Ein letztes Mal verwandelt sich der Green Carpet vor dem Zürcher Opernhaus in die grosse Bühne des Zurich Film Festival. Kameras klicken, Scheinwerfer tauchen den Eingang in festliches Licht, elegant gekleidete Gäste strömen Richtung Opernhaus. Es ist jener Abend, an dem noch einmal alles zusammenkommt, was das ZFF ausmacht: grosses Kino, internationale Strahlkraft, Emotionen und die besondere Nähe zwischen Filmschaffenden und Publikum. Die Award Night bildet den festlichen Höhepunkt der 22. Ausgabe – und einer steht dabei besonders im Mittelpunkt: Andy García. Der Hollywoodstar ist Ehrengast des Abends und bringt jene Aura mit nach Zürich, die man mit den grossen Namen des amerikanischen Kinos verbindet. García braucht keine spektakuläre Inszenierung. Seine jahrzehntelange Karriere spricht für sich. Filme wie «The Untouchables», «Black Rain», «The Godfather Part III» oder die «Ocean’s»-Reihe haben ihn einem weltweiten Publikum bekannt gemacht. Für seine Darstellung des Vincent Mancini in Francis Ford Coppolas «The Godfather Part III» erhält er 1991 sogar eine Oscar-Nomination.
An diesem Abend geht es aber nicht allein um Erinnerungen an eine grosse Karriere. García ist mit einem Projekt nach Zürich gekommen, das ihm besonders am Herzen liegt. Nach der Preisverleihung präsentiert er im Opernhaus persönlich seinen neuen Film «Diamond». Es ist wohl eines seiner persönlichsten Werke: García spielt die Hauptrolle, führt Regie, schreibt das Drehbuch, produziert den Film und ist auch an der Musik beteiligt. Das Film-Noir-Drama versteht sich als Liebeserklärung an Los Angeles und an das klassische Hollywoodkino. Mit Bill Murray, Dustin Hoffman, Brendan Fraser und Vicky Krieps ist der Film zudem hochkarätig besetzt. Gerade dieser Auftritt verleiht der Award Night ihren besonderen Glanz. Während draussen auf dem Green Carpet noch fotografiert, begrüsst und posiert wird, rückt im Opernhaus das in den Mittelpunkt, worum sich während elf Festivaltagen alles dreht: die Leidenschaft für Geschichten und für Menschen, die sie auf die Leinwand bringen.
Zürich hat in diesen Tagen ohnehin reichlich Hollywood erlebt. Julianne Moore, Naomi Watts, Tom Hiddleston, Willem Dafoe, John Turturro, Olivia Colman, Alexander Skarsgård, Casey Affleck, Anna Kendrick und Danny Boyle gehören unter anderem zu den grossen internationalen Namen der diesjährigen Ausgabe. Andy García übernimmt nun gewissermassen die Rolle des prominenten Schlussakkords. Doch die Award Night gehört ebenso den Filmschaffenden des Wettbewerbs. Im Spielfilm-Wettbewerb gewinnt der französische Regisseur Pierre le Gall mit «Flesh and Fuel» das Goldene Auge. Der Preis für den besten Dokumentarfilm geht an Pete Muller für «Bucks Harbor». Beide Hauptpreise sind mit jeweils 25'000 Franken dotiert. Für einen weiteren emotionalen Moment sorgt Andrina Mračnikar, die mit «Mila / Marija» den Publikumspreis gewinnt. Applaus, Freude und sichtbare Erleichterung bei den ausgezeichneten Filmschaffenden prägen die Zeremonie. Für manche bedeutet ein solcher Preis weit mehr als eine Trophäe. Es ist Anerkennung für Jahre der Arbeit, für Durchhaltewillen und für den Mut, eine Geschichte überhaupt erst auf die Leinwand zu bringen.
Diese Mischung aus etablierten Stars und neuen Talenten macht die Award Night so besonders. Hier trifft Hollywood auf europäisches Autorenkino, Erfahrung auf Aufbruch und Glamour auf jene leisen, persönlichen Momente, die kein Drehbuch braucht. Mit Andy García findet das ZFF dafür einen passenden Ehrengast. Ein Schauspieler, der seit mehr als vier Jahrzehnten vor der Kamera steht und dennoch mit «Diamond» noch einmal seine ganz persönliche Vision verwirklicht. Sein Besuch setzt einen eleganten Schlusspunkt unter ein Festival, das Zürich während elf Tagen erneut zur internationalen Filmstadt macht.
Als sich die Award Night dem Ende nähert, bleibt deshalb nicht nur die Erinnerung an Preise und prominente Namen. Es bleibt das Gefühl eines Abends, an dem das Kino gefeiert wird – stilvoll, emotional und mit jener Prise Hollywood, die den Green Carpet vor dem Zürcher Opernhaus für einige Stunden zu einem ganz besonderen Ort macht.
Eventdatum: 03.10.2026
Fotograf: Reto Turotti / szenemagazin.ch
Location: Opernhausplatz, Zürich
Veranstalter: ZFF AG
Zuschauerzahl: unbekannt
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