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11'000 Musikbegeisterte feiern perfekte Abschiedsparty auf dem Männlichen

11'000 Musikbegeisterte feiern perfekte Abschiedsparty auf dem Männlichen zvg David Birri / Jungfraubahnen

Trotz des schlechten Wetters besuchten rund 11'000 Musikfans während zwei Tagen das 25. und letzte SnowpenAir. Am Samstag sorgten Juraya, Gotthard und Simply Red für einen ersten rockigen und souligen Festival-Tag. Eine geniale Mundart-Party am Sonntag durch Stubete Gäng, Heimweh und Gölä rundete die finale Ausgabe des SnowpenAir ab.

Samstag, Tag 1

Samstagmorgen fuhr mein Zug um 08:01 Richtung Thun. Das Wetter bei mir in Konolfingen grau, nass und gar nicht einladend für einen Tag im Freien. Unterwegs trifft man auf bekannte Fotografen-Gesichter. Ankunft am Terminal in Grindelwald. Erstaunlicherweise kaum Menschen… wo sind die ganzen Massen? Habe ich mich im Datum geirrt? Also schnell das Gepäck im Schliessfach versorgt und mit der V-Bahn hoch auf den Männlichen. Die Gondel schaukelt ordentlich. Umso höher wir gelangen, desto schlechter das Wetter und die Sicht. Oben angekommen sieht es schon mehr nach Festival aus. Einige wenige Musikfans stehen bereits in der Schlange für den Einlass.

Eröffnet wurde das 25. SnowpenAir durch Juraya. Eine Band bestehend aus 5 Schweizer Musikern, die alle irgendwo aus dem Mittelland von Neuchâtel bis Interlaken kommen. Die wichtigste Gemeinsamkeit ist der ungewollte Drang, kraftvoll und melodiös abzurocken, ihr Publikum zu tanzender Bewegung mit geschlossenen Augen zu infizieren, ihnen gute Vibes auf den Weg mit nach Hause zu geben und selbst in der Spielfreude aufzugehen.

 

Bild: Andrea Schüpbach (szenemagazin.ch) 

Die Szenen um 12:00 Uhr erinnern eher an eine Polar-Expedition als an ein Musikfestival. Starke Böen, heftiger Schneefall und eisige Temperaturen begleiten den Start der Band. Der Zuschauerraum ist gut gefüllt, einige haben es sich so gut als geht im Camping-Stuhl bequem gemacht. Die Mützen tief ins Gesicht gezogen, in warme Decken gehüllt, kann die Band die Stimmung anheizen. Derweil war der einheimische Juraya-Sänger Peter Urfer im Nebel kaum zu erkennen. «Es isch souchalt!», verkündete er – vielmehr gab es in dem Moment auch nicht zu sagen. Der dritte Song war angestimmt, da ging ein Jubelschrei durchs Publikum, die dicke Nebelschicht verzog sich und die Sonne zeigte sich ganz scheu und wurde immer wie mehr. Man glaubt es kaum, aber den Rest des Konzertes spielte Juraya unter fast blauem Himmel. Die wärmende Sonne und die souligen Moves brachen nun endgültig das Eis der Zuschauer. Die Stimmung aufgeheizt, wartete das Publikum gespannt auf den nächsten Act. Rockig ging es weiter.

Bereits bei der ersten Ausgabe des SnowpenAirs im Jahre 1998, damals noch mit dem verstorbenen Frontsänger Steve Lee, standen Gotthard auf der Bühne auf der Kleinen Scheidegg. Seither immer noch mit dabei sind zwei Mann, namentlich Leo Leoni und Marc Lynn. One Life, One Soul sang Frontmann Nic Maeder fast so gefühlvoll wie sein Vorgänger. Heaven war die obligate erste Zugabe, Anytime, Anywhere folgte als kraftvoller Abschluss. Gotthard, egal ob damals oder heute, spielen immer noch in der Topliga. Ihr Auftritt am SnowpanAir ist legendär und souverän wie eh und je, auch wenn der Sound durch die Wetterbedingungen etwas gedämmt wurde. Eine absolute Herausforderung für alle Beteiligten und ein riesen Aufwand für die Tontechniker.

 

Bild: Andrea Schüpbach (szenemagazin.ch)

 

Hauptact und exklusiver Auftritt in der Schweiz: Simply Red. Simply Red überzeugte das Publikum nicht nur mit bekannten Hits wie Holding Back the Years oder If You Don`t Know Me by Now, sondern auch mit vielen weiteren Songs aus ihrem über vierzigjährigen Schaffen. Die rund 4700 Festivalfans liessen sich vom perfekten Mix aus Soul, Funk und Reggae mitreissen. Die Band um Leadsänger Mick Hucknall war damit Garant für eine gelungene SnowpenAir-Party am ersten Festivaltag. Das Wetter machte dem Namen SnowpenAir alle Ehre, wechselten sich doch Schneegestöber und Sonne immer wieder ab. Wer nach Simply Red immer noch nicht genug von Musik hatte, der konnte sich unten am Terminal bei einem grünen «Fröschli» oder einem eisigen Bier und gutem Sound unterhalten lassen. Die bekannten DJs Moser und Schelker feierten mit zahlreichen Festivalbesuchern noch bis 19:30 Uhr zu bekannten Songs aus aller Welt. Ausverkauft war der Samstag nicht: 4700 Festivalbesucherinnen wurden durch die Jungfraubahnen bestätigt, 6000 Tickets wären verfügbar gewesen.

 

Sonntag, Tag 2

Der Blick aus dem Hotelzimmer verhiess nichts Gutes. In der Nacht hatte es ordentlich geschneit. Der Blick hoch in die Berge - wo sind die Berge? Eine dicke Schicht aus Wolken und Nebel versperrt den Blick in die Berglandschaft. Nach einem ausgiebigen Frühstück am Hotel-Buffet starteten wir Richtung Terminal. Ausverkaufter Tag. Ja, dies merkte man bereits unten am Terminal. Die Schlange bei der Gondel war bereits sehr lange. Oben am Gelände angekommen Nebel, Schnee und eine eisige, steife Brise. Auch die Warteschlange vor dem Eingang staute sich bis nach hinten zur Gondelbahn. Ein Lob an die Veranstalter, der Einlass funktionierte tadellos und relativ zügig. Das Gelände füllte sich ruckzuck. Durch die Neuschneemenge wurde das Rutschrisiko am Anfang etwas entschärft. Doch bei 6200 Festivalbesuchenden verwandelte sich das Gelände schnell in eine Eisbahn. Gutes Schuhwerk und Eiskrallen waren heute Pflicht.

 

Bild: Andrea Schüpbach (szenemagazin.ch)

Für Gölä, Heimweh und Stubete Gäng war es am zweiten Festivaltag quasi ein Heimspiel und deshalb ein Leichtes, die 6200 Musikfans auf dem Männlichen in ihren Bann zu ziehen. Sie sorgten so für einen ausverkauften Festivaltag und eine perfekte Mundart-Party.

 

Den Auftakt bildete die Stubete Gäng. Aurel und Moritz Hassler zusammen mit dem Vater Hans Hassler stellen sie eine beliebte Tradition komplett auf den Kopf und spielen «Stubete», wie man sie noch nie gehört hat. Gemütlich in der Stube zusammensitzen, mit Familie und Nachbarn. Akkordeon und Kontrabass stets griffbereit. So gibt’s die Stubete seit Jahrhunderten. Mit ihren bekannten Hits wie Petra Sturzenegger oder ÖrbnLändlr heizen sie trotz starkem Schneefall, wenig Sicht und Frostigen -8 Grad den Männlichen gehörig ein. Es wird getanzt, gesungen und gelacht. Trotz grosser Rutschgefahr sowohl auf der Bühne wie auch im Zuschauerraum wird nicht auf akrobatische Einlagen verzichtet. Mit heimatlichen Klängen und Texten sang sich anschliessend Heimweh, der unkonventionelle Männerchor im Chüer Mutz, in die Herzen des Publikums.

Heimweh ist ein Projekt-Männerchor, der es sich zum Ziel gemacht hat, die schönsten Stimmen der Schweiz zu vereinen. Herkunft, musikalische Ausbildung, Genre oder Alter sollen dabei keine Rolle spielen. Die zwölf Stimmen besingen Gefühle, wie sie jeder kennt und erlebt. Heimweh singt vom Wunsch nach Liebe, Heimat und einer Familie. Die Sänger kommen aus allen Ecken der Deutschschweiz. Ein gemeinsames Zuhause gibt es nicht, aber eine gemeinsame Leidenschaft - die Musik und die Liebe zur Natur. Nach diesen wunderschönen Klängen warten nun alle gespannt auf den Hauptact dieses Tages. Kein anderer würde besser passen als er…

 

Bild: Andrea Schüpbach (szenemagazin.ch)

Der Oberländer Mundart Sänger Gölä spielte am Sonntagnachmittag das finale Konzert des berühmten musikalischen Schnee-Event am Fusse von Eiger, Mönch und Jungfrau. 

 

Wenn es bis jetzt noch ein Plätzchen frei hatte auf dem Gelände, jetzt nicht mehr! Es ist rappelvoll. Alle warten gespannt… Als Gölä die Bühne betritt ist der Himmel grau/bedeckt, es geht ein eisiger Wind und die Schneeflocken versperren ab und an den Blick auf die Bühne. Doch wenn man in die Gesichter der Zuschauer schaut, müsste man denken es sei 30 Grad und Sonnenschein. Zum Schluss heizt Gölä mit seinen Mundarthits nochmals so richtig ein, exzellente Rockmusik in Schweizerdeutsch, mit bekannten Hits und neuen Songs wie Eine uf d'Fründschaft aus dem Album «U.F.O.»

«Wir feiern nicht die Dernière, sondern das 25. Jubiläum», meint Jungfraubahnen-Direktor und SnowpenAir-Gründer Urs Kessler: «Die lange Tradition des SnowpenAirs geht mit einem wunderbaren Jubiläum und einer grossen Festival-Party zu Ende.» Gründe für die letzte Ausgabe sind laut Urs Kessler folgende: Erstens sind die Gagen nach der Corona-Krise nochmals gestiegen. Damit ist ein solches Festival mit qualitativ guten Künstlern bei einer Grenze von rund 6000 Musikbegeisterten fast nicht mehr mit einer schwarzen Null zu realisieren. Und zweitens sind in den vergangenen Jahren immer mehr Konkurrenzanlässe entstanden und es machen sich gewisse Sättigungserscheinungen bemerkbar.

Die Dernière des SnowpenAirs war gleichzeitig die zweite Ausgabe auf dem Männlichen. «Jede der 25 Ausgaben hatte ihre Highlights», zieht Jungfraubahnen-Direktor und SnowpenAir-Gründer Urs Kessler Bilanz. Am aufwändigsten sei sicher die Ausgabe beim Grindelwald-Terminal mit je 10'000 Gästen pro Tag gewesen. «Es hat immer Spass gemacht und schön war, dass wir immer wieder lokalen Gruppen sowie Schweizer Bands eine Auftrittsmöglichkeit bieten konnten. Das kam auch beim Publikum jeweils gut an», sagt Urs Kessler. Jetzt sei die Wehmut gross. «Dieser Entscheid bietet aber auch eine Chance, ein neues Event zu lancieren.»

Für die 25. Ausgabe wurden rund 40 Tonnen Material verbaut. Gegen 250 Helferinnen und Helfer stehen im Einsatz. Das Konzert-Budget beträgt 1,8 Millionen Franken.

Zum Schluss noch einige Fakten aus 25 Jahren SnowpenAir:

  • Musikfans: 225'800 Musikfans waren über die 25 Ausgaben dabei. Den Publikumsrekord gab es bei der Ausgabe im Jahr 2022 mit insgesamt 20’500 Personen. Damals spielten an den zwei Tagen unter anderem Sunrise Avenue, Patent Ochsner und Helene Fischer.
  • Musik: Gut 200 Stunden Musik wurden während der 25 Austragungen gespielt.
  • Gagen: 1,27 Millionen Franken Gage wurden im Rekordjahr 2022 an die Künstlerinnen und Künstler ausbezahlt. Bei der Erstausgabe mit Florian Ast und Gotthard beliefen sich die Gagen noch auf weniger als 100'000 Franken.
  • Schweizer Musikschaffende: 70 Auftritte von Schweizer Musikschaffenden zählt das SnowpenAir über all die Jahre. Spitzenreiter sind Gotthard und Ritschi mit je vier Auftritten.
  • Internationale Acts: 43 internationale Acts begeisterten das Publikum über die 25 Austragungen. Spitzenreiter ist hier Bryan Adams mit drei Auftritten.
  • Material: 250 Tonnen Material wurden im Rekordjahr 2022 beim Grindelwald Terminal benötigt. In den Jahren 2023 und 2024 auf dem Männlichen waren es lediglich 40 Tonnen Material.
  • Staff: Durchschnittlich 220 Helferinnen und Helfer standen bei jeder Ausgabe im Einsatz. Sie alle trugen massgeblich zum Erfolg des SnowpenAirs bei.
  • Wetter: «Gschneit und chuttet» hat es bei den ersten fünf Ausgaben und auch bei der 25. und letzten Ausgabe. Perfektes Wetter herrschte bei der Rekordausgabe 2022 und 2019.

 

Eventdatum: 23./24.03.2024

Fotografin:  Andrea Schüpbach / szenemagazin.ch

Titelbild:   zvg David Birri / Jungfraubahnen

Location:  Kleine Scheidegg, Grindelwald

Veranstalter: Jungfraubahnen

Zuschauerzahl: 4600 Tag 1 / 6000 Tag 2

 

Tag 1

 

Tag 2

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Andrea Schüpbach
Publiziert in Konzert

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