fotografieren. Aber heute ist die Bühne um ein Vielfaches höher, der Abstand zwischen uns und ihm grösser und vielleicht ist er auch etwas entspannter als vor vier Jahren.  Da heute 5 Bands auftreten, haben sie nur einen 45-minütigen Slot. Genau wie gestern scheint ein Grossteil der erwarteten Besucher noch nicht vor Ort zu sein und der Golden Circle ist beinahe leer. Das ist etwas unschön für die Opener, hält Ugly Kid Joe aber nicht davon ab, eine gute Show abzuliefern.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Die Bühne wird umgebaut für Night Ranger, die ebenfalls von der kalifornischen Küste stammen. Wenn ich mir die gestrigen und heutigen Bandgeschichten so anschaue, scheint es inzwischen zum guten Ton zu hören, sich zu trennen und wieder zusammenzufinden. Spannend. Noch spannender ist es, wenn – wie bei Morcheeba – der Leadgesang eine Zeit lang aussteigt. Jack Blades kam erst 5 Jahre nach der Wiedervereinigung zurück zu Night Ranger. Nie von ihnen gehört? Zumindest Kinder der 80er-Jahre können sich noch an den Film «Pretty in Pink» oder «Das Geheimnis meines Erfolgs» erinnern, zu dem die Band beim Soundtrack beitrug. Am heutigen Tag stehen sie mit einem breiten Grinsen auf der Bühne und geniessen ihren Auftritt sichtlich. Inzwischen hat sich das Gelände etwas gefüllt, die Band wird abgefeiert.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Auch die dritte Band pausierte für einige Jahre, nachdem Gavin Rossdale seinem Soloprojekt nachging. Obwohl Bush aus den UK stammen, schafften es 3 ihrer insgesamt 8 Alben nicht in die heimischen Charts. Inzwischen scheinen alle Besucher angekommen zu sein, der Golden Circle ist voll und in den anderen Bereichen sind deutlich mehr Leute als vorher. Der Auftritt ist mit viel Humor gespickt und mir gefällt ihr Musikstil.  Ich schlendere während ihres Auftritts etwas auf dem Gelände herum. Nebst Verpflegungs- und Non-Food-Ständen ist Nahe des Eingangs eine Wasserinstallation, die Abkühlung bringt. Oder dazu verleitet, ein Regenshooting zu veranstalten. Bei den Temperaturen wird aber keiner vor Kälte schlottern, wenn die Bilder und Videos im Kasten sind.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Dann ist es schon wieder Zeit für den nächsten Auftritt. Auch wenn sie die einzigen sind, die uns einen Fotovertrag unter die Nase halten und ich die Bilder nur gerade für diesen Bericht verwenden darf: bei Foreigner breche ich meine Prinzipien und unterschreibe. Ihre Alben «Inside Information» und «4» sind in meinem Kinderzimmer in Endlosschlaufe gelaufen. Auch wenn Lou Gramm nicht mehr Leadsanger der Band ist, fühle ich mich schon beim ersten Ton in meine Teenagerzeit zurückversetzt. Und jetzt weiss ich auch, wer der blonde Lockenkopf ist, der beim vorherigen Auftritt vom Backstage-Bereich her zugesehen hatte: Bruce Watson. Er ist nicht der einzige, der mit einem breiten Grinsen auf der Bühne steht. Kelly Hansen und Jeff Pilson wirbeln mit viel Energie über die Bühne und alle werden mir später bei der Bildauswahl eine harte Zeit geben. Selbstverständlich sehe ich mir auch ihren restlichen Auftritt an und tausche ein paar Erinnerungen mit den anderen Fotografen aus. Im Laufe des Abends hat es recht abgekühlt und wider Erwarten hätte ich mein Hoody übergezogen, wenn das nicht zu Hause geblieben wäre.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Scheinbar kommt Mundart-Rock nicht überall gut an. Jedenfalls hat es deutlich weniger Zuschauer beim letzten Act des Abends. Für mich absolut unverständlich. Ja, es ist kurz vor Mitternacht, aber es ist ein Freitag. Das wär dann mit Abstand die schlechteste Ausrede, warum man früher heimging. Freunde - es ist Wochenende, ihr habt für das Ticket bezahlt. Obendrauf ist es auch noch eine Schweizer Band! Unterstützt doch unsere eigenen Musiker nächstes Mal etwas mehr. Das fänd ich flott. Diejenigen, die bis zum Schluss blieben, haben mindestens genauso viel Spass gehabt und die positive Energie gespürt wie die Band selbst. 

Auch wenn Thomas Graf schon länger in der Musikbranche unterwegs ist, die aktuelle Band Megawatt wurde Ende 2019 gegründet. Sie wollten 2020 nach der Veröffentlichung ihres ersten Albums «Megawatt» mit Gotthard auf Tour gehen. Wie so vielen anderen wurde ihnen ein Strich durch die Rechnung gemacht. Nebst einer goldenen Schallplatte für ihr Debutalbum wurden sie mit dem Swiss Music Award in der Kategorie «Best Breaking Act» ausgezeichnet und ihr zweites Album erreichte sogar Platz eins. Es hielt sich aber nur 6 Wochen in den CH-Charts. Ich für meinen Teil mag Grafs Stimme sehr und die Geschichten hinter den Songs haben mehr Tiefgang als manch andere.

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Nach 45 Minuten beenden sie ihr Set und wer will, kann noch bis 2 Uhr an der Aftershow weiterfeiern. Am dritten und letzten Tag geht es eine Stunde früher los und dem Wetterbericht zufolge soll es noch heisser werden als heute.

 

 

 

 

Eventdatum: 17.06.2022

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  TCS-Kreisel, Hinwil

Veranstalter: Rock The Ring

Zuschauerzahl: 6000

 

 

 

Publiziert in Konzert

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