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Zucchero weckt Erinnerungen

Zucchero weckt Erinnerungen Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Ein Konzert von Zucchero ist ein wenig wie Urlaub in Italien. Und das beginnt schon ausserhalb des Hallenstadions, wo für diesen Abend die Landessprache des Künstlers vorherrscht. 

Nachdem Rammstein das szenemagazin Anfang der Woche nicht dabeihaben wollte, gebe ich heute mein Debut als Konzert-Berichterstatter. An diesem verregneten Sonntag frage ich mich, wieso ich mich für das Zucchero Konzert gemeldet habe. Die einzigen Lieder, die ich noch aus meiner Kindheit kenne, sind «Baila» und «Senza una Donna». Seither hatte ich wenige Berührungspunkte mit dem Rocker aus Italien. Ich fahre also mit dem Auto nach Oerlikon und höre währenddessen noch in sein neustes Album «D.O.C.» rein, damit ich neben den beiden Klassiker hoffentlich noch ein bis zwei andere Lieder im Ohr habe. Es stellt sich heraus, dass ich doch einige Alben verpasst habe.

Beim Messeparkhaus angekommen, fühle ich mich gleich wie in Italien: Ich bin mit meinen 1.8m nicht mehr eher der Kleine, die Hemden sind etwas grosszügiger offen und die Hauptsprache ist Italienisch. So werde ich beim Anstehen für das Prepaid-Parkticket auch einfach auf italienisch gefragt, wieso so viele Leute anstehen. Zurückgeworfen in meine Kindheit und die Sommerferien im Süden freue ich mich nun auf das Konzert und begebe mich zum Hallenstadion, das ich in der Vergangenheit vor allem als Eishockey-Fan besucht habe. Im Stadion nehme ich ausgestattet mit Burger, Pommes und Eistee (ein bisschen Eishockey-Feeling muss sein) meinen Platz ein und schaue in die Menge, bevor das Konzert startet. Diese ist bunt gemischt: von Familien mit kleinen Kindern, über Paare und Frauengruppen jeglichen Alters, bis hin zu Nonnas, die ihren Landsmann endlich auf der Bühne in Zürich sehen wollen.

Kurz nach 20 Uhr betritt Zucchero mit einer 10-köpfigen Band die Bühne und legt sogleich los. Bereits mit dem zweiten Song – Soul Mama aus dem neuen Album – bringt er das Publikum in Fahrt. Il Mare Impetuoso schliesst sich im gleichen rockigen Stil an und einige Zuschauer hält es schon nicht mehr auf ihren Stühlen. Sie stehen, tanzen und werfen ihre Arme in die Höhe. Zucchero scheint sein Publikum gut zu kennen und lässt es nach drei peppigen Songs mit Sarebbe Questo Il Mondo sanft angehen. Die Klavierklänge lassen das Publikum verstummen und auf seine Plätze zurücksinken. Erst als die letzten Töne des Klaviers verklingen, verfallen die Zuschauer in lautes Klatschen. Bisher haben mich Zucchero und seine Band nicht enttäuscht, doch ich warte noch auf mein Highlight. Zwischendurch ertappe ich mich aber immer wieder, wie ich mich über die Leute ärgere, die das gesamte Konzert mit Handylicht filmen müssen. Die Qualität der Videos ist bestimmt fraglich und die Nachbarn freuen sich sicherlich nicht über den Scheinwerfer in ihren Gesichtern.

 

Bild: Michelle Brügger (szenemagazin.ch)

 

Die Zusammenstellung der Songs ist bisher wunderbar. Rockig folgt auf ruhig und gefühlvoll und so geht es nach sechs Liedern wieder lauter zu und her. Partigiano Reggiano reisst die gesamte Halle mit und am Ende des Songs steht die Mehrheit des vordersten Sektors und fiebert mit ihrem Star mit. Dieser ist hingegen eher statisch und begnügt sich, mit den Händen zu gestikulieren. Vielleicht braucht er noch etwas Zeit oder muss mehr Energie aus den hinteren Reihen spüren. Ich beobachte aber immer wieder, wie Zucchero zu seiner vermeintlichen Gitarre greifen möchte, die aber nur zu ausgewählten Songs um seinen Hals hängt.

Pene markiert das Ende des ersten Konzertdrittels (ihr merkt, ich fühle mich im Eishockey wohler). Das Lied und die visuelle Untermalung mit ineinander verschwimmenden Bildern und grellen Farben erinnern mich an einen Drogentrip im Wilden Westen und versetzt das Publikum in Trance. Nach diesem kuriosen Intermezzo begeistert die Backup-Sängerin aus Kamerun mit ihrer Stimme und sorgt für Gänsehaut, als sie mit Zucchero Facile im Duett singt. Bei Vedo Nero steht bereits die ganze Halle und das Schlagzeugsolo bringt das Publikum in Ekstase. Das ist perfekte Planung durch Zucchero, denn als nächstes kommt der Knüller Baila. Das Publikum ist begeistert. Zum ersten Mal interagiert Zucchero mit dem Publikum und dieses singt lauthals mit.

Der tolle Mix von Songs geht weiter und Zucchero gönnt sich wie auch den Zuschauern eine Verschnaufpause. Bei Cosi’ Celeste gehen die Handylichter an und wippen rhythmisch im Takt. Nach drei Liedern fürs Herz reisst L’Urlo das Publikum wieder von den Sitzen und jetzt kommt selbst Zucchero in Fahrt. Er tänzelt über die Bühne und wirbelt mit den Armen. Miserere ist der letzte Song vor einer kurzen Pause und wird zu einer Hommage an Luciano Pavarotti. Der verstorbene Opernsänger wird auf dem Bildschirm gezeigt und per Playback dazugeschaltet.

Das Publikum quittiert das Lied mit einer Standing Ovation und schallendem Applaus. Zucchero bedankt sich bei seinem ehemaligen Kollegen und dem Publikum, dass zwei lange Jahre auf ihn gewartet hatte. Die Schweiz sei das erste Land nach Italien, das er seit 1985 liebe. Bevor er sich für kurzes Auffrischen verabschiedet, stellt er seine Bandmitglieder einzeln vor. Diese übernehmen für zwei Songs und spielen Staying Alive und Honky Tonk Blues Train. Nach der Pause spielt Zucchero nochmals einige Klassiker und setzt mit Diavolo in Me den vermeintlichen Schlusspunkt. Das Publikum fordert lautstark eine Zugabe, die es in Form von Senza una Donna bekommt.

 

 

 

Eventdatum: 05.06.2022

Journalist: Dario Stähelin / szenemagazin.ch

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion, Zürich

Veranstalter: Gadget abc Entertainment Group AG 

 

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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