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Cher - Here we go again

Cher - Here we go again Marcel Kaul / kaulphotographs.com

Cher, die unsterbliche Pop Ikone tritt im Hallenstadion auf.

Die Schweizer Vorband Crimer (zu seinen Bildern) sorgt für Stimmung bis die Pop Ikone Cher ihren Auftritt hat. Der Sänger erzählt wie er in Wien mit Cher Sachertorte gegessen und sie hier in Zürich ins Fondue Essen eingeweiht hat.

Der Countdown läuft, auf der Leinwand läuft eine Videoshow mit Bildern aus einem halben Jahrhundert Cher. Der Eröffnungsvorhang fällt und Cher schwebt in einer Gondel von der Decke runter. Ihr Kostüm gleicht einer römischen Göttin oder ist es eine Meerjungfrau? Die Tänzerinnen und Tänzer tragen schillernde Outfits, die an das alte Rom und an Gladiatorenrüstungen erinnern. Die Zuschauer sind begeistert und irgendwie perplex, ist sie das wirklich? Ist sie wirklich schon 73? Ja das ist Cher.
Ihr ersten 2 Songs sind "Woman's World" und "Strong Enough". Damit besingt Cher die starken Frauen, dass Frauen auch ohne Männer leben können. Beide Songs handeln vom Abschied und beide betonen, dass die Sängerin den Verlassenen nicht mehr braucht. Denn sie sei als Frau auch alleine stark.

"Ich bin 73, was macht eure Oma heute Abend?"

Nach diesen Songs kommt eine ca. 15 min Begrüssung, in der Cher erzählt, wie George Miller ihr an ihrem 40. Geburtstag sagte, sie sei zu alt und nicht mehr sexy genug für das Filmgeschäft, sie erzählt von ihrem Hader mit dem Altern. Und sie schließt mit folgenden Worten ab: Ich bin 73, was macht eure Oma heute Abend?

Danach kommt der 1. Kostüm Wechsel. Cher hat ein halbes Dutzend Kostüme, Perücken, zehn verschiedene Paar Schuhe und die 15 größten Hits im Gepäck. Das Bühnenbild wird ein Märchen aus 1000 und einer Nacht und Cher im Sari reitet hoch auf einem mechanischen Elefanten durch das goldene Tor auf die Bühne, dabei singt sie "All Or Nothing". Das Publikum kann sich kaum vor Begeisterung noch auf den Stühlen halten. Da das ganze Hallenstadion bestuhlt ist, ist es für das Publikum schwer, sitzen zu Bleiben. Es singt und tanzt begeistert mit.

Immer wieder, wenn Cher hinter der Bühne ist um Outfit und Perücke zu wechseln, laufen Videoshows mit Bildern ihrer Karriere, mit Ausschnitten aus "Moonstruck" den "Hexen von Eastwick" oder "Meerjungfrauen küssen besser". Für die Filme war sie wohl doch nicht zu alt und zu unsexy. Cher erzählt davon, wie sie David Letterman und Thomas Gottschalk in einem ungewollt ehrlichen Moment sagte, dass sie ihn für einen Arsch gehalten hat und sie lässt auch einen Stich gegen Madonna nicht sein.

Im nächsten Song laufen Bilder von ihrem Ex-Mann. Sie schaut melancholisch auf die Leinwand und blickt verliebt zu ihm hoch. Sonny Bono ist zwar vor 21 Jahren verstorben und obwohl die Scheidung 1974 schmutzig war, das ist heute nun egal, wie auch die Tatsache, dass Cher bereits vor 15 Jahren ihre Abschiedstournee gegeben hat. Gemeinsam mit ihm singt sie " I got you, babe"

Nach der Melancholie wird es wieder sexy und heiss. Cher tritt in einem sexy Dress, welcher kaum ihre Nippel bedeckt, zum Lied "Welcome To Burlesque" auf und legt mit den Tänzern eine flotte Sohle aufs Parkett. Neun Tänzer wimmeln um sie herum, zwei Backgroundsängerinnen unterstützen sie und fünf Musiker sorgen für den Sound.

Damit Cher genug Zeit zum Umziehen hat, laufen immer wieder lange Filme oder es wirbeln zwei Trapez-Artisten tänzerisch hoch über der Bühne oder der Gitarrist lässt ein wuchtiges Rocksolo vom Stapel. Auf den Video-Einspielungen auf den LED-Schirmen sieht man die besten Szenen aus Chers Filmen. All das ist raffiniert und interessant gestaltet, bildet entweder eine perfekte Überleitung zum nächsten Song-Block, oder macht im Kontext der Abschieds-Tour Sinn, indem es wichtige Stationen und Einflüsse im Leben der Cherilyn Sarkisian illustriert.

Cher tritt nun wieder raus und singt bekannte Abba Lieder die sie im Abba Film gesungen hat. Das bekannteste ist "Fernando". Dafür steigt sie auf die oberste Bühnen Terrasse und lässt die Bilder vom Film nochmals vor Die Augen führen.

Nach einem erneuten Kostümwechsel tritt sie im wohl legendärsten Kostüm auf, als sie zum Schluss bei "If I Could Turn Back Time" im Netz-Catsuit und Lederjacke hervor kam. Dafür gibt es einen Sonderapplaus, denn sie trägt das Teil, das aus einem Sexshop kommen könnte und 1989 ein grosser Skandal war. Cher ist körperlich ein Phänomen, mit 73 schlank wie eh und je und fit wie eine 35-Jährige. "Wenn ich mein Alter sage und die Leute applaudieren, weiss ich nicht, ob sie das tun, weil sie froh sind, dass ich noch lebe, oder darüber überrascht sind. Vielleicht auch weil mir meine alten Kostüme noch passen?", darüber hatte Cher zu Beginn der Show gescherzt. In diesem Moment galt sicher Letzteres.

Zum krönenden Abschluss sang sie den Hitsong "Believe". Das Publikum tobt und fragt sich beim Rausgehen was Cher nur macht das sie und ihre Stimme nicht altern.

Zusatzkommentar des Fotografen: Weniger ist oft mehr. Weniger Kostümwechsel = mehr Cher auf der Bühne. Ihr Set umfasst 17 Songs, dazwischen gibt es 7! Unterbrüche mit Videoeinspielungen oder sonstigen Einlagen. So gesehen, dasselbe wie vor gefühlten 25 Jahren, als ich Cher zum letzten Mal live gesehen habe. Als zahlender Fan wäre ich sehr enttäuscht, denn die Tickets waren nicht gerade billig, das teuerste schlug mit Fr. 250.- ein Loch in das Portemonnaie.

Eventdatum:   09.10.2019

Text:  Janine Schönbächler

Fotograf:  Marcel Kaul / kaulphotographs.com / Fotos Crimer: Reto Turotti / szenemagazin.ch

Location:  Hallenstadion Zürich

Veranstalter:   ABC Production

Zuschauerzahl: etwas ü7000

Setlist:   Setlist.fm

Crimer:

Publiziert in Konzert

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