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Birdy stellt unveröffentlichte Songs vor

Birdy stellt unveröffentlichte Songs vor Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Wie so viele Konzerte ist auch der Gig von Birdy immer wieder verschoben worden. Heute tritt die 26-jährige Musikerin aus der UK im Volkshaus auf.

Inzwischen bin ich es gewohnt, dass mir von Besuchern Fragen gestellt werden. Von «Wo sind die Toiletten?» zu «Wie komme ich auf die Galerie?» oder «Ist Depot auf dem Becher?» war heute wieder alles vertreten. Nein, meine beiden Kameras fallen offenbar nicht auf. Ich schiebe es auf die schwarze Kleidung und den Lanyard um den Hals.

Zu Beginn sehe ich eher junges Publikum, das sich bis kurz vor Beginn auf den Boden setzt. Die wenigen Vertreter von Gen-X bleiben mehrheitlich stehen. Je näher 20 Uhr rückt, umso voller wird es, auch auf der Galerie sind schon viele an ihren Plätzen.

Als Opener sitzt der Zürcher Singer/Singwriter Junes am Keyboard. Und selbiges steht im Graben auf einem Podest. Ich fotografiere schon viele Jahre an Konzerten, aber das ist ein Novum. Leider ist das Geschnatter im Raum lauter als die sanfte Melodie, die Junes ins Mikrophon haucht. Mit jedem Song scheint es lauter zu werden und ich nerve mich über die Respektlosigkeit dem Künstler gegenüber. Hinter mir werden allen Ernstes Spargelrezepte ausgetauscht! Ob er das mitbekommt? Interessanterweise war es dann bei Birdy von Anfang an still im Saal. Und das tat mir grad noch mehr leid für Junes.

 

Hat Birdy die weisseste Haut, die ich je gesehen habe?

Mit 14 Jahren tauchte Jasmine Lucilla Elizabeth Jennifer van den Bogaerde auf dem Radar der Musikwelt auf. Sie brachte 2011 ihr erstes Album «Birdy» heraus und begeisterte unter anderem mit der Coverversion Skinny Love von Bon Iver. Sie begann zu touren und ein Jahr später war sie in den internationalen Charts mit der Coverversion People Help People. Im grossen Kanton performte sie diesen Song 2012 bei The Voice of Germany mit der Finalistin Isabell Schmidt. 

2013 folgte «Fire Within», 2016 «Beautiful Lies». Während sie in ihrer Heimat und Schottland mit jedem Album bessere Platzierung erhielt, entwickelte es sich in anderen Ländern in die entgegengesetzte Richtung. Eine Nummer 1 in den Charts hat sie aber bislang nur ausserhalb der UK geschafft. Birdy war seit ihrem ersten Album konstant auf Tour und brauchte eine Pause von der Musik - diese dauerte schlussendlich 5 Jahre. Während einer 3-monatigen Reise durch Indien hatte sie viele Eindrücke gewonnen und, so Birdy, ihren Kopf freibekommen. 2021 brachte sie «Young Heart» heraus. Doch die Tourpause dauerte weiter an. Die Gründe kennen wir alle nur zu gut und zeugen davon teilweise noch heute mit Tickets an den Kühlschränken.

Das neueste Album «Portraits» ist für den 14. Juli 2023 angekündigt. Auf ihrer aktuellen Tour hat sie gleich mehrere der neuen Songs mit dabei, die noch nicht veröffentlicht sind. Das Bühnenbild ist schlicht gehalten. 7 Scheinwerfer mit Scheunenklappen auf einem Gestänge, das nach Bedarf leuchtet. Mit Blick von der Galerie wirken sie teilweise wie Strassenlaternen. Zu Surrender wechselt Birdy von der Gitarre an die Keys. Ihre Titel sind ruhig, aber nicht alle mit Herzschmerz. Drum kündigt sie bei Song Nummer 7 auch an, es sei jetzt Zeit für ein paar traurige Titel. Zwischendurch sagt Birdy ein paar Sätze, meistens kündigt sie aber nur das nächste Lied an. Vor Not about Angels erwähnt sie, diesen Track für den Netflix-Film «The Fault in our Stars» geschrieben zu haben. Ein Titel zum Abtauchen, sanft und gleichzeitig doch irgendwie schwermütig. 

Als Birdy Silhouette ankündigt, geht ein «aaaaw» durchs gut besetzte Volkshaus in Zürich. Und natürlich sind alle am Start, als sie Running up the Hill anhängt. Das Original von Kate Bush aus den 80ern war letzten Sommer wieder in den Charts, nachdem es in Episode 4 der Serie «Stranger Things» eingesetzt wurde. Beim noch unveröffentlichten Song Ruins II war die Bühne in tiefrotes Licht getaucht. Sieht toll aus, solange man nicht fotografieren muss. Das war heute teilweise auch eine echte Herausforderung bei den ersten 3 Titeln, als ich noch im Fotograben stand. Die gewählten Farben waren für Bilder meist eher suboptimal. Ich bin mir nicht sicher, ob Birdy tatsächlich so weisse Haut hat oder ob sie sich extra hell geschminkt hatte, aber beim blauen Licht kam mir Tim Burtons Corpse Bride in den Sinn. Es wurde aber nicht besser, denn bei 1901 war ein grüner Scheinwerfer auf sie gerichtet und liess sie kränklich aussehen. 

Natürlich durfte auch Skinny Love nicht fehlen und das Zürcher Publikum zeigte sich textsicher. Ihre erste Zugabe war In your Arms und sie meinte: «Wenn ihr jemals jemanden verloren habt, ist dieses Lied für euch». Auf den Stehplätzen gingen vereinzelt die Handylichter an, da hätte ich deutlich mehr erwartet. Auf der anderen Seite habe ich aber auch schon lange nicht mehr erlebt, dass nicht schon ein Grossteil den Saal verlassen hat, bevor die Zugaben beginnen. Heute blieben beinahe alle bis zum letzten Ton von Wings.

Ich bin gespannt, wie ihr neustes Album ankommen wird. Am Konzert schien die neue Richtung zu gefallen. Bleibt für ihre Fans zu hoffen, dass sie nicht wieder 6 Jahre warten müssen, bis sie nach Zürich kommt. 

 

  

 

Eventdatum: 05.04.2023

Fotografin:  Michelle Brügger / szenemagazin.ch

Location:  Volkshaus, Zürich

Veranstalter: Just Because

Zuschauerzahl: unbekannt

 

Weitere Informationen

  • Fotograf/-in: Michelle Brügger
Publiziert in Konzert

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