Die 25-jährige Zoë Më ist seit dem Eurovision Song Contest in Basel ein Begriff. Die gebürtige Baslerin vereint in ihren Chansons die deutsche und französische Sprache und wechselt zwischendrin. Die schottische Singer-Songwriterin Amy Macdonald war in dem Alter bereits weltbekannt und tourt durch Europa mit ihrem neuen Album «Is This What You've Been Waiting For?». Sie ist bereits zum dritten Mal im intimen Setting in Basel.
Starten darf die Band der jungen Baslerin, das Intro wechselt mit dem Erscheinen der Sängerin in Dorienne Gris. Mit kritischen Tönen hinterfragt sie die Fixierung von jungen Mädchen auf äussere Schönheit und wünscht sich Dorienne aus dem Ideal-Bild heraus. Mit einem ganz anderen Cliché rechnet sie dann etwas später ab. Sie hat eine Nachbarin mit Trisomie 21, die es liebt zu singen. Ihre Freude ist ansteckend und überhaupt nicht anders. Sie ist auf ihre Art normal. Die Baloise Session 2025 stehe übrigens unter einem guten Stern. Sie hat die letzte Nacht bei Verwandten in Basel verbracht. Da sei der Kaminfeger vorbeigekommen und habe ihr als Talisman eine kleine «Chemifäger»-Figur geschenkt. So könne die Show nur ein Erfolg werden. Nach der ruhigen Nummer Million de Mois, bei der sie den Verblichenen gedenkt und durch das Publikum mit Handylicht unterstützt wird, zeigt sie uns etwas Neues. Die Single Clair de Lune wird in der folgenden Woche released, wir kriegen bereits eine Vorschau darauf. Es ist zwischendurch eher etwas lauter, beim Soundmixer hat es aber wohl jemand sehr gut mit dem Bass gemeint. Ich bin gespannt auf die perfekt abgemixte Studio-Version. Nach dem Lieblingslied der Band, Lied ohne Ende, folgt das eher ruhige Overdose auf Französisch und das fast latin-angehauchte Durch die Nacht. Obwohl sie ihren ESC-Beitrag noch nicht angespielt hat, stellt sie ihre Band vor und zusammen verbeugen sie sich vor dem Publikum zu tosendem Applaus. Ganz fertig ist sie aber noch nicht. Zoë Më verlässt die Bühne nach vorne ins Publikum. Sie hofft, dass alle Anwesenden zusammen mit ihr eine schöne Reise erleben. In der Mitte des Saals ist eine kleine Minibühne, von wo aus sie dann Voyage anstimmt.
Im Intimen Setting der Baloise Session sitzt man jeweils an einem Tisch. Darauf hat es dann Platz für Getränke, Wein oder Schampus, die in der Pause auch nachgefüllt werden können. Das führt aber auch dazu, dass die Schlange vor den Toiletten lange ist. Und das nicht nur bei den Damen. Das hat auch Amy Macdonald bemerkt. Nach der poppigen Eröffnung mit dem Is This What You’ve Been Waiting For? vom gleichnamigen neuen Album, beschwert sie sich. Sie musste schon zehn Minuten neben der Bühne warten, obwohl sie eigentlich hätte loslegen können. «We’re off to a bad start guys!» Dass wir so lange an der Bar waren, gehe gar nicht. In Schottland wäre so etwas nicht möglich, da wären alle immer noch an der Bar! Sie sinniert darüber, wie schnell die Zeit vergeht, sie sei ja schon das dritte Mal hier. Das nächste Lied Spark stammt von dem Album «A Curious Thing», welches schon 15 Jahre auf dem Buckel hat («can you believe it») und dafür in pinkem Vinyl als Special Edition erschienen ist. Und auch bei dem darauffolgenden Forward zeigt sie immer wieder ihren speziellen Singstil, bei dem sie den Anfang eines Wortes stark betont. Daraus entsteht wie ein zusätzliches rhythmisches Instrument. Der knappe Platz vor der Bühne ist gerappelt voll mit alten und, zugegebenen eher wenigen, jungen Menschen. Die Schottin zieht an, so waren die Tickets innerhalb der ersten 30 Sekunden restlos ausverkauft. Sie erzählt über den Monat Pause vor diesem Konzert und dass sie immer noch nervös ist vor jeder Show. Im Gegensatz zur vollen und präsenten Singstimme wirkt sie dazwischen sehr ruhig und grazil. Das Publikum ist plötzlich so nah und kann sogar ihre Setlist sehen. Beim ersten Mal an der Session hiess diese noch Avo Session. Sie war noch ganz frisch in der Musikszene und dachte, das Kettein-Zigarrenrauchen an Konzerten wäre völlig normal. Danach musste sie ihre ganze Lunge heraushusten. Zum Glück ist das heute nicht mehr so und der Nebel sei jetzt rein auf Wasserbasis. Ihre kleinen Geschichten kommen beim Publikum gut an, von ihrer Nervosität fehlt jede Spur. Aus ihren Anfängen wechselt sie in ihre erste Single Mr Rock And Roll. Spätestens jetzt hat sie das Publikum im Sack, sie stehen, tanzen, klatschen zu Don’t Tell Me That It’s Over mit.

Ein Mann im Publikum hat sich heute für Amy einen Kilt angezogen und von der Bühne aus sieht sie weitere Indizien, dass weitere Schotten am Konzert sind. Was genau sei der Grund, dass Schotten in Basel leben? Als Antwort erhält sie «Drink, Drugs and Rock’n’Roll», worauf sie schmunzeln muss. Aber doch, Schottland und die Schweiz hätten viel gemeinsam. Schöne Landschaften, tolle Leute aber im Unterschied zu Schottland hätte es hier tonnenweise Geld! Neben den Witzen, auch mit etwas Wehmut, schafft sie es, die Zuschauer in ihre Performance einzubinden. Neben Klatschen fordert sie zu Slow It Down auch Mitsingen ein und bei Run die Handylichter. Auch bei ihrer Performance kommt manchmal der Bass etwas stark durch. Sie beklagt sich auch etwas darüber, der Menge scheint es nicht aufzufallen. Sie verabschiedet kurz die Band für We Survive und holt danach einen Teil für Woman oft he World zurück. Zwei Bandmitglieder spielen zum ersten Mal mit ihr und konnten nicht mal zusammen üben. Davon kommt nichts durch, auch nach dem Monat Pause und mit neuen Profis scheint alles wie geölt. Die Lieder werden etwas schneller und poppiger, sie schliesst mit This Is The Life ab und geht bei einer Standing Ovation von der Bühne. Sie lässt uns etwas warten und witzelt vor der Zugabe darüber, dass sie irgendwann mal ein Konzert machen werde, bei dem es keine Zugabe gibt. Es interessiert sie, wie lange noch jemand bleiben würde, nachdem sie schon lange mit dem Bus weggefahren ist. Nach Fire erklärt sie uns etwas Spezielles über Barrowland Ballroom. Das Lied sei so schnell und anstrengend, jedes Mal fragt sie sich «why have we got this in the setlist?». Nach dem Lied wird sie schweissüberströmt sein. Den fulminanten Abschluss machen sie dann mit Let’s Start A Band und verbeugen sich zu überschwänglichem Applaus.
Den Anfang der diesjährigen Baloise Session machen zwei Frauen an unterschiedlichen Karrierepunkten. Die eine hat ein paar wenige bekannte Lieder, die andere einen regelrechten Katalog davon. Gemeinsam haben sie das Publikum mit Geschichten und toller Musik begeistert. Vielleich hat der «Chemifäger» doch etwas geholfen.
Eventdatum: 17.10.2025
Fotograf: Nils Blattner / szenemagazin.ch
Location: Messe Basel, Basel
Veranstalter: Session Basel AG
Zuschauerzahl: unbekannt
https://szenemagazin.ch/konzert/item/1463-frauenpower-an-der-baloise-session-opening-night?print=1&tmpl=component#sigProId8f66a4c793
